Tipps gegen Betrug

Wenn sich (echte) Polizeibeamte telefonisch melden, dann nie mit unterdrückter Nummer. Zudem nennen sie am Telefon ihren Namen.

Mit spezieller Software können Betrüger den Anruf so steuern, dass auf dem Telefon der Opfer die Nummer 110 erscheint, um vorzugaukeln, dass echte Polizisten anrufen. Jedoch werden von der „110“ keine Anrufe getätigt.

Im deutschen Rechtssystem gibt es keine Kaution, die verlangt werden könnte.

Zudem verlangen die Beamten nicht einfach Geld. Wenn, dann wird ein Haftbefehl persönlich von unifomierten Beamten überreicht.

Im Zweifel sollten sich Betroffene immer nochmal bei der örtlichen Polizeidienststelle absichern – beispielsweise ob Kollege XY gerade tatsächlich angerufen hat.

Betroffene sollten bei schockierenden oder dubiosen Anrufen einer Vertrauensperson (Familie, Freunde) davon berichten.

Welsleben l „Ich habe das immer für mich selbst ausgeschlossen, dass ich zum Ziel von Telefonbetrügern werde. Sonst liest man ja fast immer nur davon, dass Rentner zum Opfer von Betrügern werden – und ich arbeite ja noch“, sagt Constance Jessen. Doch an einem Montag Mitte Januar hat sich das geändert. An diesem Tag erhielt die 56-jährige Welsleberin nämlich selbst einen Anruf von Telefonbetrügern – und wäre um ein Haar auf die „Schockanruf“ genannte Masche hereingefallen.

„Es klingelte und ich ging ans Telefon. Zu hören war eine weinerliche Frauenstimme. ‚Mutti, ich hatte einen Unfall‘, stammelte sie aufgeregt. Da hieß es dann bei mir: Panik-Modus an, Realität aus“, berichtet Constance Jessen von den ersten Momenten des Schockanrufs. Und die Masche wird ihrem Namen gerecht: der weinerliche Ton, ein vermeintlicher Unfall – all das verfehlt seine Wirkung nicht. Die Mutter ist geschockt.

Vermeintlich schlimmer Verkehrsunfall

„Ich habe dann gefragt ‚Maria, bist du es?‘ Was schön blöd war – dann hatten die ja den Namen“, resümiert die Welsleberin. Die junge Frau am Telefon bejaht das nur kurz und sagt noch: „Ich gebe dir mal die Polizistin.“ Es meldet sich eine andere Frau am Telefon. Diese schildert Jessen, dass ihre Tochter einen Unfall in Magdeburg hatte. Sie sei zu schnell unterwegs gewesen, habe aufs Handy geguckt und dabei eine rote Ampel übersehen. Dadurch habe sie einen Fußgänger überfahren, der jetzt im Krankenhaus in Lebensgefahr schwebe.

Noch voller Aufregung zweifelt Constance Jessen das nicht an. Wenn sie jetzt darüber nachdenkt, sagt sie: „Im Nachhinein muss ich sagen, dass das schon ganz schön viel auf einmal ist: Zu schnell, rote Ampel, aufs Handy geguckt. Aber in dem Moment war ich überrumpelt.“

29.000 Euro Kaution

Jessen fragt bei der vermeintlichen Polizistin, wo ihre Tochter ist, ob sie zu ihr kann. „Nein, wir müssen sie hierbehalten. Nur mit einem richterlichen Beschluss gegen Kaution geht das“, wird ihr geantwortet. Dazu würde sich bei Constance Jessen die Staatsanwaltschaft melden. Und kurz darauf klingelt wieder das Telefon in Welsleben. Am Apparat: eine „Staatsanwältin“. Die Kaution betrage 29.000 Euro in bar, wird Constance Jessen gesagt. „Wer hat denn so viel Geld in bar? Das habe ich so nicht“, sagt die Welsleberin. Doch die vermeintliche Staatsanwältin hat ein vermeintlich gutes Herz. „Ich würde es für Sie auch irgendwie hinbiegen, dass das mit 10.000 Euro klappt“, sagt sie der besorgten Mutter.

