Breitenhagen l Es sind mächtige Karpfen oder Hechte, deren Überreste man am schlammigen Ufer der Altarme findet. Während es in der Elbe und Saale noch fließt, trocknen die Altarme aus. Was für Fische eine Katastrophe darstellt, ist für Reiher und andere Vögel ein Fest. Scharenweise stehen Graureiher in dem seichten Wasser und lauern auf leichte Beute.

Karpfen schnappen nach Luft

So ist es auch am Bettelhorn bei Breitenhagen. Hier windet sich der Altarm um eine Halbinsel, die ein streng geschütztes Naturschutzareal ist. „Man kann zugucken, wie das Wasser immer weniger wird“, erzählt Bernd Albrecht, der fast täglich seine Runde mit dem Fahrrad macht. Gestern musste der Breitenhagener beobachten, wie die Karpfen massenweise „nach Luft schnappten“. „Erst ragten nur ihre Rücken, jetzt auch ihre Mäuler aus dem Wasser“, so Albrecht. Nach seiner Einschätzung werde es „nicht mehr lange dauern, bis die Fische tot sind“.

„Sauerstoffmangel nach dieser ungewöhnlich langen Hitze- und Trockenperiode ist für die Lebewesen im Wasser das größte Problem“, weiß Albrecht. Je höher die Wassertemperatur steigt, desto geringer werde der Gehalt des lebenswichtigen Gases im Wasser. Da wechselwarme Tiere wie die Fische bei Hitze einen gesteigerten Stoffwechsel haben, benötigen sie logischerweise noch mehr Sauerstoff als bei kühlerem Wetter. Warmes Wasser enthält zu wenig Sauerstoff – die Fische sterben. Ist das Gewässer tief genug, gibt es im Bodenbereich eine Schicht kälteren Wassers, in der mehr Sauerstoff gelöst ist, und in die sich die Fische zurückziehen können. Was am Bettelhorn aber nicht funktioniert, weil der Altarm mittlerweile viel zu flach ist.

Bilder

Schmale Gräben

Auch ein Biber hat seinen Bau am Flussufer. Angenagte und gefällte Bäume künden davon. Es klingt kurios: Dem Nager ist es zu verdanken, dass die Karpfen überhaupt noch leben. Fast über die gesamte Teichbreite hat er seine „Laufgräben“ immer wieder vertieft, um schwimmen zu können. In diesen schmalen Gräben halten sich jetzt die Fische auf.

Nach Einschätzung von Bernd Albrecht - der selber Angler ist - sei hier nichts mehr zu machen. „Abfischen geht nicht, dazu ist es viel zu schlammig. Wer hier zwei Schritte vom festen Ufer in Richtung Restwasser macht, versinkt knietief im Morast.“ „Früher haben wir auch die Alte Saale oft abgefischt“, erzählt der Breitenhagener. Dabei wurde ein Netz von einem Ufer zum anderen gespannt und dann kräftig gezogen. Damals sei es aber in erster Linie darum gegangen, die Fische als „Besatz“ in andere Teiche zu verfrachten.

Situation entschärfen?

„Abfischen geht nicht, dazu ist es viel zu schlammig. Wer hier zwei Schritte vom festen Ufer in Richtung Restwasser macht, versinkt knietief im Morast.“

Kann man die Situation entschärfen? Kann einem Teil der Fische noch geholfen werden? Die Anfrage bei der Unteren Wasserbehörde des Landratsamtes musste gestern unbeantwortet bleiben, weil die zuständige Mitarbeiterin nicht da war. Am Montag wolle man sich aber dazu äußern, so die Pressestelle des Salzlandkreises.