Zeckenbiss – und nun?

Um das Infektionsrisiko zu minimieren, sollte die Zecke so bald wie möglich herausgezogen werden. Dabei sollten möglichst alle Teile entfernt werden, um eine Entzündung zu vermeiden.

Hierzu greift man die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument nahe der Hautoberfläche, also an ihren Mundwerkzeugen (niemals am vollgesogenen Körper!) und zieht sie langsam und gerade aus der Haut. Möglichst sollte die Zecke dabei nicht gedreht werden und auf keinen Fall darf sie vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden. Dies würde das Tier reizen und könnte dazu führen, dass es seinen Speichel und so mögliche Infektionserreger abgibt.

Nach Entfernung der Zecke ist eine sorgfältige Desinfektion der Wunde empfohlen.

Falls kein Zeckenentfernungsinstrument oder Desinfektionsmittel zur Hand ist, sollte die Zecke trotzdem sofort entfernt werden (z. B. mit dem Fingernagel), da so der Übergang von Krankheitserregern verhindert werden kann.

Um die eventuelle Ausbildung eines roten Infektionsrings (sogenannte Wanderröte; früher Hinweis auf eine beginnende Borreliose) in der Haut besser verfolgen zu können, empfiehlt es sich, die Einstichstelle regelmäßig zu beobachten. Ein Foto von der Stichstelle kann dabei helfen.

Sollte nach einigen Tagen bis Wochen eine deutliche, ring- förmige Hautrötung entstehen und sich ausweiten, sollte ein Arzt zur weiteren Abklärung aufgesucht werden.

In einigen Fällen erscheint nur eine unspezifische Hautrötung, die wandert.

Sollte man in den 7 bis 14 Tagen nach einem Zeckenstich oder Aufenthalt in einem FSME-Risikogebiet grippeähnliche Symptome wie Fieber, Abgeschlagenheit, Unwohlsein, Kopfschmerzen oder Gliederschmerzen entwickeln, sollte gegebenenfalls ein Arzt konsultiert werden.

Quelle: Robert-Koch-Institut

Schönebeck/Staßfurt l Das warme Wetter lädt förmlich zu einem ausgedehnten Spaziergang ein. Aber: Mit den steigenden Temperaturen startet zeitgleich auch die Zecken-Saison. Sie lauern auf Grashalmen, Büschen oder Totholz und warten darauf, sich an vorbeigehenden Tieren – oder eben Menschen - festzuklammern. Dass Zecken von Bäumen fallen oder gar springen können, ist lediglich ein sich hartnäckig haltender Irrglaube.

Auch wenn die kleinen Blutsauger unscheinbar wirken, kaum wahrgenommen werden, so ist dennoch Vorsicht geboten. Die Parasiten können nämlich mitunter gefährliche Krankheiten wie Lyme-Borreliose oder die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen.

So sind beispielsweise im vergangenen Jahr im Salzlandkreis 107 Borreliose-Fälle registriert worden, informiert Goetz Wahl aus dem Dezernat Gesundheits- und Hygienemanagement des Landesamtes für Verbraucherschutz. Er betont aber, dass es sich dabei nur um die offiziell gemeldeten Fälle einer labordiagnostisch nachgewiesenen Borreliose handelt. „Die Anzahl der tatsächlichen Borreliose-Fälle ist deutlich höher, weil in den Arztpraxen das klinische Bild einer bestimmten Hautveränderung (Erythema migrans) genügt, um eine Behandlung der Borreliose einzuleiten und der labordiagnostische Nachweis oft gar nicht angefordert wird“, so Wahl. In den Jahren 2017 und 2018 wurden sogar etwas mehr Fälle im Kreis registriert. 2017 waren es 117 und 2018 118 Fälle.

Risikogebiet

FSME kommt in Deutschland deutlich weniger vor. Laut Robert-Koch-Institut (RKI) gilt vor allem der Süden Deutschlands als Risikogebiet. In Bayern und Baden-Württemberg, aber auch in Teilen Sachsens und Thüringens infizieren sich mehr Menschen mit FSME als im Rest der Bundesrepublik. Doch insbesondere während der Zecken-Saison sollte überall in Deutschland, auch in Sachsen-Anhalt, FSME im Hinterkopf behalten werden. Denn vereinzelt tritt das Virus auch hier auf. Vergangenes Jahr infizierten sich laut Landesamt für Verbraucherschutz fünf Menschen im Land mit der Frühsommer-Meningoenzephalitis. Bei FSME können ein bis zwei Wochen nach dem Zeckenstich grippeähnliche Symptome mit Fieber, Kopfschmerzen, Erbrechen oder Schwindel auftreten. Bei einem schweren Verlauf kann es sogar zu einer Entzündung von Gehirn und Hirnhäuten kommen.

Die Lyme-Borreliose, an der vergangenes Jahr 503 Menschen in Sachsen-Anhalt erkrankten, erkennt man an einer meist ovalen Rötung der Haut sowie Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen, informiert das RKI auf seiner Website.

Um sich vor Zecken zu schützen, empfiehlt das RKI bei Aufenthalt im hohen Gras, Gebüsch oder Unterholz geschlossene Kleidung (feste Schuhe, lange Hosen, lange Ärmel) zu tragen. Dadurch wird es einer Zecke erschwert, eine geeignete Hautstelle für eine Blutmahlzeit zu finden.

Absuchen

„Nach einem Aufenthalt im Freien sollte der Körper nach Zecken abgesucht und diese sofort entfernt werden. Insbesondere sollte man Kinder nach dem Spielen im Freien gründlich untersuchen. Zecken bevorzugen als Stichstellen zum Beispiel Haaransatz, Ohren, Hals, Achseln, Ellenbeuge, Bauchnabel, Genitalbereich oder Kniekehle“, heißt es auf der Website des Instituts.

Aber wozu das Absuchen? Das Absuchen kann nützlich sein, da Zecken nicht sofort zustechen, sondern auf der Suche nach einer geeigneten Stichstelle zunächst auf dem Körper umherlaufen. Durch regelmäßiges Absuchen kann die Zecke also mitunter schon entfernt werden, bevor sie überhaupt zusticht. „Nach einem Einstich dauert es einen bis zwei Tage, bis Borrelien übertragen werden. Das rechtzeitige Entfernen von Zecken vermindert also das Infektionsrisiko erheblich“, begründet das RKI.

Entwarnend ist aber auch zu erwähnen, dass nur bei etwa 2,6 bis 5,6 Prozent der von einer Zecke Gestochenen eine Borrelien-Infektion nachgewiesen wird. Und ein noch kleinerer Teil der Menschen erkrankt und weist Symptome auf. Insgesamt ist bei 0,3 bis 1,4 Prozent der Zeckenstiche mit Krankheitssymptomen zu rechnen, informiert das Institut auf seiner Website. Einen Spaziergang im Wald muss man sich also nicht vermiesen lassen.