Schönebeck l Die zahlreichen Zusammenstöße von Autofahrern mit schwer einsehbaren Bänken auf dem Schönebecker Marktplatz in den vergangenen Jahren haben nun ein juristisches Nachspiel. Wie das Landgericht Magdeburg mitteilte, wird vor der zehnten Zivilkammer ein Prozess um Schadensersatz wegen der Unfallfolgen beginnen.

Darin fordert ein Schönebecker die Reparaturkosten für seinen Kleinbus von der Stadtverwaltung zurück. Die Ausgaben belaufen sich demnach auf 4500 Euro. Der Kläger argumentiert, dass die Stadt Schönebeck ihre Verkehrssicherungspflicht auf dem verkehrsberuhigten Bereich des Marktplatz vernachlässigt habe, da die Bank ohne Rückenlehne in der Vergangenheit schwer einsehbar gewesen sei. Darüber hinaus habe es immer wieder ähnliche Unfälle gegeben. Laut Polizeistatistik gab es allein in den vergangenen beiden Jahren 27 Unfälle auf dem Marktplatz, bei dem Autofahrer gegen zwei Problem-Bänke ohne Rückenlehnen gefahren waren. Insgesamt soll es laut Polizei 33 Zusammenstöße gegeben haben. Die Stadt Schönebeck möchte auf Nachfrage der Volksstimme keine Angaben zum laufenden Verfahren machen.

Unfallschwerpunkt

Über die Anzahl der Unfälle auf dem Schönebecker Marktplatz hatte es allerdings unterschiedliche Angaben gegeben. So hatte die Schönebecker Stadtverwaltung insgesamt 14 Unfälle in zweieinhalb Jahren gezählt. Die Händler in der Schönebecker Innenstadt gehen hingegen von 40 Zusammenstößen von Autofahrern mit den Bänken aus. Dabei handelt es sich um die beiden Sitzgelegenheiten am Markt/Ecke Nicolaistraße sowie Markt/Ecke Steinstraße in der Schönebecker Innenstadt.

Nach Angaben von Händlern sollen sich die Unfälle vor allem dann ereignet haben, wenn sich auf dem Marktplatz zwei Autofahrer entgegengekommen sind, die daraufhin ausweichen mussten. Dabei sollen die flachen Bänke immer wieder übersehen worden sein. Auf der anderen Seite hatten aber auch immer wieder Schönebecker ihr Unverständnis darüber geäußert, dass Autofahrer gegen die Bänke gefahren waren. Dies sei mit etwas Vorsichtig vermeidbar, so die Argumentation.

Stadt tauscht Bänke aus

Nach zahlreichen Beschwerden von Anwohnern, Händlern und Autofahrern sowie mehreren Berichten in der Volksstimme hatte die Stadt Schönebeck die Sitzgelegenheiten schließlich ausgetauscht. Sie verfügen nun über Rückenlehnen und sind somit besser erkennbar für Autofahrer.

Der Schönebecker Marktplatz gilt laut der Straßenverkehrsordnung offiziell als verkehrsberuhigter Bereich, besser bekannt als so genannte Spielstraße. Autofahrer dürfen höchstens Schnittgeschwindigkeit fahren und müssen Rücksicht auf Fußgänger nehmen. Fußgänger dürfen die gesamte Fläche nutzen, auch Kinderspiele sind ausdrücklich erlaubt. Der Markt ist zudem als Shared-Space oder Gemeinschaftsstraße ausgewiesen, bei dem alle Verkehrsteilnehmer Rücksicht aufeinander nehmen sollen. Für das offene Konzept wurde der Schönebecker Marktplatz mit einem Preis für Stadtumbau ausgezeichnet.