Eickendorf l Die Kerzen sind angezündet. Der Veranstaltungsraum im Traditionshof Eickendorf ist in ein warmes Licht gehüllt. Kurzum, perfekte Stimmung, um mit Geschichten aus der Feder der heute geladenen Altmärkischen Autoren den Alltag hinter sich zu lassen. „Wenn man diesen Raum betritt und die herzliche Begrüßung hört, ist das schon die halbe Miete“, freut sich Danuta Ahrends.

Am Freitagabend ist sie mit ihrer Autorenkollegin Astrid Mathis und den Liedermachern Edgar Kraul und Thomas Stein nach Eickendorf gekommen, um den Besuchern literarische Kost und reichlich nachdenklich-inspirierendes Liedgut zu bringen.

Möglich gemacht hat diesen Abend der Bibliotheksverein im Salzlandkreis, der im Verbund mit den Ortschaften in Bördeland bereits Monate im Voraus über Programme und mögliche Autoren-Engagements brütet. Eickendorfs Ortsbürgermeister Marco Schmoldt ist begeistert, die Wortkünstler aus der Altmark erstmalig in dieser Konstellation im Traditionshof begrüßen zu dürfen. Auf der anderen Seite sind auch die Altmärker hochmotiviert, dem Publikum einen kurzweiligen Abend zu präsentieren.

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Schnell wird klar, dass Weihnachten nicht zwangsläufig „Friede, Freude, Eierkuchen“ bedeutet. In den Texten von Danuta Ahrends ereignen sich mittelschwere Katastrophen: In einer Geschichte beginnt der Tannenbaum zu brennen, in einem anderen Text wird eine arglose Großmutter von einer Lametta-Lawine erfasst. Zu guter Letzt explodiert über der bedauernswerten Frau eine Praline mit Kirschwasser-Inhalt. Eine süße Leckerei erwacht unterdessen in einem Beitrag des Liedermacher-Duos zum Leben. Ein Schokoladen-Weihnachtsmann erlebt eine tragische Liebe und ein tragisches Ende. Doch das ist wohl der Lauf der Dinge, wenn man als saisonale Süßigkeit geboren wird.

In einem Dialog zwischen Ahrends und Stein, der darin den personifizierten Monat Dezember gibt, stimmt Stein eine Klage auf das Ende des Jahres an. Er (der Dezember) habe es satt, als letzter Monat immer zu kurz zu kommen. „Ich komme in keinem Jahresrückblick“ vor, jammert er. „Ich stelle einen Antrag auf Umzug in die Jahresmitte.“ Das Publikum lacht laut los.

Skurrile Szenen

Gelächter im Saal auch im Verlaufe einer anderen skurrilen Szene. Ein Pärchen diskutiert den Verlauf des Weihnachtsabends. Ein hervorragender Moment, dem langjährigen Partner endlich mal ihre Eltern vorzustellen, meint Astrid Mathis in ihrer Rolle. Ihr Spielpartner Thomas Stein ist da anderer Meinung. Schwiegermutter-Besuch am Weihnachtsabend - ohne mich, so sein Entschluss. Die Äußerung bleibt nicht folgenlos, am Ende ist zwischen beiden nichts mehr so, wie es einmal war ...

Um die Erinnerung an einen hypnotischen Blick, an ein unvergessliches Augenpaar, geht es in einem Text von Astrid Mathis. Ein namenloser Ich-Erzähler entsinnt sich an einen Augenkontakt irgendwo in den Unweiten einer namenlosen Großstadt. Er wird melancholisch, versucht, die Begegnung im Gedächtnis aufzurufen. Erst am Schluss lichtet sich der Nebel. Er erkennt die Augen wieder - auf einem überdimensionalen Werbeplakat.

Eine kurze Reminiszenz an die altmärkische Heimat, „hoch im Norden“ Sachsen-Anhalts, gibt es dann auch noch. Auf Platt singt Edgar Kraul von den Wirren des Lebens. Dem Publikum gefällt es. Es quittiert den Abend an dessen Ende mit großem Applaus. Die Gäste aus der Altmark dürfen sicher bald wiederkommen - in den Traditionshof nach Eickendorf.