Calbe l An einen unglücklichen Zufall glaubt Uta Kuhn schon längst nicht mehr. In den vergangenen zwei Monaten sind drei ihrer Katzen und eines ihrer Pferde gestorben. Die Umstände deuten auf eine Vergiftung der Tiere hin.

Und auch am 31. Januar beobachtet die tierliebe Calbenserin ein auffälliges Verhalten bei ihrem Shetlandpony „Bella“. „Als mein Mann und ich am Abend die Pferde in den Stall gebracht haben, da fiel uns schon auf, dass das Pony eigenartig geht. Als wir dann die Hufe untersuchen wollten, ist das Pferd sogar umgekippt und auf mich drauf gefallen. Und auch danach zeigte das Tier neurologische Ausfälle“, sagt Uta Kuhn.

Pony taumelt

Ein Video, das Uta Kuhn aufgenommen hat, bestätigt ihre Schilderung. Zu sehen ist das Shetlandpony, das im Stall hin und her taumelt. Die Hinterbeine des Tieres zucken. Allerdings frisst das Tier. Das schließt eine Kolik, also eine Verdauungsstörung bei Pferden, aus. Bei Koliken verweigern die Tiere nämlich die Aufnahme von Futter, sagt Tierarzt Dietrich Horrmann.

An diesem Januarabend ruft Uta Kuhn den Tierarzt Christian Niederlein aus Dornitz dazu. Der Tiermediziner ist auf Pferde spezialisiert und betreut schon länger die Tiere der Calbenserin.

Schmerzmittel verabreicht

„Wir haben die ganze Nacht um das Tier gekämpft. Es konnte kein Gegenmittel verabreicht werden, da wir nicht wussten, was das Pony überhaupt hat. Aber immerhin hat das Tier Schmerzmittel bekommen, um sein Leid zu mildern““, sagt Uta Kuhn.

Mittlerweile geht es dem Pony von Tag zu Tag besser, wenn auch nur allmählich. „Noch immer bewegt sich das Pony sehr langsam und bedächtig“, berichtet Uta Kuhn.

Blutuntersuchung veranlasst

Um der Sache nachzugehen, hat sie eine Blutuntersuchung veranlasst. Kostenpunkt: etwa 200 Euro. Doch das ist es der Calbenserin wert. „Auch wenn sich nicht alles nachweisen lässt, so will ich es doch wenigstens versuchen.“

Die Calbenserin ist sich aber sicher, dass es sich um eine Vergiftung handelt. Und um eine böse Absicht. Am Futter könne es jedenfalls nicht liegen, wie sie erklärt: „Mehrere Pferde, Ziegen und Schafe fressen von dem gleichen Futter. Wenn damit etwas nicht stimmen würde, dann wären sie ja alle krank oder vergiftet und nicht nur einzelne Tiere. Jemand muss an den Zaun gegangen sein und etwas rüber geschmissen haben, was dann gefressen wurde“, ist Kuhn überzeugt. Bei den drei Katzen, die zuvor gestorben waren, habe sie sich noch nichts dabei gedacht. „Man hört ja mal, dass die vielleicht Rattengift oder sowas fressen und denkt nicht gleich an eine absichtliche Vergiftung. Aber nachdem es noch die Pferde getroffen hat, bin ich mir sicher, dass das jemand gezielt macht“, so Kuhn.

Anzeichen einer Vergiftung

Vor dem Shetlandpony wies nämlich auch ein anderes Pferd von Uta Kuhn, die Fuchsstute „Speedy May“, Erscheinungen einer Vergiftung auf. „Das war am 11. Januar. Da haben wir auch erst gedacht, dass das Tier krank ist. Doch es wurde immer schlimmer. Das Pferd lag auf dem Rücken und hat die Beine angezogen, das habe ich zuvor noch nie gesehen“, berichtet Uta Kuhn.

Zudem sei die Augenschleimhaut des Tieres kirschrot gewesen. „Eine Rötung der Schleimhaut kann auf eine Vergiftung hinweisen. Jedoch unterscheiden sich die Symptome je nach Art des Giftes sehr. So kann die Temperatur des Tieres steigen, es kann anfangen zu zittern, schläfrig werden, innerlich verbluten oder Kolik-Erscheinungen aufweisen – das ist ganz unterschiedlich“, sagt Dietrich Horrmann. Generell sei es schwer zu erkennen, ob und womit ein Pferd vergiftet wurde, sagt der Tierarzt.

Transport in Klinik ratsam

Darüber hinaus sei bei einer Vergiftung die Behandlung vor Ort oft nicht ausreichend. Außer Schmerzmittel zu verabreichen, können Tierarzt und Pferdehalter nicht viel tun, so Dietrich Horrmann. Er rät: „Als erstes natürlich immer den Tierarzt anrufen und schon am Telefon so viele Informationen wie möglich durchgeben. Am sichersten ist dann anschließend ein Transport in eine Tierklinik. Dort kann dem Tier auch am ehesten geholfen werden. Außer den Kreislauf zu stabilisieren, kann der Tierarzt eigentlich nicht viel machen.“

Uta Kuhn ruft Christian Niederlein dazu. Das Pferd bekommt Schmerzmittel. Bis in die Nacht sind der Tierarzt und die Besitzerin bei der Stute. Doch es ist vergebens. Dem Tier geht es immer schlechter. Letztlich entscheidet sich Uta Kuhn dazu, das Pferd von seinem Leid zu erlösen. Die sechsjährige Stute wurde am 12. Januar eingeschläfert.

Tiere in Stallgemeinschaft

„Warum macht man sowas? Wenn jemand mit mir ein Problem hat, dann soll er das mit mir klären. Warum müssen die Tiere darunter leiden?“, fragt sich Kuhn, die der Überzeugung ist, dass jemand einen Groll gegen sie hegt. Grund für diese Annahme ist unter anderem, dass nur Tiere von ihr die Vergiftungserscheinungen aufweisen. Dabei hat sie mit anderen Tierhaltern eine Stallgemeinschaft gebildet – es befinden sich also mehrere Tiere auf dem Gelände. Den anderen Tieren der Stallgemeinschaft ist jedoch bislang nichts passiert.

Übrigens hält sie die Tiere schon seit rund zehn Jahren auf dem Grundstück im Norden von Calbe. Ärger mit Nachbarn habe sie nicht. „Mit den Nachbarn habe ich ein gutes Verhältnis. Ich hätte auch nie gedacht, dass ich mal eine Videoüberwachung brauche. Sonst hat das mit ‚wachsamen Nachbarn‘ immer gut funktioniert“, sagt Kuhn. Doch um die Tiere zu schützen, hat die Calbenserin mittlerweile Wildkameras installiert. Sie hofft, so den mutmaßlichen Täter zu ermitteln oder wenigstens abzuschrecken.

Anzeige erstatten

Zudem hat sie sich entschieden, Anzeige bei der Polizei zu erstatten. Obgleich sie bedauert, dass das Vergiften eines Tieres neben der Tierquälerei lediglich als Sachbeschädigung geahndet wird. „Mir geht es da auch gar nicht um den Wert der Tiere. Es sind schließlich keine Turnier- oder Sportpferde. Aber es sind Lebewesen“, sagt Uta Kuhn.