Schönebeck l Im Sommer kann Elke Kromnik den Knall sogar durch die offene Tür ihres Geschäftes am Schönebecker Markt hören. „Immer wieder fahren Autofahrer vor unserem Laden gegen die selbe Bank“, erzählt Elke Kromnik vom Haus der Geschenke Kilz. Vor allem beim Rechtsabbiegen vom Markt in die Steinstraße wird die flache Bank ohne Rückenlehne häufiger übersehen – besonders wenn die Autofahrer dem Gegenverkehr ausweichen müssen. „Auch einer unserer Kunden hat sich dort den ganzen Kotflügel aufgerissen“, sagt Kromnik. Der Schaden am Wagen soll sich auf 4000 Euro belaufen. Und die Reparatur für die Bank musste der Mann demnach auch noch bezahlen.

Laut Polizeistatistik gab es 2018 und 2017 bisher 36 Unfälle auf dem Marktplatz. Darunter 27 Zusammenstöße von Autofahrern mit der Bank. Die schlecht einsehbare Bank ist damit für mehr als drei Viertel aller Unfälle auf dem Platz verantwortlich. Hinzu kommen nach Angaben der Polizei sechs weitere Zusammenstöße im Jahr 2016, in dem der frisch sanierte Marktplatz eröffnet wurde. Das macht durchschnittlich mehr als einen Unfall mit der Bank im Monat.

Markt ist kein Unfallschwerpunkt

Bei der Polizei wird die Bank allerdings nicht als Unfallschwerpunkt gewertet, da es dort bisher ausschließlich zu Sachschaden gekommen ist. In die Kategorie Unfallschwerpunkt fallen demnach nur Vorfälle mit Personenschaden. „Allerdings gilt ein Standort dann bereits ab fünf Ereignissen als Unfallschwerpunkt“, erläutert Marko Kopitz, Sprecher im Polizeirevier Salzlandkreis. Die häufigen Unfälle auf dem Markt sind der Polizei zwar bewusst. Für Gegenmaßnahmen wäre allerdings die Stadt Schönebeck zuständig.

Auch in der Stadtverwaltung sind die häufigen Unfälle mit der Bank auf dem Marktplatz nicht unbemerkt geblieben. Unternommen hat die Stadt bisher aber nichts, um die Bank für Autofahrer sichtbarer zu machen. Stattdessen wird die Schuld offenbar den Autofahrern gegeben. „Bei den unterschiedlichen Unfallsituationen ist vermehrt eine weniger vorausschauende, unaufmerksame oder zu schnelle Fahrweise der Fahrzeugführer festzustellen. Zusätzlich kam es zu Schadensereignissen aufgrund unzulässigen Parkens“, teilte Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz auf Nachfrage mit.

Inzwischen hat die Stadt aber eine ganz eigene Lösung für das Problem gefunden. „Aufgrund der festgestellten Verstöße wird die Überwachung des ruhenden und fließenden Verkehrs fokussiert. Ferner wurde die Parkordnung für Kfz angepasst. Die bereits getroffenen Maßnahmen werden derzeit als wirkungsvoll angesehen.“

Kontrollen sollen helfen

Da also die Autofahrer für die Unfälle verantwortlich seien, soll das Problem mit vermehrten Kontrollen der fahrenden und parkenden Autos gelöst werden. Ob das wirklich funktioniert, ist allerdings fraglich. Erst in der vergangenen Woche ist wieder ein Auto gegen die Bank gekracht.

Bei den Händlern am Markt herrscht über diese Haltung der Stadtverwaltung unterdessen nur noch Kopfschütteln. Sie schlagen vor, die Bank mit einer Rückenlehne oder einem Kunstwerk zu versehen, damit sie für die Autofahrer besser sichtbar wird und es zu weniger Unfällen kommt. Eine Alternative wäre es, die flache Bank komplett zu entfernen.

Mittlerweile hält sich bei den Händlern am Markt das unbestätigte Gerücht, dass die Stadt die Bank nicht mit einer sichtbaren Rückenlehne versehen wolle, um die Sichtachse zur Elbe nicht einzuschränken. Der Fluss sei vom Markt aus aber überhaupt nicht sichtbar. Zudem ist schwer vorstellbar, dass eine vermeintliche Sichtachse Vorrang vor der Sicherheit haben soll.

Es kursieren unterschiedliche Zahlen

Darüber hinaus kursieren unterschiedliche Zahlen. Während die Stadt von 14 Unfällen seit der Eröffnung im Mai 2016 ausgeht, haben die Händler bereits 40 Vorfälle gezählt. Die offizielle Statistik der Polizei weist hingegen 33 Zusammenstöße mit der Bank aus.

Inzwischen sendet die Stadtverwaltung Schönebeck vage Signale aus, dass sie das Thema unter Umständen doch noch überdenken könnte. „Eine Anpassung der Bänke ist dabei zumindest nicht ausgeschlossen“, so der Stadtsprecher. Weitere Maßnahmen sollen demnach entsprechend der zukünftigen Entwicklung erfolgen. Konstruktive Vorschläge seien dabei willkommen und würden gegebenenfalls in den Entscheidungsprozess einbezogen.

Seit dem Weihnachtsmarkt wurde das Sicherheitsrisiko etwas entschärft. So stand am Wochenende eine Warnbake vor der Bank – auch gestern noch.