Constance Jessen willigt ein. Sie macht sich auf den Weg zur Bank und gibt noch kurz ihrem 22-jährigen Sohn Bescheid. „Ich habe ihm ganz schnell erklärt, was los ist und dass er der Anwältin meine Handynummer geben soll, wenn sie nochmal anruft“, berichtet Jessen. Dann macht sie sich auf zur Bank.

Bankkonto komplett leer geräumt

Dort angelangt klingelt ihr Handy. Die „Anwältin mit dem guten Herz“ ist dran. „Ich habe ihr gesagt, dass ich gerade in der Bank bin und Geld hole.“ Die Frau am Telefon rät ihr daraufhin: „Sie dürfen gegenüber den Bankangestellten nicht erwähnen, dass das für eine Kaution ist. Sonst zögert sich das hinaus, weil die dafür noch Unterlagen beantragen müssen.“ Jessen erwähnt gegenüber der Bankangestellten also nichts von einer Kaution. Sie gibt an, dass das Geld für einen geschäftlichen Zweck ist. „Aber ich muss ein Lob an die Bankmitarbeiterin aussprechen. Sie hat nachgefragt, ob jemand in Not ist. Da hätte ich eigentlich schon ins Grübeln kommen sollen“, so die Welsleberin. Dennoch steigt sie mit dem kompletten Geld ihres Kontos ins Auto. Wieder klingelt ihr Handy...

Derweil war auch das Haustelefon in Welsleben nicht stumm. Constance Jessens Sohn nimmt während sie das Geld organisiert nicht nur den Anruf der falschen Anwältin entgegen und gibt ihr die Nummer seiner Mutter. Es klingelt nochmal und es ist nur das Gebrabbel eines kleinen Kindes zu hören. Der 22-Jährige wird stutzig. Erst der Notfall um seine Schwester und dann ruft am selben Tag noch ein Kind an oder es wird ein Telefonstreich gemacht? Er wählt die Nummer seiner Schwester – und die geht ran und weiß rein gar nichts von einem Unfall. Sie sei auf Arbeit.

Groschen fällt

Als Constance Jessen an ihr Handy geht, erklärt ihr ihr Sohn, dass alles in Ordnung ist. Dass es gar keinen Unfall gab. „Dann ist auch der Groschen gefallen“, resümiert die 56-Jährige.

Sie informiert die Polizei über den Vorfall. Das Telefon klingelt derweil regelmäßig – vermutlich „die Staatsanwältin“. Die echten Polizisten raten ihr dann, beim nächsten Mal ranzugehen und einen Termin zur Geldübergabe auszumachen, doch dann bleibt das Telefon still. „Ich vermute mal, dass die Betrüger misstrauisch geworden sind“, sagt Jessen.

Kritischer nachfragen

Für die Welsleberin steht nach diesem Erlebnis fest, dass sie jetzt noch kritischer nach- und hinterfragen wird, was man ihr am Telefon erzählt. Und sie betont: „Das kann fast jedem passieren, nicht nur Rentnern. Es ist wichtig, dass die Menschen das wissen und beachten. Darum wollte ich das auch alles nochmal erzählen, um andere zu warnen.“

Und die Menge der Telefonbetrügereien hat mit dem Lauf der Jahre zugenommen, bestätigt Marco Kopitz, Sprecher beim Polizeirevier Salzlandkreis. Er rät: „Im Zweifel immer Vertrauenspersonen von solchen Anrufen erzählen und bei der örtliche Polizeidienststelle anrufen, um nachzufragen.“ Außerdem betonen Kopitz und Jessen gleichermaßen, dass sich niemand schämen muss, der auf eine solche Betrugsmasche hereinfällt. In jedem Fall sollten diese Delikte angezeigt werden.