Diskussion um Mittelverwendung aus dem Erlös des Krankenhausverkaufs

Wieviel Geld sollte in die Sanierung des Freibads fließen?

Von Andreas Pinkert

Bei der Diskussion, wie das Geld aus dem Verkauf des Krankenhauses sinnvoll eingesetzt werden sollte, haben Calbes Stadträte auch über die Zukunft des Heger-Schwimmbades diskutiert. Auf dem Tisch liegen derzeit Sanierungs- und Modernisierungskonzepte von zwei Ingenieurgesellschaften, die auf eine langfristige Absenkung der Bewirtschaftungskosten abzielen.

Calbe. Um das Heger-Schwimmbad kostendeckend zu betreiben, müsste derzeit am Eingang theoretisch ein Eintrittspreis von sechs Euro pro Person erhoben werden. "Für eine Kommune wie Calbe wird ein Schwimmbad auch nach einer umfassenden Sanierung immer ein Zuschussgeschäft bleiben", sagte Dr. Georg Hamm auf der Sitzung des jüngsten Hauptausschusses. Erstmals seit Jahren besteht mit dem Erlös aus dem Krankenhausverkauf die Möglichkeit, viel Geld in die Hand zu nehmen und nicht von Jahr zu Jahr um die Eröffnung zu bangen, weil es an der Finanzierung kleiner Instandsetzungsarbeiten zu scheitern droht.

"Wir brauchen für Calbe keine Luxusvariante"

Doch ist die Sanierung des Heger-Schwimmbades auf lange Sicht überhaupt eine nachhaltige Investition? Rudolf Kramer, Fraktionschef der Freien Wähler und selbst ausgebildeter Rettungsschwimmer, sieht das nicht so: "Calbe ist überaltert. Viele Jugendliche fahren in die Kiesgruben der Umgebung. Das Freibad hat maximal vier Monate geöffnet. Kosten und Nutzen stehen nicht im Verhältnis" Auch Alexander Sieche (CDU/FDP) rät mit Blick auf die Nutzerzahlen ebenfalls von einer teuren Sanierung ab. So wurden im vergangenen Jahr 10431 Besucher registriert, im Jahr 2009 waren es knapp 12000.

Sven Hause (Alternative Liste Calbe) dagegen ist ein klarer Befürworter und erinnerte an einen Grundsatzbeschluss, in dem sich klar für den Erhalt des Freibades positioniert wurde. "Ein Schwimmbad gilt als weicher Standortfaktor, der erhaltenswert ist." Auch Bürgermeister Dieter Tischmeyer (parteilos) sprach sich für eine Investition aus: "Wir stehen einer gewissen Erwartungshaltung unserer Bürger gegenüber." Das Stadtoberhaupt machte jedoch im gleichen Atemzug deutlich: "Der weitere Betrieb sollte in einem für Calbe vertretbaren Umfang sichergestellt werden, eine Luxusvariante brauchen wir nicht."

So stellte ein auf die Sanierung von Freizeit- und Hallenbädern spezialisiertes Ingenieurbüro aus Gotha dem Hauptausschuss zwei Varianten einer Verjüngungskur des Heger-Schwimmbades vor, wobei die erste wegen Kosten des ersten Bauabschnittes von knapp 1,4 Millionen Euro einvernehmlich nicht in Frage kam. Eine zweite Variante wurde mit rund 500000 Euro veranschlagt. Diplom-Ingenieur Eberhard Möller sah es als unumgänglich an, dass die Druckanlage sowie die stark korrodierten Stahl-Rohrleitungen komplett erneuert, die Filteranlage saniert und ein sogenannter Schwallwasserbehälter (Vorlagebehälter für die Filtration und Filterrückspülung) errichtet werden müssen. Dieser sollte mit dem unbedingten Wiederanzapfen des stillgelegten Brunnens für deutliche Einsparungen bei der Entnahme aus dem Trinkwassernetz sorgen, genau wie ein deutlich verkleinerter Planschbereich für Kleinkinder. Die Einsparungen bei den jährlichen Bewirtschaftungskosten wurden in der vorgelegten Kalkulation mit rund 7000 Euro angegeben.

"Ohne eine Gebührenerhöhung geht es nicht "

Stadtrat Wolfgang Marwinski (Unabhängig für Calbe) erinnerte mit Blick auf die Wasserqualität daran, dass der Brunnen schon Mitte der 1960er Jahre wegen eines zu hohen Eisengehaltes still gelegt worden sei.

Auch um eine Erhöhung der Eintrittskosten werde man im Zuge einer Sanierung in Calbe nicht umhinkommen, so Bürgermeister Dieter Tischmeyer. Die vorgelegte Kalkulation sieht darin eine Anhebung bei Kindern von 50 Cent auf 2 Euro, bei Jugendlichen von 1,70 Euro auf 2,50 Euro und bei Erwachsenen von 2 auf 3 Euro vor. Der Stadtrat müsste dann eine Änderung der entsprechenden Gebührensatzung beschließen.

Am 25. August steht das Thema im Rahmen des gesamten Maßnahmepaketes zur Mittelverwendung aus dem Erlös des Krankenhausverkaufs wieder auf der Tagesordnung. Dann findet die nächste öffentliche Stadtratssitzung statt.