Gnadau l Der Zinzendorfplatz 11 in Gnadau ist kommunal. Das Gebäude steht zum Verkauf. Im Rahmen der Haushaltskonsolidierung will sich die Stadt Barby von einigen Immobilien trennen und durch die erhofften Einnahmen das Defizit aus den vergangenen Jahren etwas reduzieren.

In der Brüdergemeine Gnadau stößt der geplante Verkauf des Gemeindehauses auf starke Diskussionen, wie die Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Montagabend zeigte. Ein Gnadauer Einwohner meldete sich dort in der Bürgerfragestunde zu Wort.

Die Brüdergemeine, erzählte er, habe vor einiger Zeit schriftlich angefragt, ob das Objekt von der Kommune erworben werden könne. Ob die Stadträte diesen Schriftverkehr auch kennen, fragte er in die Runde. Wohl kaum zufällig war die Frage gestellt. Denn im nicht öffentlichen Teil der Sitzung sollten die Stadträte sich mit dem Verkauf des Gnadauer Objektes befassen. Der Kommune liegt dabei ein Kaufangebot vor, welches nicht von der Brüdergemeine stammt. Dass das Thema an dem Abend verhandelt wurde, konnten die Bürger kaum wissen. Denn die Stadt hatte die Tagungsordnung für die Sitzung zwar veröffentlicht. Die Grundstücks-angelegenheit wurde aber nicht näher benannt. Im folgenden Verlauf entspann sich ein Zwiegespräch zwischen dem Bürger und Bürgermeister Torsten Reinharz (SPD). Während der Gnadauer Einwohner behauptete, die Brüdergemeine wolle das besagte Gebäude käuflich erwerben, verneinte der Bürgermeister. „Ich bin Augenzeuge. Ich war bei dem Gespräch dabei“, sagte er.

Brüdergemeine will wohl Objekt

Das interessierte den Bürger offenkundig wenig. Er verstieg sich öffentlich zu der Aussage, dass der Bürgermeister eine falsche Information abgegeben habe. Die Brüdergemeine wolle demnach das Objekt erwerben.

Die Entscheidung über einen Verkauf liegt in der weiteren Zukunft grundsätzlich beim Stadtrat. Zur nächsten Sitzung des Stadtrates sei die Vorlage nicht auf der Tagungsordnung, sagte Hauptamtsleiterin Karin Knopf. Das hänge vor allem damit zusammen, dass vor einem Verkauf noch einige Fragen zu klären seien. So befinde sich hinter dem Gebäude ein großer öffentlicher Spielplatz, außerdem wird das Fahrzeug des Gemeindearbeiters in einer Garage auf dem Grundstück abgestellt. Vor einem Verkauf müssten deshalb noch viele der offenen Fragen gelöst werden, sagte sie.

Derzeit zwei Gemeindehäuser

Verliert die Ortschaft Gnadau bei einem Verkauf ihr Gemeindehaus? Nein, sagt Karin Knopf. Zurzeit besitze die kleine Kommune zwei öffentliche Häuser. Vor einigen Jahren hatte Gnadau einen Neubau am Ortsrand eingeweiht und nutze das Gebäude reichlich. Weil es zwei Gemeindehäuser in der Ortschaft gebe, sei die Frage des Verkaufs des alten Gemeindehauses aufgeworfen worden. Die anderen Ortschaften innerhalb der Einheitsgemeinde hätten auch keine zwei Gemeindehäuser, hieß es zur Begründung.

Wann ein möglicher Verkauf des Objektes vom Stadtrat behandelt werden könnte, bleibt indes offen. Zunächst müssten die Detailfragen mit dem Bieter für das Objekt einvernehmlich mit der Ortschaft geklärt werden.