Schönebeck/Staßfurt l Sie werden vernachlässigt, leiden unter sozialer Ausgrenzung, machen Erfahrungen mit Gewalt und Aggressivität zuhause – all das und noch mehr ist laut der Landesstelle für Suchtfragen Sachsen-Anhalt häufig bei Kindern zu beobachten, die in einer Familie mit suchtkranken Eltern leben. Nicht zuletzt ist bei diesen Kindern das Risiko, selbst eine Suchtproblematik oder eine andere psychische Störungen zu entwickeln, erhöht.

Um auf diese und ähnliche Probleme aufmerksam zu machen findet von Sonntag, 14. Februar, bis Sonnabend, 20. Februar, eine bundesweite Aktionswoche statt. Sie soll eben jene Kinder, die oft vergessen werden, in den Fokus rücken.

Beratung der Arbeiterwohlfahrt

„In dieser besonderen Zeit ist meiner Meinung nach wichtig, eventuell doch noch mal genauer hinzuschauen und aufzuklären, dass es sich dabei nicht um ein Rand-Phänomen handelt“, sagt Loreen Fröhnert, Mitarbeiterin der Suchtberatungsstelle (Fachbereich Prävention) der Arbeiterwohlfahrt (Awo) im Salzlandkreis. Wie Fröhnert erklärt, haben etwa 250 Personen aus dem Bereich Schönebeck, Calbe und Barby die Suchtberatung der Awo im vergangenen Jahr in Anspruch genommen. „Bei etwa einem Drittel davon leben minderjährige Kinder mit im Haushalt“, so Loreen Fröhnert. Das sind rund 80 Kinder. Vermutlich aber mehr, denn schließlich nimmt längst nicht jeder Suchtkranke die Beratung der Awo in Anspruch. Für den Staßfurter und Ascherslebener Raum sind es mindestens 60 Kinder, informiert Awo-Geschäftsführerin Ines Grimm-Hübner.

Der Awo-Mitarbeiterin ist es wichtig, dass Menschen, die Umgang mit Kindern haben – beispielsweise Sozialarbeiter, Lehrer und Erzieher – ihren Blick für dieses Problem schärfen, Anzeichen zu deuten wissen. „Ein Anzeichen kann eine plötzliche Wesensveränderung beim Kind sein. Wenn das Kind auf einmal in sich gekehrt ist oder im Gegenteil sehr aufmüpfig wird, kann das auf Probleme zuhause hinweisen“, so Fröhnert. Aber natürlich sind auch andere Ursachen für eine Wesensveränderung denkbar.

Kinder automatisch mitbetroffen

Markus Reiß, Suchtberater beim Diakonischen Werk Bethanien in Bernburg, hebt hervor: „Kinder können sich am wenigsten wehren, sind den Umständen ausgeliefert. Und liegt bei den Eltern eine Suchterkrankung vor, sind die Kinder automatisch mitbetroffen. Daher ist es gut, auf dieses spezielle Problem aufmerksam zu machen.“

Weiterhin sei es entscheidend, den Kindern, die süchtige Eltern haben, zu vermitteln, dass sie keine Schuld an der Erkrankung und an den Problemen der Eltern tragen. „Oftmals suchen Kinder die Schuld für die Probleme ihrer Eltern bei sich selbst“, sagt Loreen Fröhnert. Deshalb brauche es einer altersgemäße Aufklärung über die Erkrankung ihrer Eltern und bestehende über Hilfsangebote.

Hilfe im Netz

Weiter Informationen und auch Hilfe für betroffene Eltern und Kinder gibt es unter anderem im Internet unter www.suchtzuhause.de oder www.kidkit.de.