Messies und Mietnomaden

Die sogenannten Messies leiden am Messie-Syndrom. Dabei handelt es sich um eine psychische Erkrankung, bei der sie vor allem mit ihrem inneren Chaos zu kämpfen haben, das sich aber auch auf die Wohnung übertragen kann.

Betroffene brauchen laut Be- rufsverband Deutscher Psychiater (BVDP) Hilfe. Helfen kann eine psychotherapeutische Therapie. Außerdem ist es sinnvoll, die Angehörigen einzubeziehen. Auch Selbsthilfegruppen können das Verständnis und die Akzeptanz bei Betroffenen sowie Angehörigen fördern und den Umgang mit der Störung erleichtern.

Mietnomaden hingegen mieten eine Wohnung oder ein Haus von vornherein mit dem Vorsatz, niemals die vereinbarte Miete zu zahlen. Meist verlassen sie das Mietobjekt erst im Zuge einer Räumungsklage und dann oft in einem unbewohnbaren Zustand.

Schönebeck l Sie sammeln Zeitungen, Kuscheltiere und Joghurtbecher – ihr Alltag wird vom Chaos in den eigenen vier Wänden bestimmt: Messies. Dabei handelt es sich um Menschen, deren meist psychische Erkrankung sich im Chaos in ihrer Wohnung äußert, deren Leben so durch das Anhäufen von Dingen bestimmt wird und die so in ihrer Wohnung kaum noch Platz zum eigentlichen Leben finden.

Viele kennen Bilder von Messie-Wohnungen nur aus dem Fernsehen. Doch auch in Schönebeck gibt es sie, wie Uwe Nachsel, Vorstandsmitglied der Gemeinnützigen Schönebecker Wohnungsbau-Genossenschaft (GWG), berichtet.

Auch Schönebecker Wohnungen betroffen

Man habe bereits Erfahrungen mit Messies gemacht. Uwe Nachsel sagt: „Es gibt da keine Einzelfälle. Vielmehr ist es ein schleichend zunehmender Prozess, der unter anderem durch die Vereinsamung von Menschen zunimmt.“ Den typischen Messie gebe es seiner Meinung nach nicht, „da es bei diesen Personen nicht auf die soziale Stellung ankommt. Vielmehr sind es persönliche Erlebnisse, die zu diesem Verhalten führen“, erklärt das Vorstandsmitglied der GWG, die in Schönebeck knapp 1000 Wohnungen im ganzen Stadtgebiet vermietet.

Nach Schätzungen der Selbsthilfegruppe „Anonyme Messies“ gibt es laut Ärzteblatt in Deutschland mehr als 1,8 Millionen Menschen, die mit solchen chaotischen Zuständen leben. Früher wurde das Phänomen vor allem bei älteren Menschen beobachtet, inzwischen wurde festgestellt, dass die meisten Betroffenen zwischen 40 und 50 Jahre alt sind.

Kosten belaufen sich auf mehrere Tausend Euro

Auch der Städtischen Wohnungsbau GmbH Schönebeck (SWB) sind Messies nicht gänzlich unbekannt. „Leider hatten wir in der Vergangenheit zwei Messies, die zwischenzeitlich gestorben sind“, berichtet Dirk Michaelis, Leiter des SWB- Mieterservices, der Volksstimme.

Doch wer kommt für die entstehenden Kosten auf? Schließlich ist in manch einer Messie-Wohnung ein Durchkommen nur noch in einem schmalen Gang möglich. Im Fall der Wohnungen der SWB Schönebeck war es die GmbH selbst. „Da die Bewohner keine Angehörigen hatten, hat uns die Beräumung und Herrichtung einer Wohnung circa 10.000 Euro gekostet“, erzählt Dirk Michaelis.

Mietnomaden handeln bewusst

Im Gegensatz zu Messies, deren Verhalten in der Regel auf eine psychische Erkrankung zurückzuführen ist, handeln Mietnomaden ganz bewusst. Sie beziehen als Mieter eine Wohnung oder ein Haus und haben von vornherein nicht die Absicht, Miete zu zahlen. Sie verlassen das angemietete Objekt Hals über Kopf oftmals chaotisch.

GWG-Vorstandsmitglied Uwe Nachsel erklärt zu den Kosten für die Beräumung von Messie- beziehungsweise Mietnomaden-Wohnungen: „Hier muss man jeden Fall individuell betrachten. Es ist ein Unterschied, ob die Wohnung nur ‚vermüllt‘ ist, dann sind die Kosten meist im unteren vierstelligen Bereich, oder ob auch die Wohnung an sich betroffen ist. Dann kommen meist noch erhebliche Sanierungskosten hinzu. Diese liegen je nach Wohnungs- größe zwischen 20.000 und 40.000 Euro.“

Mietnomaden verfolge die kleine Schönebecker Genossenschaft. Sie versucht es zumindest. „Aber es ist sehr schwer, den Personen gegenüber Forderungen zu stellen, da in den meisten Fällen die wirtschaftlichen Verhältnisse sehr begrenzt sind“, berichtet Uwe Nachsel.

Keine absolute Sicherheit trotz Bescheinigung

Doch man versuche sich vor solchen Mietern zu schützen. Eine absolute Sicherheit dagegen gebe es allerdings nicht. „Selbst wenn alle Unterlagen und Vorvermieterbescheinigungen vorliegen und passen, kann man sich als Unternehmen nicht davor schützen, dass sich ein solcher Fall entwickelt“, sagt er.

Im Gegensatz zur GWG habe die SWB nach eigener Auskunft noch keine Erfahrungen mit Mietnomaden in einer der circa 3700 Wohnungen, die die GmbH vermietet, oder den anderen Wohnungen, die von dieser verwaltet werden, gehabt.

Seitens der Wohnungsbaugenossenschaft Schönebeck (WBG) heißt es auf Volksstimme-Anfrage, dass man in den vergangenen vier Jahren keinen Fall von Mietnomaden zu verzeichnen hatte.