Calbe l Am Freitagabend gibt es für Ronny Quenstedt viele Gründe, mit seiner Familie, Freunden, Kollegen und Mitstreitern das Glas zu erheben. Der Breitenhagener feiert an seinem 37. Geburtstag nicht nur das 13-jährige Firmenjubiläum, sondern auch das Richtfest für sein mittlerweile fünftes Sanierungsobjekt in Calbe.

Dass der Dachdeckermeister etwas von der Sache versteht, hat er mit der Verwandlung einst maroder Häuser am Markt, in der Schloßstraße und dem Schloßanger in schicke Mietshäuser bereits bewiesen. Ruinen in einer schrumpfenden Stadt, bei denen manch einer die Hände über den Kopf zusammenschlägt und nur den Abriss sieht, haben es dem rührigen Handwerker angetan.

So auch das verwaiste Haus in der Ritterstraße 4, das zuletzt einer weit verstreuten Erbengemeinschaft gehörte, die glücklich war, es für einen symbolischen Obolus loszuwerden. „Am Anfang heißt es ganz tief Luft holen“, beschreibt Ehefrau Heidi Quenstedt den Moment, wenn es mit der eigentlichen Arbeit am Objekt losgeht. Nicht ohne Grund. Der Innenhof hinter dem Haus glich im vergangenen Herbst noch einem vermüllten Urwald, der Container für Container beräumt werden musste. Die Wohnräume befanden sich teils noch in einem Zustand, als ob der letzte Bewohner gerade vom gedeckten Tisch aufgestanden wäre. Damit nicht genug: Rotbrauner Hausschwamm wucherte im gesamten muffig-nassen Gebäude. Ein Grund, warum der Großteil der Mauern und Holz-elemente weichen mussten. „Wichtig war, dass so schnell wie möglich das Dach drauf kam“, sagt der Handwerker. Eine komplett neue Konstruktion mit Schiefer verkleideten Dachgauben entstand.

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Sieben Wohneinheiten

Davor hängt am Gerüst der Richtkranz, unter dem sich Ronny Quenstedt an diesem Tag nach alter Tradition bei allen Mitstreitern bedankt. „Insgesamt sollen sieben Wohneinheiten entstehen, im zweiten Obergeschoss als Maisonette-Wohnungen“, erklärt Stephanie Sabrowski aus Calbe. Zusammen mit David Kienscherf kümmert sie sich um die Verwaltung und die Mieterbelange. Sie sind es auch, die bei der Neugestaltung der Räume ihre Empfehlungen geben. Mit großer Geschwindigkeit soll die Sanierung weitergehen. „Wie ich Ronny kenne, will er spätestens zu Weihnachten alles fertig haben“, weiß Ehefrau Heidi um den Ehrgeiz ihres Gatten. „Mit Blick auf den Zustand des Gebäudes, die zahlreichen Hindernisse und den Denkmalschutz kann ich nur den Hut vor der Risikobereitschaft ziehen“, ergänzt Torsten Bicht, Zimmerer-Meister aus Merseburg. Dazu kommen mehrfache Diebstähle teurer Werkzeuge und Baumaterialien, die den Quenstedts bereits zu schaffen machten. Doch zusätzlich zum eigentlichen Haus entsteht - fast schon nebenbei - aus einer großen Garage auf dem Innenhof ein Einfamilienhaus mit 130 Quadratmeter Wohnfläche.

Haben die Quenstedts dann ihr Sanierungsziel ganz im Sinne der Saalestadt erreicht? „Nicht ganz“, lacht Heidi Quenstedt verschmitzt und blickt zum gegenüberliegenden zweigeschossigen Backsteinbau der altehrwürdigen Heineschule, die ebenfalls unter Denkmalschutz und seit langem seitens der Stadt zum Verkauf steht. Ein Gebot haben die Quenstedts abgegeben und wollen Seniorenwohnungen errichten. Nun muss der Stadtrat im April nichtöffentlich per Beschluss darüber befinden.