Schönebeck l In Zeiten der Corona-Krise und Kontaktverbote lernen selbst so manche Senioren plötzlich, wie sie mit ihren Enkeln am Smartphone eine Videokonferenz abhalten können. Da sich viele Familien gerade zu Ostern nicht besuchen durften, war es oft tröstlich, die Liebsten zumindest am Bildschirm zu sehen.

Bis zu 1000 Teilnehmer

Besonders beliebt ist dafür derzeit die Anwendung Zoom des gleichnamigen Software-Unternehmens aus Kalifornien. Im Internet ermöglicht die App Video-Konferenzen mit bis zu 1000 Teilnehmern. Bis zu 49 Teilnehmer können gleichzeitig auf dem Bildschirm angezeigt werden. Mit der Coronakrise wurde die Anwendung auch hierzulande bekannter, da sie es Mitarbeitern von Unternehmen im Homeoffice ermöglicht, miteinander in Kontakt zu bleiben.

Auch die Stadt Schönebeck hatte sich im Hinblick auf die Corona-Krise frühzeitig mit dem Thema Video-Konferenzen beschäftigt. Unter anderen wurde die Anwendung Zoom auch als mögliche Alternative für die Sitzungen des Stadtrates in Betracht gezogen. Wegen des Kontaktverbotes war die Arbeit des Stadtrates im Dr.-Tolberg-Saal mit rund 100 Stadträten, Verwaltungsmitarbeitern, Zuschauern und Medienvertretern zeitweise ungewiss. Die Sitzung im März musste sogar komplett ausfallen.

„Aufgrund der derzeitigen Pandemielage plant die Stadt Schönebeck, eine software-gestützte Konferenzlösung auf den für die Ratsarbeit eingesetzten iPads übergangsweise vorzuhalten“, teilte Stadtsprecher Hans-Peter Wannewitz auf Nachfrage der Volksstimme mit. So hat die Stadt alle Stadträte bereits vor einiger Zeit mit Tablet-PCs ausgestattet, damit sie die Ratsunterlagen während der Sitzung im Internet aufrufen können und Papier sparen. Das verbreitete Programm Zoom wurde den Stadträten dafür nun aus der Ferne auf ihre Geräte überspielt.

Programm vorsorglich installiert

Eine konkrete Nutzung ist aber vorerst nicht geplant. „Es geht in erster Linie zunächst um die zur Zur-Verfügung-Stellung eines Kommunikationsmittels, weil die Personen sich nicht mehr treffen dürfen“, so der Stadtsprecher. Sprich: Die Stadt wollte vorbereitet sein, zumal nicht absehbar war, wie lange das Kontaktverbot andauert würde. Zwar ist ein Ende immer noch nicht in Sicht. Doch mittlerweile steht fest, dass die Stadträte trotzdem zu ihrer nächsten Sitzung Mitte Mai zusammenkommen können – wenn auch unter Sicherheitsvorkehrungen und einer neuen Sitzordnung, die einen ausreichenden Abstand im Dr.-Tolberg-Saal erlaubt.

Mit der Anwendung Zoom haben sich daher bisher nur einige Stadträte beschäftigt. Von einigen war zu hören, dass sie die Technik gern mal ausprobieren würden und sie deshalb für Absprachen innerhalb der Fraktionen genutzt haben. Auch der Städtepartnerschaftsverein soll Zoom schon genutzt haben. Andere Stadträte waren bisher noch nicht so neugierig auf die neue Technik.

Sicherheitsbedenken wurden in Schönebeck wegen der Videokonferenzen noch nicht laut geäußert – im Gegensatz zu anderen Ländern, Unternehmen und Institutionen. So wurde bekannt, dass Zoom heimlich werberelevante Daten an das soziale Netzwerk Facebook weitergegeben hat. Teile des Programms ließen sich nicht mehr deinstallieren und sollen sogar eine Fernsteuerung der Geräte ermöglichen.

Einige Behörden und Unternehmen haben die Verwendung von Zoom daher verboten – darunter das Auswärtige Amt, einige Regierungsbehörden der USA, Kanada, Großbritannien und Taiwan sowie die NASA und SpaceX.

In der Verwaltung sind die Bedenken bekannt. „Offenbar verbieten einige Unternehmen und Einrichtungen in den USA Zoom, da es chinesische Zulieferer zu der Firma geben soll“, so Wannewitz. Die Technik solle auch nur vorübergehend genutzt werden. Zudem verweist die Stadt auf die neuen Datenschutzrichtlinien von Zoom, mit denen diese Probleme behoben sein sollen.

Im Stadtrat kommt die Technik vorerst sowieso nicht zum Einsatz. Und selbst wenn, wären weite Teile der Sitzungen öffentlich und würden möglicherweise sogar im Internet übertragen. Und die Gefahr, dass ausländische Geheimdienste oder Konzerne heimlich bei nicht-öffentlichen Sitzungen der Kommunalpolitiker mithören könnten, wird in Schönebeck offenbar als eher gering eingeschätzt.

Zumindest die Kosten für Zoom halten sich in Grenzen, auch wenn die Stadträte das Programm nun gar nicht nutzen sollten. So zahlt die Stadt für die Lizenz der Version „Meeting Pro“ für alle Stadträte im Monat insgesamt 65,90 Euro inklusive Mehrwertsteuer.