Schönebeck l So macht das Arbeiten Spaß. Chris Heinecke lässt am Donnerstag seinen Blick zufrieden über den Marktplatz Bad Salzelmen schweifen: bestes Wochenmarktwetter, ein Platz voller Stände, viele Kunden und damit auch viele zufriedene Händler.

Der 30-Jährige ist Marktmeister der Stadt Schönebeck. Er ist Mitarbeiter des Sicherheits- und Ordnungsamtes, tätig im Streifen- und Vollzugsdienst mit den zusätzlichen Aufgaben Marktwesen und Zuständigkeit für diese Plätze. An den Markttagen weist er den Händlern ihre Plätze zu, versorgt sie mit Strom, kassiert die Gebühren laut Satzung – 2,56 Euro pro laufenden Frontmeter plus 2,56 Euro Strom-Pauschale. Wer Chris Heinecke begleitet, merkt: Die Chemie stimmt. Die Händler begrüßen ihn mit einem freundlichen „Hallo, Herr Marktmeister“, sprechen Sorgen an, scherzen. Es ist ein unkompliziertes, herzliches Miteinander.

Die Wochenmärkte sind dienstags und donnerstags in Bad Salzelmen, mittwochs und freitags in Schönebeck, jeweils ab 7 bis meistens 15 Uhr, möglich wäre bis 18 Uhr.

Die Auslastung sei unterschiedlich, räumt René Nickel, Leiter des Sachgebietes Ordnungswesen der Stadt, ein. Auf dem Markt Salze würden maximal 26 Händler auf die 156 laufenden Frontmeter passen. Paradebeispiel sei der Donnerstag, so auch der in dieser Woche mit 23 Händlern.

Sorgenkind

Sorgenkind ist hingegen der Markt Schönebeck. Dort stehen 87 laufende Frontmeter zur Verfügung, auf denen bis zu 16 Händler Platz finden. Zurzeit seien es im Schnitt freitags acht, an diesem Mittwoch waren es fünf. Aufgrund des verkehrsberuhigten Bereiches könne man nicht einfach anhalten und einkaufen. Zudem können die Händler ihre Autos nicht neben den Ständen stehen lassen. Wäre der Salzblumenplatz eine Alternative? „Der Platz ist sehr windig und die Leute finden dort schlecht hin“, winkt René Nickel ab. Zudem soll der Markt auf dem Markt sein, auch für Synergien mit den Innenstadthändlern. Und nur den Markt Salze belassen? Er schüttelt den Kopf: „Das wäre nicht der richtige Weg, einen Markt einzustampfen, nur weil er nicht so gut läuft. Wir müssen überlegen, wie es besser werden kann.“

So einen Markt bei Laune zu halten, sei keine leichte Aufgabe. „Es ist ein Teufelskreis: Sind keine Händler da, kommen keine Kunden. Kommen keine Kunden, machen die Händler keinen Umsatz und suchen sich einen anderen Marktort“, weiß Chris Heinecke. Die Werbetrommel müsse immer gerührt werden.

Akquise

Regelmäßig studiere er die Händlerverzeichnisse, was es in der Umgebung gibt und nimmt Kontakt auf. „Im vergangenen Jahr habe ich 80 Schreiben rausgeschickt. Drei Händler sind zu uns gekommen, einer ist geblieben“, erzählt er. Wenn er unterwegs sei, scheue er auch nicht davor, Händler anzusprechen und für einen Stand in Schönebeck zu werben. Doch Nickel und Heinecke wissen: Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer. „Wir wollen stete Händler. Am besten mit regionalen Produkten“, so René Nickel. Und der Marktmeister merkt täglich: „Die Händler werden immer älter und da wächst nichts nach.“ Vielleicht würde ein Markt am Wochenende mehr ziehen? „Das haben wir probiert, doch nur drei Händler aus der Region hätten mitgemacht“, so René Nickel. Und er gibt zu bedenken, dass auf den mobilen Wagen oft Angestellte sind, die sich an das Arbeitszeitengesetz zu halten haben. Darauf würden Händler und Stadt achten.

Chris Heinecke ist übrigens nicht nur dienstlich auf den Märkten anzutreffen. Sondern auch privat, um Frisches einzukaufen. „Die Qualität ist einfach besser.“ Oder auf einen Plausch. „Ich habe nächste Woche Urlaub, komme aber sicherlich mal vorbei“, ruft er am Donnerstag im Vorbeigehen einer Händlerin zu. Sie winkt zurück und wünscht frohe Ostern und schöne freie Tage. Ein eingespieltes Team eben, der Marktmeister und seine Händler.

Und wie finden die Händler die Wochenmärkte? Die Volksstimme hat einige befragt:

Das sagen Händler

Sie gehört wohl mit zu den Urgesteinen: Hannelore Kossack von der Bäckerei Panser in Bad Salzelmen. Seit 1994 ist sie als Verkäuferin mobil auf beiden Märkten unterwegs. Bei „Hanne" treffen sich viele zum Plausch, ob Händler vor Arbeitsbeginn oder Marktbesucher. Was sie gut findet? „Das die Standgebühren meiner Ansicht nach nicht so hoch sind. Was andere Händler manchmal erzählen ..." Und was ist nicht so optimal? „Manche Händler denken, es ist ein Mittagsmarkt und machen mittags Schluss. Aber Kunden, die etwas später kommen, wollen auch noch einkaufen." Sie sei immer bis 15 Uhr vor Ort.

Auf dem Wochenmarkt Bad Salzelmen fühlt sich Gerline Scheffler aus Hettstedt wohl – seit gut 17 Jahren. Sie bietet Schmuck, Taschen, Portemonnaies an. „Es ist ein schöner, kleiner, gemütlicher Markt. Wir verstehen uns alle", schwärmt sie. „Es wäre aber schön, wenn alle Händler bis 14,15 Uhr bleiben", kritisiert auch sie die „Mittagshändler". Der Markt in Schönebeck, nein, der sei nichts für sie, da sie das Auto nicht in unmittelbarer Nähe stehenlassen kann.

Den Salzer Markt lobt auch Daniel Otto, für den Schönebecker Markt wünscht er sich mehr Händler. Er ist für die Firma Sambill aus Schönebeck mit Eiern und Geflügel vier Tage die Woche unterwegs: Bad Salzelmen, Schönebeck und Calbe.  Er hat den Eindruck, dass die Markttradition zurückgehe, „leider, dabei ist die Qualität der Frischware doch besser". Der klimatisierte Supermarkt mit dem Parkplatz direkt vor der Tür und Waren zu Schnäppchenpreisen ziehen.

Mit Spargel der Firma Ruhnke aus Cobbel reist Bettina Genthe an. Immer zum Wochenmarkt auf dem Marktplatz Schönebeck. Seit fünf Jahren schon. „Ich habe Stammkunden und Laufkundschaft und  kann nicht meckern", erzählt sie.
Apropos „Mittagshändler": Marktmeister Chris Heinecke weiß um das Problem. Man spreche diejenigen darauf an, wolle aber auch keinen Händler vergrämen. Es sei eine Gratwanderung.