Pretzien l Der unangefochtene König im Pretziener Steinbruchsee ist Kalle. Im Grunde wollen alle Taucher, die das Gewässer erkunden, den Bergmann sehen. Besser gesagt: Sie wollen das Gerippe des Bergmanns sehen. Viel Fleisch ist an Kalle nämlich nicht mehr dran. „Die Idee hatte mein Mann, denn der ist selbst Bergmann“, sagt Jessika Philippi, die zusammen mit ihren Eltern Henry und Gabriela – allesamt begeisterte Taucher – die Tauchbasis in Pretzien leitet. Und da es sich bei dem See um einen ehemaligen Steinbruch handelt, passt ein „vergessener“ Kumpel thematisch gut dazu. Also hat sich die Familie aus Zerbst ein Gerippe besorgt, ihm eine Spitzhacke in die knöchrige Hand gedrückt, einen Schutzhelm auf den Kopf gepflanzt und im See versenkt – Hingucker.

Unter der Wasseroberfläche gibt es aber noch mehr zu entdecken. „Die algenbehangenen versunkenen Wälder wirken sehr mystisch und sind schön anzusehen, genauso wie die Steilwände“, berichtet Jessika Philippi. Darüber hinaus gibt es noch allerlei Gegenstände zu sehen, die aus der Zeit stammen, als der Steinbruch noch nicht von Fischen bevölkert wurde. „Loren, Treppenaufgänge, Schienen, Werkbänke – allerhand Bergbau-Ausrüstung eben“, so Philippi.

Tauchausbildung im See

Im Steinbruchsee tauchen aber nicht nur erfahrene Unterwassersportler ab. Die Familie Philippi bildet nämlich auch aus. Kinder ab zehn Jahren und Erwachsene können hier ihren Tauchschein erwerben. Und Unentschlossene können sich beim Schnuppertauchen zunächst ausprobieren.

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Demnächst wird es aber wohl weniger Gesellschaft für Kalle geben, denn die Tauchsaison neigt sich dem Ende entgegen. Diese ist in etwa von März bis Oktober. Und vor allem in den Sommermonaten ist in der Tauchbasis gut was los. Doch auch im Winter gibt es für die Philippis genug zu tun. „Wenn keine Besucher da sind, dann arbeiten wir am Gelände der Basis, bereiten unsere Messebesuche vor, kümmern uns um Wartung und TÜV der Flaschen – langweilig wird uns jedenfalls nicht“, sagt die erfahrene Taucherin. Darüber hinaus muss natürlich auch der hauseigene Tauchshop betreut und verwaltet werden.

Tauchverbot aufgrund von Corona

In diesem Jahr war aber alles etwas anders. Ursache: Corona – was sonst. „Das Coronavirus und die verschiedenen Beschränkungen haben sich schon deutlich auf das Geschäft ausgewirkt. Es durften ja beispielsweise keine Besucher aus anderen Bundesländern kommen und der Tauchsport selbst war erst ab dem 9. Mai wieder erlaubt“, blickt Jessika Philippi zurück. Logisch, dass dadurch weniger Menschen die Tauchbasis in Pretzien aufgesucht haben.

Den Shop, wo sie Flossen, Neoprenanzüge, Tauchmasken und ähnliches Zubehör anbieten, haben die Philippis zwar schon etwas früher wieder öffnen dürfen, doch das habe nicht wirklich viel genutzt. „In erster Linie wollen die Leute halt tauchen und nicht einkaufen“, weiß Philippi.

Basis ist Geheimtipp

Doch wenn man das „Corona-Jahr“ ausklammert, dann hat sich die Basis am Steinbruchsee mittlerweile als kleiner Geheimtipp unter Tauchern etabliert. „Wir haben eigentlich jedes Jahr neue Gäste und gleichzeitig auch ein paar Stammkunden. Es scheint also zu gefallen“, sagt die Zerbsterin.

Sie selbst hat übrigens auch vor rund 23 Jahren im Steinbruchsee mit dem Tauchen angefangen und seitdem schon über 1000 Tauchgänge absolviert. Und auch ihr Sohn hat schon beachtliches Interesse an dem Hobby der Familie. Die Chancen, dass „Kalle“ einen weiteren Philippi unter Wasser trifft, stehen also nicht schlecht.