Justiz

Urteil gegen Polizisten-Angreifer aus Schönebeck

Der Prozess gegen einen ehemaligen, angeblichen Boxer ging in die nächste Runde. Ihm wurde häusliche Gewalt und Tätigkeiten gegenüber der Polizei vorgeworfen. Nun sagten die Polizisten als Zeugen aus und ein Urteil gefällt.

Von Paul Schulz

Schönebeck - Die Beleidigungen gegenüber den Polizeibeamten hat Frank Rode (Name geändert) zwar in der Verhandlung Mitte Mai im Schönebecker Amtsgericht eingeräumt, doch dass er sie getreten oder gebissen habe oder versucht habe sie mit Kopfstößen zu attackieren, streitet er ab. Er sei ja mit Handschellen fixiert gewesen, begründete er Strafrichter Eike Bruns. Um die Sache weiter aufzuklären. wurden nun die zwei Polizeibeamten im Gericht befragt, die am 1. Mai 2020 die Auseinandersetzung mit dem Schönebecker hatten. Der Angeklagte selbst ist zum Fortsetzungstermin nicht erschienen.

Einsatz wegen häuslicher Gewalt

Dafür aber Julia Heide (Name geändert). Die 27-jährige Polizistin berichtet: „Wir haben einen Anruf von der Lebensgefährtin des Angeklagten erhalten. Sie habe sich mit ihrem Sohn im Kinderzimmer verbarrikadiert, weil Herr Rode randaliert habe. Also sind wir zu dem Wohnblock gefahren.“ Schon im Treppenhaus, auf dem Weg in die obere Etage des Wohnblocks, habe er ihr und ihrem Kollegen Björn Schäfer (Name geändert) zugerufen „Wenn ihr hochkommt, dann knallt’s.“

Die Situation ist eskaliert

Oben angelangt, will Julia Heide in die Wohnung, um mit der Lebensgefährtin von Rode zu sprechen. Dann sei die Situation eskaliert. „Ich habe noch eine Ausholbewegung des Angeklagten gesehen und dann, wie mein Kollege ihn gegriffen und aufgehalten hat“, berichtet die Polizistin. Der Versuch, dem Mann Handschellen anzulegen, entwickelt sich zu einem zähen Ringkampf. In dem engen Hausflur gelingt es den Beamten nicht, die Hände von Rode zu fixieren. „Er hat nicht auf uns eingeschlagen aber sich massiv passiv gewehrt“, so Julia Heide. Zudem habe Rode mehrfach versucht, ihr an die Koppel zu greifen, wo sich Schlagstock und Pfefferspray befinden.

Angreifer in Rage

Schließlich gelingt es den beiden Beamten, den Mann mit Kabelbindern am Geländer zu fixieren. Als Schäfer dem Angeklagten die Fesseln anlegt, wird er von diesem jedoch noch in den Arm gebissen, berichtet Heide. „Und als wir ihm am Geländer befestigen wollten, hat er sowohl meine als auch die Hände meines Kollegen gepackt und dolle zusammengequetscht.“ Zudem beschimpft er die Polizisten als „Schlampen“ und „Fotzen“, erinnert sich die Zeugin. Weiter berichtet Heide, dass Rode auf zwei zusätzlich angeforderte Beamte eingetreten habe, diese jedoch nicht getroffen habe. Außerdem habe der Mann sich in seiner Rage mit einem Kopfstoß an der Wand selbst eine Platzwunde zugezogen. Die Aussagen von Björn Schäfer bestätigen weitestgehend den Bericht von Julia Heide.

Rangelei mit den Polizisten

Einen solchen Vorfall habe er nicht erwartet, so Schäfer. „Schließlich wurde uns die Tür zum Wohnhaus ja geöffnet – das ist eigentlich ein gutes Zeichen.“ Doch als seine Kollegin Rodes Wohnung betreten will, habe Schäfer gesehen, wie der Schönebecker ausholt. „Ich habe dann nur noch eine Faust auf mich zufliegen sehen, konnte den Schlag aber abwehren“, so Schäfer. Dann sei es zu der mehrminütigen Rangelei gekommen, wobei beide Beamten versuchten, den Mann zu Boden zu bringen. „Er war uns körperlich überlegen. Der Angeklagte ist von kräftiger Statur und auch größer als wir“, sagt Björn Schäfer. Als es ihnen dann doch gelingt ihn am Geländer zu fixiere, sei er von Rode in den Arm gebissen worden, so Schäfer. „Außerdem hat er meine Hände zusammengequetscht- Deswegen war ich zwei Wochen krankgeschrieben.“ Der Biss habe einen blauen Fleck verursacht, der schnell verheilte.

Richter fällt Urteil

Der Fall ist für die Staatsanwaltschaft klar: „Ich sehe die Angriffe als bewiesen an und die Beleidigungen hat der Angeklagte bereits eingeräumt“, so die Staatsanwältin. Die 17 Vorstrafen würden auch nicht gerade für Rode sprechen. Es ist nicht das erste Mal, dass er wegen Gewaltdelikten aufgefallen ist. „Diese Aggressivität muss man nicht hinnehmen“, schließt sie und plädiert für eine sechsmonatige Freiheitsstrafe ohne Bewährung. Strafrichter Bruns folgt diesem Vorschlag mit seinem Urteil. Er spricht Rode schuldig und verurteilt ihn zu sechs Monaten Haft.