Plötzky l Es ging hoch her bei der Sprechstunde von Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch (CDU) in Plötzky. Ortschaftsrätin Heidrun Rösler kritisierte am Dienstagabend lautstark einen vermeintlich „Ausverkauf“ des Ortsteils. Denn die Stadtverwaltung überlegt, die beiden Campingplätze am Kolumbussee und am Edersee mitsamt den Gewässern an private Investoren zu verkaufen. Grund: Die Stadt Schönebeck hat nicht genug Geld, um die notwendigen Investitionen in eine touristische Entwicklung der Anlagen zu tätigen.

Investoren gesucht

Derzeit befinden sich die Pläne allerdings noch in einem sehr frühen Stadion. Der Stadtrat soll in den nächsten Wochen über einen Grundsatzbeschluss zum Verkauf der Campingplätze abstimmen - also über die grundsätzliche Frage, ob es überhaupt zu einer Privatisierung kommen soll. Über konkrete Angebote oder Käufer würde erst zu einem späteren Zeitpunkt diskutiert. Der Grundsatzentscheid soll nun zunächst in den Ausschüssen und Ortschaftsräten vorberaten werden - allerdings im nichtöffentlichen Teil unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

Sehr zum Ärger einiger Bürger in Plötzky. So wurde bei der Sprechstunde lautstark die Sorge geäußert, dass nach einer Privatisierung der Zugang zu den Seen kostenpflichtig oder gesperrt werden könnte. Zudem gibt es Befürchtungen, dass Pächter die Grundstücke ihrer Bungalows verlieren.

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Schönebecks Oberbürgermeister verteidigte die Pläne zum Verkauf der Campingplätze, die von der städtischen Elbaue Naherholungsförderungsgesellschaft betrieben werden. „Wir wollen die Region touristisch entwickeln. Für die dringend notwendige Aufwertung des Campingplatzes fehlt Schönebeck aber das Geld. Es ist auch nicht die Aufgabe der Stadt, einen Campingplatz zu betreiben“, sagte er. Demnach müssten in die Campingplätze mindestens eine Millionen Euro investiert werden, um sie für Besucher wieder attraktiver zu gestalten - das ist das Ergebnis eines Gutachtens, dass die Stadt in Auftrag gegeben hatte.

Daher sollen für die Campingplätze über eine Ausschreibung Investoren gesucht werden, die die Grundstücke kaufen und das Geld für die nötigen Investitionen mitbringen. Auf die Frage, warum das Grundstück nicht verpachtet werde, antwortete der Oberbürgermeister, dass ein Pächter ohne Eigentum am Grundstück keinen Kredit für die Investitionen erhalten würde. Angaben über einen möglichen Erkaufserlös konnte Bert Knoblauch nicht machen. „Es geht aber nicht darum, Einnahmen für die Haushaltskonsolidierung zu erzielen“, versicherte er.

Der Oberbürgermeister ging auch auf die Befürchtungen der Bürger ein. „Die Grundstücke mit den Bungalows sollen nicht verkauft werden“, versicherte Bert Knoblauch. Dass der Zugang zu den Seen eingeschränkt werden könnte, wollte er jedoch nicht ausschließen. „Natürlich kann ein neuer Eigentümer selbst entscheiden, was er mit seinem Grundstück macht“, so Knoblauch. Die Stadt würde jedoch bei einem Verkauf versuchen, einen öffentlichen Zugang in den Verträgen festzuschreiben.

Plötzkys Ortbürgermeister Martin Kütz (SPD) hatte sich differenzierter zum Verkauf der Campingplätze geäußert. „Die Campingplätze werden bisher weder professionell betrieben noch vermarktet. Da muss dringend etwas geschehen“, sagte er. Allerdings müsse bei einem Verkauf sichergestellt werden, dass die Seen weiter öffentlich zugänglichen sind.

Campingplatz gesperrt

Inzwischen soll sich bereits ein möglicher Interessent gemeldet haben. In der Region wird vermutet, dass der Betreiber des Ferienparks Plötzky möglicherweise auch die Campingplätze übernehmen möchte.

Offiziell äußert man sich beim Ferienpark aber zurückhaltend. „So wie die Plätze gegenwärtig aufgestellt sind, ist ein zukunftsorientierter Betrieb nicht möglich. Es müssten zunächst einmal attraktive Baurechte durch den Verkäufer geschaffen werden, damit umfassende Investitionen ermöglicht werden“, teilte Ferienpark-Inhaber Wolfgang Schulle mit. Eine Ausschreibung sei daher auch nicht unbedingt erfolgsversprechend, so lange keine planerischen Zielvorstellungen formuliert sind. Zumal der Campingplatz am Edersee aufgrund von Sturmschäden seit Monaten geschlossen ist.

Da auch die Fraktionen im Stadtrat Diskussionsbedarf angemeldet haben, soll das Thema nun wieder von der Tagesordnung der nächsten Sitzung genommen werden. Zum einen wollen die Stadträte das Gutachten zur touristischen Entwicklung noch einmal unter die Lupe nehmen. Zum anderen hat die SPD einen Änderungsantrag eingebracht. Demnach sollen zu gegebener Zeit alle eingegangenen Angebote im Stadtrat diskutiert werden.