Schönebeck l Mario Melchior ist schon seit 7.45 Uhr mit dem Tafel-Transporter in Schönebeck und dem Umland unterwegs. Der Ehrenämtler klappert Märkte und Händler ab, um Lebensmittel zu sammeln. In grünen Kisten werden ihm Spenden übergeben. Die Märkte werden jeden Tag angefahren. Wie viele er davon am Tag zusammen bekommt, ist unterschiedlich. Die Mitarbeiter in den Märkten kennen ihn schon, erzählt er ein wenig mit Stolz. Und immer hat er gut zu tun. „Teilweise sind es bis zu 30 Kisten an einem Markt“, erklärt der 54-jährige Schönebecker. Der gelernte Maler und Lackierer kann aus gesundheitlichen Gründen seinem Beruf nicht mehr nachgehen. Seit August ist er für die Schönebecker Tafel unter Trägerschaft des Arbeiterwohlfahrts-Kreisverbandes (Awo) Salzland ehrenamtlich tätig.

Eine Pause kennt der fleißige Helfer nicht, wie er erzählt. Der Grund: der Transporter ist kein Kühlfahrzeug und damit müssen die Lebensmittel schnellstmöglich an ihren Bestimmungsort. Das ist der Lagerraum der Tafel-Ausgabestelle in der Pestalozzistraße 2. Es ist kurz vor 12 Uhr mittags. Schnell schleppt er die letzten Kisten aus dem Auto. Dann beginnt sein nächster „Job“. Mario Melchior wirkt kommunikativ, freundlich und hat trotzdem eine ruhige Ausstrahlung. Deswegen kümmert er sich auch um den Einlass an der Ausgabestelle.

In Kontakt kommen

Dreimal wöchentlich können Bedürftige nach vorheriger Anmeldung hier gegen einen eher symbolischen Obolus Grundnahrungsmittel abholen. Die Warteschlange an diesem Tag ist lang. Es sind Menschen jeden Alters und verschiedener Nationalitäten. Vom Rentner bis zum Sozialhilfeempfänger ist jeder vertreten. Die, die bereits angemeldet sind, ziehen eine Nummer. Denn so eine Ausgabe läuft mit viel System ab, wie Matthias Kresse von der Gesellschaft für Struktur- und Arbeitsmarktförderung Salzland (Gesas) erklärt. Auch nach der neuen Trägerschaft durch die Awo (seit Juli) übernimmt die Gesas derzeit noch die Organisation, so wie sie das bereits in den vergangenen Jahren mit einem ähnlichen Tafel-System etabliert hat. „Durch das Nummern-System zählt hier nicht, wer zuerst kommt“, erklärt Matthias Kresse, der für die Organisation zuständig ist. Die Menschen warten vor der Tür. Sie unterhalten sich, die Tafel bietet auch Möglichkeit in Kontakt zu kommen – mit Menschen, denen es ähnlich geht.

Bilder

Drinnen laufen kurz vor der Ausgabe die letzten hektischen Vorbereitungen. Hier kümmern sich mehrere geförderte Mitarbeiter um die Verteilung der Spenden. Alles ist vorbereitet, die in den frühen Morgenstunden gepackten Kisten sind fertig für die Verteilung. Darin ist augenscheinlich von allem etwas enthalten – vom Pudding bis zum griechischen Salat. An diesem Tag sind sie gut gefüllt. Zusätzlich gibt es zum Beispiel auch noch Obst oder Pfannkuchen – je nachdem, was die Spenden hergeben. „Wir kalkulieren jeden Tag. Alles mit einmal können wir nicht verteilen, weil vielleicht dann am nächsten Tag zu wenig da ist“, erklärt Matthias Kresse. Bis zu 30 Kisten gehen bei einer Ausgabe über die „Theke“. An diesem Tag sind es 25 für insgesamt 21 sogenannte „Bedarfsgemeinschaften“. Die Rationen sind festgelegt – bis drei Personen gibt es eine Kiste, ab vier Personen zwei Kisten und so weiter.

Noch nichts gegessen

Es geht los: eine Frau und ein Mann – beide mittleren Alters – haben die Eins gezogen. Mario Melchior lässt sie durch die Tür. Sie bleiben an der Brötchenkiste stehen. „Wie viele dürfen es sein?“ Die Frau zeigt vier. „So wenig nur?“ Der Mann: „Na gut, eins mehr noch. Ich bin ja auch noch da“, lässt er sich mit Schmunzeln überreden. An diesem Tag gab es für die beiden noch nichts zu essen, erklären sie. Die bedürftigen Kunden können überall sagen, was sie von den zusätzlichen Dingen möchten. Was die Kunden aus den Kisten nicht mitnehmen, wird weiter aufbewahrt.

Zwischendurch kommen immer wieder Menschen, die sich neu anmelden. Sie sind zwar organisatorisch für die aktuelle Ausgabe nicht eingeplant, aber „nach Hause geschickt wird hier niemand“, macht Matthias Kresse deutlich. Er erzählt, dass die Zahl der Anmeldungen seit der offiziellen Übernahme der Tafel Anfang Juli, zugenommen haben. Pro Ausgabe wird im Schnitt an die 20 Bedarfsgemeinschaften herausgegeben. Jede „Gemeinschaft“ darf nur einmal pro Woche teilnehmen.

Zufriedene Gesichter

Nach gut 45 Minuten wird es ruhiger. Mario Melchior gönnt sich eine Pause. Auf die Frage, was ihm an seinem Ehrenamt gefällt und warum er das mehrmals die Woche macht, antwortet er: „Die zufriedenen Gesichter der Leute“. Seine Antwort kommt vom Herzen. „Es ist eine gute Zugabe für die Menschen und sie ist sehr wichtig“.

Ehrenamtliche Hilfe wird immer gesucht. Infos unter tafel@awo-slk.de.