Calbe l Knapp zweieinhalb Stunden musste Bernd Neubauer mit anderen Anwohnern der betroffenen Landesstraßen warten, bis das Thema Straßenlärm im Bauausschuss am Mittwochabend an der Reihe war. Seit Mai 2019 besitzt die Stadtverwaltung Kenntnis von Schallberechnungen an der Magdeburger und Arnstedtstraße. Auf Bitten der Kommune hatte die Landesstraßenbaubehörde die Untersuchung gestartet. Zuvor hatten sich immer wieder Anwohner über den Lärm beschwert.

Die Beschwerden, so zeigt die Untersuchung der Landesbehörde, ist begründet. Die Bürger werden weit mehr Lärm Tag und Nacht ausgesetzt, als dies gesetzlich erlaubt ist. Betroffen sind vor allem die Bewohner, die mit ihren Häusern unmittelbar an den Landesstraßen wohnen. In der Mitteilungsvorlage für den Bauausschuss heißt es dazu: „Grundsätzlich ist festzuhalten, dass die Grenzwerte am Tag und in der Nacht durchweg überschritten werden. Eine Reduzierung mit einer Unterschreitung der Werte kann durch eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h nicht erreicht werden, jedoch die Situation zum aktuellen Stand verbessert werden.“

Der Landkreis ist zuständig

Allerdings hat die Stadt nicht die Entscheidungsgewalt, wie schnell innerhalb von Calbe gefahren werden darf. Da es sich um eine Landesstraße handelt, ist der Landkreis hierfür zuständig. Der Regionalbereich West der Landesstraßenbaubehörde habe vorgeschlagen, das Tempo auf 30 Stundenkilometer für alle Fahrzeuge in den genannten Straßen zu reduzieren. Allerdings, gaben die Stadträte zu bedenken, seien die Fahrzeuge dann auch länger auf den Straßen unterwegs. Dann reduziere sich vielleicht der Lärm und die Abgasemissionen nehmen im gleichen Zeitraum zu. Die Stadträte schlugen dem Bürgermeister vor, die Schalluntersuchung auf die Landesstraßen im gesamten Stadtgebiet auszudehnen, um zu erfahren, ob nicht noch die Bewohner anderer Teile der Saalestadt zu viel Lärm erdulden müssen. Aus den Daten müsste die Stadt dann ein Gesamtkonzept ableiten.

Für Bernd Neubauer verlief die Behandlung des Themas enttäuschend, sagte er. Er habe sich mehr von der Untersuchung und der Behandlung im Bauausschuss erhofft. Das könne es nicht gewesen sein, ist er der Meinung. Ein anderer Bürger erinnerte in der Sitzung die Stadträte an den Nachbarort Brumby. Dort sei Tempo 30 durchgesetzt worden. Regelmäßig sei die Geschwindigkeit gemessen worden. Das müsse auch in Calbe möglich sein, forderte der Bürger eine Gleichbehandlung. Auf einer der nächsten Sitzungen soll das Thema im Stadtrat behandelt werden, hat die CDU/FDP-Fraktion bereits bei Stadtratsvorsitzenden Christian Behlau (Linke) beantragt. Das sagte der Stadtratschef am Mittwochabend in der Sitzung.