Gesundheit

Zahnarztsituation im Salzlandkreis wird prekär

Karies kann vorgebeugt werden. Ist das Loch schon da, sorgt eine Füllung für den Erhalt. Die Versorgungslücke, die sich bei der Zahl der Zahnärzte im Salzlandkreis auftut, lässt sich hingegen nicht so einfach schließen.

Von Sabine Lindenau 03.08.2021, 16:30
Ein Zahnarzt bei der Arbeit: Bis 2030 geht rund die Hälfte der derzeit im Salzlandkreis aktiven Zahnärzte in Ruhestand.
Ein Zahnarzt bei der Arbeit: Bis 2030 geht rund die Hälfte der derzeit im Salzlandkreis aktiven Zahnärzte in Ruhestand. RomanR - stock.adobe.com

Schönebeck/Staßfurt - „Bis 2030 ist die Hälfte der derzeit tätigen Zahnärzte im Ruhestand.“ Claudia Heinrichs weiß, was bevorsteht. Während die Pressereferentin der Kassenzahnärztlichen Vereinigung (KZV) bei dieser drastischen Prognose in Alarmbereitschaft ist, lässt der Ist-Zustand die zuständigen Landesminister weiter ruhig schlafen. Dabei sind es nur noch neun Jahre, bis die zahnärztliche Versorgung im Salzlandkreis akut behandlungsbedürftig ist. Momentan sind im Salzlandkreis rund 120 Zahnärzte aktiv. Kämen keine neuen hinzu, läge die Zahl im Jahr 2030 bei nur noch rund 60.

Die Region zwischen Elbe und Saale ist nicht die einzige in Sachsen-Anhalt, der ein Engpass droht. Es sehe anderenorts, vor allem im strukturschwachen ländlichen Raum, ähnlich aus, sagt Susann Behling. Sie leitet die im vergangenen Jahr gegründete Abteilung „Strategie und Zukunftssicherung“ bei der KZV. Das Gros der derzeit ansässigen Zahnärzte gehe aufs Rentenalter zu. Praxisnachfolger zu finden, ist schwierig. Denn die wenigsten der jährlich maximal 40 Absolventen der Zahnmedizin an der Martin-Luther-Universität in Halle bleiben danach auch in Sachsen-Anhalt.

Eine Landeszahnarztquote würde helfen. In der Humanmedizin gibt es sie bereits. Hier ist die Politik gefragt, das Hochschulgesetz zu ändern. So könnten zwei bis drei Studienplätze für Landeszahnärzte, die auch nach dem Studium in Sachsen-Anhalt bleiben, entstehen. Selbst das allein würde bei weitem nicht reichen. Und so hat sich die noch recht junge Abteilung von Susann Behling zu einer Ideenschmiede entwickelt.

Mehr Absolventen dazu zu bewegen, eine Praxis auf dem Land zu übernehmen, ist das oberste Ziel. Und so baut die KZV Brücken zu den Studierenden. Die Eröffnung des Zahnforums im Oktober 2020 an der MLU in Halle war ein erster, wichtiger Schritt, mit dem Nachwuchs in Kontakt zu treten. Dort werden Klausur- und Prüfungsvorbereitungskurse angeboten. Diese sind genauso kostenfrei wie Kaffee und WLAN. Die Unterstützung auf der einen Seite nährt auf der anderen Seite die Hoffnung, Nachwuchs zu generieren. Zumindest erst einmal für die zweijährige Vorbereitungsassistenzzeit in einer Zahnarztpraxis in der Region. Die Chance, dass das Umfeld – beruflich und privat – dann lieb gewonnen wird und angehende Zahnärzte bleiben, steigt in dieser Phase.

Darüber hinaus legt die KZV ein Stipendiumprogramm auf, bietet eine strukturierte Praxisabgabeberatung an und versucht, Studenten mit Zahnärzten zusammenzubringen, die vorhaben, ihre Praxis aus Altersgründen abzugeben. Die verschiedenen Projekte sollen helfen, die Zukunft zu sichern und die Lücke, die zu entstehen droht, zu verhindern.

Susann Behling hat in den zurückliegenden Wochen schon Gespräche mit Landrat Markus Bauer und fast allen Bürgermeistern im Salzland geführt. Und ist dabei durchweg auf offene Ohren gestoßen. Vielen Gemeindeoberhäuptern auf dem Land sei der Ernst der Lage bewusst, weil die Zahl der Zahnärzte dort überschaubar ist. In den Städten wie Schönebeck oder Staßfurt sieht es etwas anders aus. Umso glücklicher waren die Bürgermeister, dass sich die KZV engagiert. Bei einer Vertreterversammlung mit allen Hauptverwaltungsbeamten am 1. Oktober ist die KZV eingeladen. Die Zahnarztversorgung ist dabei ein Tagesordnungspunkt. Ob und inwieweit die Ortsoberhäupter Einfluss auf potenzielle Praxis-Übernehmer nehmen können, wird dort mit besprochen.

Das Versorgungsloch macht sich bereits bei den Notdiensten bemerkbar. Anfang des Jahren wurden die Notdienst-Bereiche Schönebeck und Staßfurt zusammengelegt, um die Sonn- und Feiertagsdienste absichern zu können.