Schönebeck l Laut einer repräsentativen Umfrage des Kinderkanals wünschen sich 98 Prozent aller Schüler einen späteren Beginn des Unterrichtes. Demnach sollte die Schule zwischen 8.30 Uhr und 8.50 anfangen. In Schönebeck geht der Unterricht an den Schulen aber bereits ab 7.15 Uhr morgens los. Ist das sinnvoll?

Viele Wissenschaftler geben den jungen Leuten recht: Untersuchungen zufolge brauchen gerade Jugendliche in der Pubertät viel Schlaf und sind am späten Vormittag leistungsfähiger. Mediziner der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung raten sogar dringend von einem Schulbeginn vor 8 Uhr ab, weil eine halbe Stunde weniger Schlaf die Leistungsfähigkeit um bis zu 30 Prozent reduzieren soll. Besser wäre ein Beginn ab 9 Uhr morgens. Jugendliche brauchen nach Angaben der Mediziner eigentlich sogar acht bis neun Stunden Schlaf, was jedoch nur die wenigsten schaffen würden.

Frühsport in der Schule?

Am Schönebecker Dr.-Carl-Hermann-Gymnasium ist das Thema bei den Schülern zumindest umstritten. „Ich würde gern lieber später anfangen“, sagt der 18-jährige Eric Grube aus der 12. Klasse. „Ich kann mir zu Hause nur schnell ein Frühstück reinziehen und falle dann direkt in den Unterricht.“ Ihm persönlich wäre es auch lieber, morgens mit dem Sportunterricht anzufangen und nicht gleich Matheaufgaben zu lösen. Dies fordern auch einige Wissenschaftler.

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Zwillingsschwester Lara Grube sieht das ähnlich. „Meine Leistungskurve ist am frühen morgen immer noch ganz unten. Deswegen wäre ein späterer Beginn schon sinnvoll“, sagte die Zwölfklässlerin. Früher ins Bett zu gehen sei kaum möglich: Sie engagiert sich nachmittags im Schülerbeirat, geht jobben und macht meistens erst abends ihre Hausaufgaben. Dass Schüler abends sowieso nur mit dem Handy oder Computer spielen würden, hält sie hingegen für ein Gerücht.

Die Schülersprecherin des Schönebecker Gymnasiums, Isabel Sprechert, weist aber auch auf die andere Seite der Medaille hin. „Ich würde gern lieber länger schlafen. Trotzdem sehe ich das zwiespältig. Denn dann würde der Unterricht am Nachmittag länger dauern“, sagte die 17-Jährige, die die 11. Klasse besucht.

Der Schulleiter des Schönebecker Gymnasiums, Ulrich Plaga, würde die Schule ebenfalls lieber später beginnen lassen. „Wenn Schüler morgens schon um 7.30 Uhr Sprachen lernen sollen, dann funktioniert das einfach nicht. Das widerspricht völlig ihrem Biorhythmus“, sagt der Religionslehrer. Die Schüler müssten teilweise um fünf Uhr aufstehen. Sinnvoller Unterricht sei da kaum möglich.

Das Problem: Die Schulanfangszeiten sind fest an den Busfahrplan gekoppelt, da rund 250 der mehr als 700 Schüler am Schönebecker Gymnasium mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Schule kommen würden. Zwar habe es mit den Verkehrsbetrieben in der Vergangenheit bereits Überlegungen gegeben, die Fahrpläne nach hinten zu verlegen. „Dann würden die Schüler aber auch wieder später abgeholt. Die Eltern würden es allerdings nicht mitmachen, wenn ihre Kindern erst um 17 Uhr nach Hause kommen“, sagte Schulleiter Plaga.

Warten auf den Bus

Er wurde die Abfahrtszeiten auch bei einem späteren Schulbeginn gern so belassen, wie sie sind. Dadurch würden sich nach dem Unterricht die Wartezeiten der Schüler reduzieren, die derzeit bis zu einer Stunde betragen. Dafür wären allerdings wohl zusätzliche Busse notwendig. „Und wir wissen ja, dass kein Geld da ist“, sagte Schulleiter Ulrich Plaga.

Bei den der Kreisverkehrsgesellschaft (KVG) zeigte man sich hingegen etwas überrascht über diese Überlegungen am Schönebecker Gymnasium. „Solche Wünsche sind allerdings weder an die KVG noch an den Salzlandkreis als Träger der Schülerbeförderung und des Öffentlichen Personennahverkehrs herangetragen worden“, teilte Kreissprecherin Marianne Bothe. Da der Schülerverkehr aber in den Linienverkehr integriert sei, hätte eine Verschiebung des Unterrichtsbeginns auch erhebliche Auswirkungen auf die Busfahrpläne. Die Pläne seien im Salzlandkreis auf einen Schulbeginn zwischen 7.15 Uhr und 8 Uhr abgestimmt. Dies Anfahrtszeiten seien für das aktuelle Schuljahr mit den Schulen in der Region abgestimmt. Auch mit dem Schönebecker Gymnasium.