Ranies l Geht die Kindertagesstätte „Knud Sonnenschein“ in Ranies von städtischer Hand über zu dem freien Träger „Nestwärme“? Die Frage steht nach wie vor im Raum. Aber auch die Lösung rückt immer näher. Das bestätigt Schönebecks Oberbürgermeister Bert Knoblauch im Volksstimme-Gespräch.

Rückblick: Seit Jahren sind die Plätze in der städtischen Kita in Ranies dauerhaft unterbelegt. In Zahlen ausgedrückt: 2010 waren von insgesamt 35 in Ranies verfügbaren Plätzen 27 besetzt, 29 im Jahr 2011, ebenfalls 29 Plätze im Jahr 2012, 25 Plätze 2013 und 21 Plätze 2014. 2015 waren es nur noch 19 besetzte Plätze und 2016 12. Das Problem für die Stadt: Sie muss trotzdem die zwei Vollzeitstellen besetzen. Auf den Mehrkosten bleibt die Stadt sitzen. Deshalb hatte die Stadtverwaltung bereits im Herbst 2015 den Vorstoß gewagt, die städtische Kita zu schließen.

Was folgte, war der Protest der Ranieser, die ihre Kindertagesstätte selbstredend im Ort behalten wollen. Der Stadtrat schloss sich an. In Folge dessen wurde ein Interessenbekundungsverfahren gestartet, um auszuloten, ob sich freie Träger finden, um die Kita statt der Stadt zu betreiben. So sollen Kosten auf Stadtseite gespart werden. Gegen einen Mitbewerber hatte sich am Ende der Verein „Nestwärme“ durchgesetzt. Im Frühjahr 2017 sollte endgültig Klarheit geschaffen werden. Doch bevor der Stadtrat sein Votum zur geplanten Übergabe an „Nestwärme“ abgeben konnte, wurde die entsprechende Beschlussvorlage von der Tagesordnung genommen.

Klärungsbedarf beim Personal

„Es gab noch Klärungsbedarf beim Thema Personal“, sagt Bert Knoblauch. In der Zwischenzeit wurden Gespräche mit dem Verein geführt. Denn mit der Übergabe der Kita an den freien Träger einher gehe eben auch der Übergang des Personals. Inzwischen stehe das Vorhaben auf trockenen Füßen, sagt das Stadtoberhaupt.

Schließung wären die kostengünstigste Variante für die Stadt

Geplant ist, dass „Nestwärme“ die Kita Ranies ab dem 1. Januar 2018 übernimmt. Den entsprechenden Stadtratsbeschluss soll es laut Bert Knoblauch im Herbst dieses Jahres geben.

Kostengünstige Variante

Grundsätzlich wäre eine Schließung der Kita die kostengünstigste Variante für die Stadt, erklärt der Oberbürgermeister. Doch mit der anvisierten Abgabe an den freien Träger, der den Kita-Alltag wirtschaftlicher gestalten soll, werde die Stadt zumindest einen Teil der Kosten einsparen, schätzt er ein.

Und wie verträgt sich die Schließ-Debatte um die Ranieser Kita mit den Plänen der Städtischen Wohnungsbau GmbH, in dem neuen Wohngebiet zwischen Schiller- und Freiligrathstraße eine neue Kita zu eröffnen? Aus Sicht des Stadtoberhauptes sind das zwei Paar Schuhe. Der Bedarf sei beispielsweise ein Thema. Demnach sei in Ranies seit längerem versucht worden, die Kita auszulasten - ohne Erfolg. Die Kindertagesstätten im Stadtgebiet wiederum seien voll. „Schon allein bei dem Neubau in Felgeleben ist eine Kapazitätserhöhung von 84 auf 100 Plätze vorgesehen“, sagt er.

Außerdem, so Bert Knoblauch, werde der Neubau durch den Landkreis nur genehmigt, wenn eine andere Kita in Schönebeck schließt. Das ist geplant mit der Einrichtung in Grünewalde (Volksstimme berichtete). Insofern werde die von der SWB gebaute Kita im eigentlichen Sinne keine komplette zusätzliche Einrichtung in der städtischen Tagesstättenlandschaft sein.