Schönebeck l „Schönebeck hat doch so viel zu bieten“, sagt Bürger Karlheinz Müller im Gespräch. Er zählt die Salineinsel auf, spricht vom neuen Marktplatz und das sich in den vergangenen Jahren veränderte Stadtbild. Nur das Haus „Markt 13“ verändert sich nicht nach seinen Vorstellungen. Dabei hat es einen hohen kulturellen Stellenwert – sogar bundesweit und international. Denn das Gebäude „Am Markt 13“ ist das Geburtshaus des Malers Werner Tübke, der 1929 in Schönebeck geboren und 2004 in Leipzig verstorben ist.

Als Karlheinz Müller eines Abends durch den Videotext scrollt, stößt er auf einen Bericht über das Otto-Dix-Haus in Gera. Da flammt es in ihm auf: „Könnte man nicht aus dem alten Tübke-Haus ein Museum machen“, fragt er. Müller verspricht sich einen neuen touristischen Anziehungspunkt für die Elbestadt. „Da sind doch bestimmt auch Fördermittel möglich“, meint er. Voller Euphorie spricht der Leser von einer Initiative, die ein Konzept entwickeln könnte. Auch die Witwe des Malers könne man für das Vorhaben ins Boot holen.

Schönebeck ist interessiert

„Natürlich wäre es großartig einen Hort der Kunst von internationalem Rang und das entsprechende Besucherinteresse zu haben“, sagt Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz auf Nachfrage der Volksstimme. Die Geburtsstadt eines großen Künstlers als Mitbegründer der „Leipziger Schule“ und Meister des Panoramas „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“ in Bad Frankenhausen zu sein, berge ein erhebliches kulturelles Potenzial, so Wannewitz weiter.

Voller Euphorie schwelgen Bürger und Stadt gemeinsam in den Gedanken um diese Idee. Aber wenn ... Wenn alles doch nur so einfach wäre. Der Stadtsprecher nimmt dem Vorhaben erst einmal den Wind aus den Segeln: „Ein ganzes Museum allein als Stadt zu bauen oder ein geeignetes Gebäude dafür zu erwerben, es einzurichten, zu betreiben, mit kostspieligen Werken nebst notwendigen Versicherungen auszustatten, überfordert eine Stadt wie Schönebeck zunächst“, so Wannewitz in Anbetracht der klammen Haushaltslage.

Auch Stadtrat Frank Schiwek (SPD), der sich in den Gedanken dieser Idee verliebt hat, trübt die realistische Sicht der Dinge: „Alle Träume und Ideen scheitern letztendlich an den Finanzen.“ Und das ist noch nicht alles: Die nächste große Hürde dieses Projektes birgt der Besitz. Denn das Objekt „Am Markt 13“ befindet sich in privater Hand, gehört also nicht der Stadt. So müsste das Haus zunächst zurückgekauft werden, erklärt Schiwek. Danach müsste die Sanierung beendet und ein Betreiberkonzept erstellt werden.

Keine Ausstellungsstücke

Die Stadt Schönebeck wiegt sich unterdessen erst einmal in Dankbarkeit darüber, dass der Eigentümer nach der Sanierung die städtische Gedenktafel an Tübke wieder am Gebäude angebracht habe. Die umfassende Erneuerung wurde 2016 abgeschlossen. Probleme sieht die Stadtverwaltung weiter bei Ausstellungsstücken in einem möglichen Museum. Man besitze kein einziges Werk Tübkes, und es sei laut Wannewitz auch nicht zu erwarten, dass die Witwe oder der Nachlasseigner überhaupt Originale des Künstlers oder persönliche Gegenstände veräußern oder als Leihgaben zur Verfügung stellen würden. Die Elbestadt sei zuletzt auch keine Stadt, in der potente Mäzene, Kuratoren oder Kunststiftungen sich die Klinke in die Hand geben, so der Stadtsprecher.

Dass die Befürtworter eines solches Projektes nicht allein auf weiter Flur stehen, wird nicht nur an Karlheinz Müller und Frank Schiwek deutlich. Im Nebenhaus von Tübkes Geburtsstätte befindet sich der Altstadttreff „Punkt 12“. Dort habe es zum 80. Geburtstag einen Nachmittag mit vielen Weggefährten und Tübkes Ehefrau gegeben. Seitens der Stadt gab es laut Schiwek keine weitere Veranstaltung. Das Haus habe aber für die Stadt eine besondere Bedeutung, einer ihrer großen Söhne sei dort geboren und aufgewachsen, macht er deutlich. „Und nichts außer die Gedenktafel erinnert in Schönebeck an ihn.“

Und so bleibt die Idee vorerst eine Idee. Die Stadt ist für Unterstützer und Geldgeber sowie Sponsoren aufgeschlossen. Der Vorschlag sei es wert, langfristig weiter verfolgt zu werden, erklärt Wannewitz. „Vielleicht sollte man ja in diesem Sinne niemals nie sagen“, sagt der Stadtsprecher.