Breakdance

Der Tanzstil Breakdance wurde in den 1970er Jahren von afroamerikanischen Jugendlichen unter dem Namen B-Boying in den Straßen von New York entwickeln. Getanzt wird vor allem zu Hip-Hop, Funk oder Pop. Vom Straßentanz entwickelte sich Breakdance bis heute zur anerkannten Tanzform, in der auch Wettkämpfe ausgetragen werden. Bei den dritten Olympischen Jugendspielen 2018 in Buenos Aires wurde Breakdance ins Programm aufgenommen.

Die Schönebecker Breakdance-Crew Boys in Black wurde stark durch die Magdeburger Szene beeinflusst, die zu den besten in Deutschland gehört. Bekannt ist vor allem die Crew Da Rookies, die 1999 gegründet wurde und mehrere nationale und internationale Meisterschaften gewonnen hat. Da Rookies entwickelten die Show „Der Nussknacker – Klassik trifft auf Breakdance“. Die sechs Mitglieder wurden im Mai zu Ehrenbotschaftern der Stadt Magdeburg ernannt. (ji)

Schönebeck l Zu lauten Hip-Hop-Beats wirbelt und dreht sich Benjamin Meißner über den Boden. Er schnellt mit den Füßen nach oben und verharrt in schräger Pose auf fast schon magische Weise in einem einarmigen Handstand – und lächelt dabei auch noch. „Freeze“, zu Deutsch: „Einfrieren“, heißt dieser Trick, einer seiner Lieblings-Moves beim Breakdance. Benjamin Meißner rollt sich ab, schnellt empor und erntet den Applaus von den Mitglieder seiner Crew, die ihn bei seiner Tanzeinlage mit rhythmischen Klatschen angefeuert.

Benny – wie Meißner nur genannt wird– ist 30 Jahre alt und tanzt schon seit 24 Jahren Breakdance. „Breakdance ist Freiheit. Beim Tanzen kriege ich den Kopf frei und kann den Alltag vergessen“, sagt der Schönebecker. Als kleiner Junge hat er ein paar Breakdancern in Magdeburg gesehen. Seitdem lässt in diese Straßentanz nicht mehr los.

Vorbild Magdeburg

„Am Anfang haben wir im Jugendclub einfach so getanzt, wie wir wollten“, sagt Meißner. Getanzt wurde zunächst zu den Hits der Dance-Band Scooter, erst später versuchten sich die Jungs standesgemäß an richtigem Hip-Hop. Die Breakdance-Szene in Magdeburg boomte und die Schönebecker schauten sich immer mehr Tricks ab.

Mittlerweile ist Benny selbst zum Tanzlehrer geworden und bringt rund 20 Kindern und Jugendlichen dreimal in der Woche Breakdance bei. Und dass sogar mit ziemlichen Erfolg. „Im vergangenen Jahr sind wir deutscher Meister geworden“, erzählt Meißner. Und das gleich bei der allerersten Teilnahme der Schönebecker Crews. Die Boys in Black hatten sich das Turnier noch im Vorjahr nur angeschaut und gedacht: „Das können wir auch.“ Womit die Schönebecker offenbar völlig Recht hatten.

Bei der Weltmeisterschaft in Polen hat es dann bei der ersten Teilnahme immerhin noch für einen respektablen fünften Platz gereicht. In diesem Jahr findet die Weltmeisterschaft sogar in Deutschland statt. Boys in Black werden im Oktober mit insgesamt sechs Mitgliedern in zwei Teams in Bremerhaven dabei sein.

Wobei das Thema Wettkämpfe bei Breakdancern nicht ganz unumstritten ist. Schließlich kommt der Tanz ursprünglich von der Straße. „Einige Breakdancer lehnen Wettkämpfe komplett ab“, erzählt Meißner. „Uns macht es aber einfach Spaß, dabei immer wieder neue Leute kennenzulernen und sich auch mal ein paar Tricks abzuschauen.“ Außerdem wollen die Tänzer auch ihre Künste zeigen, dass gehöre einfach dazu. Und so treten die Boys in Black auch immer wieder bei Veranstaltungen in der Region auf, etwa bei beim Bierer-Bergfest, beim Brunnenfest oder in der vergangenen Woche beim Familienfest der Arbeiterwohlfahrt.

Traum vom Hobby als Beruf

Benny Meißner arbeitet gern mit den jungen Leuten zusammen. „Zum einen ist es gut, wenn sie nicht nur auf der Straße rumhängen“, sagt er. „Es macht aber auch Spaß mitzuerleben, wie sie über das Tanzen zu einer richtigen Familie zusammenwachsen.“ Apropos Familie: Auch seine beiden jüngeren Brüder Chris und Dennis Meißner tanzen bei den Wettkämpfen mit, seine beiden Söhne Jannik (7) und Luca (10) trainieren bereits fleißig in der Gruppe mit.

Meißners Traum: Eines Tages von der Arbeit als selbstständiger Tanzlehrer leben zu können. Der Schönebecker arbeitet zwar schon mit Tanzschulen zusammen. Hauptberuflich verdient er allerdings immer noch als Bäckereifahrer seine Brötchen.

Meißner unterrichtet grundsätzlich alle seine Schüler gemeinsam. Egal ob sie sechs Jahre alt sind und gerade mit dem Breakdance Anfangen oder wie er bereits 30 sind und schon seit Jahren tanzen. „Alle können immer voreinander lernen“, ist Benjamin Meißner überzeugt. Auch Mädchen trainieren mittlerweile bei ihm mit. Sie tanzen unter dem Namen Ladys in Red.

Name nicht schwer zu finden

Der Name der Crew Boys in Black war nicht schwer zu finden: Die Jungs tanzen in den schwarzen Trainingsanzügen des Schönebecker Sportvereins Union 1846, dem sie angegliedert sind. Zuvor hatten sie noch beim derzeit geschlossen Awo-Jugendclub Rainbow trainiert. Doch die Zahl der Breakdancer stieg so stark an, dass sie sich schließlich dem Verein angeschlossen haben. Trainiert wird nun immer in der Schneider-Grundschule in der Kirchstraße. Neue Tänzer sind jederzeit willkommen.

Breakdance-Crew Boys. Training: Montags, mittwochs und freitags um 16 Uhr in der Schneider-Grundschule in der Kirchstraße 22. Schönebeck. Facebook: „Breakdance und streedance „Ladys in Red“ & „Boys in Black“.