Schönebeck. Der Anstieg der Wildunfälle im Salzlandkreis ist nach Angaben des Revierförsters Jens Dedow zu großen Teilen menschengemacht. „Die Menschen sind immer weniger bereit, ihr Verhalten zur Unfallvermeidung anzupassen“, sagte der Förster des Revier Elbaue, der auch Vorsitzender der Schönebecker Jägerschaft ist. Wichtig sei es demnach vor allem, gerade in der Dämmerung langsamer zu fahren und bremsbereit zu sein, wenn das Wild unterwegs ist. „Viele Autofahrer sind aber auf der Landstraße auch abends mit mehr als Tempo 100 unterwegs“, sagte Jens Dedow. Das liege auch daran, dass sich viele in ihren immer größeren Autos sicherer fühlten. Grundsätzlich sollte sich jedoch der Mensch anpassen, da er in den Lebensraum der Tiere eindringt.

Mehr als 1000 Wildunfälle im Jahr

Wildunfälle führen die Liste der Verkehrsunfälle im Salzlandkreis immer noch unangefochten an. So registrierte die Polizei 2017 in der Region insgesamt 5359 Unfälle. An 1099 Zusammenstößen war Wild beteiligt. Dabei kam es zu 18 Unfällen mit Personenschaden, darunter 15 Leichtverletzte und fünf Schwerverletzte. Bis zum September gab es im Salzlandkreis 825 Unfälle mit Tieren, im Vorjahreszeitraum waren es noch 805. Auch in diesem Jahr rechnet die Polizei wieder mit mehr als 1000 Wildunfällen. Die Polizei macht auch den stetig wachsenden Verkehr für die Zunahme der Wildunfälle verantwortlich.

Zum Teil habe das auch damit zu tun, dass es der Wildpopulation sehr gut geht. „Wir Jäger erfüllen unsere Abschussquoten zum Teil sogar über“, versicherte Jens Dedow. Durch den steigenden Anbau von energiereichen Pflanzen gerade für Biomasseanlagen und Benzin würden die Tiere jedoch auch ein reichhaltiges Nahrungsangebot auf den Feldern finden.

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Mittlerweile wird auch im Salzlandkreis mit verschiedenen Abwehrmaßnahmen experimentiert, um Rehe und Wildschweine von den Straßen fernzuhalten. So werden etwa blaue Reflektoren an den Leitpfosten angebracht, um die Tiere zu stören. Auch akustische Signale wurden bereits verwendet. Dedow hält von solchen Maßnahmen allerdings wenig. „So etwas hilft immer nur zeitbegrenzt“, hat er festgestellt. Sobald sich die Tiere daran gewöhnen und merken, dass ihnen von den Anlagen keine Gefahr droht, wirken solche Tricks nicht mehr. Bei größeren Straßen und Autobahnen werden sogar eigene Brücken für die Tiere errichtet. Das würde jedoch nur funktionieren, wenn die Straßen komplett eingezäunt werden. Das sei nur bei Autofahnen der Fall.

Dedow hat auch selbst schon Silberstreifen in die Bäume aufgehangen, um das Wild zu verjagen. Der Erfolg hielt jedoch nicht lange an. „Das Wild ist sehr anpassungsfähig“, sagte er. Diese Anpassungsfähigkeit zeige sich auch darin, dass Rehe eigentlich tagaktiv sind. So würden sie sich vor allem deshalb in der Dämmerung bewegen, weil dann weniger Menschen unterwegs sind.

Bei Unfall die Polizei rufen

Sollte auch bei angepasster Geschwindigkeit einmal ein Tier vors Auto laufen, empfiehlt der Förster Autofahrern, das Fahrzeug trotzdem weiter geradeaus zu steuern. „Dabei entsteht nur Sachschaden. Personenschäden sind meistens die Folge von Ausweichmanövern“, sagte Dedow. Nach einem Wildunfall sollte die Polizei verständigt werden, nicht zuletzt, um den Schaden für die Versicherung aufzunehmen. Die Einsatzleitung könne bei Bedarf auch den zuständigen Jäger kontaktieren, falls ein verletztes Tier getötet werden muss. Auf keinen Fall sollten verletzte Tiere selbst getötet werden, da sie sich mitunter wehren und gefährlich sein können.

Für die Jäger sei es schmerzhaft, die am Straßenrand verendeten Tiere zu sehen. „Es ist nicht schön, wenn Tiere unnötig leiden und sterben müssen“, sagte Jens Dedow. Und viele Wildunfälle ließen sich durch eine angepasste Fahrweise durchaus vermeiden, ist der Förster überzeugt.