Schönebeck l Einfach wird das nicht. Die Stadt Schönebeck befindet sich in einer Zwickmühle. Sowohl das Freibad in der Barbarastraße als auch die Volksschwimmhalle in der Johannes-R.-Becher-Straße sind stark sanierungsbedürftig. Jeder Euro, der jetzt oder die nächsten Jahre dort investiert wird, wäre im Grunde in den Sand gesetzt.

Wollen Stadt und Politik beide Objekte nicht aufgeben, muss Ersatz geschaffen werden. Die Ideen dafür sind da, es fehlt jedoch an dem, was am dringendsten notwendig ist: Es ist kein Geld da. Benötigt werden nach einer ersten groben Schätzung zwischen 22 und 27 Millionen Euro. Der Haushalt der Stadt gibt das nicht her.

Inzwischen liegt eine Machbarkeitsstudie eines Bautzener Büros vor, das den Neubau eines Kombibades von allen Seiten beleuchtet hat. Es geht um die Zusammenführung von Hallen- und Freibad zu einem sogenannten Kombibad. Die Volksstimme greift nachfolgend einige Eckpunkte heraus:

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Die Ausgangssituation

Die Stadt Schönebeck verfügt seit vielen Jahren über zwei kommunale Bad-Anlagen. Das Freibad in der Barbarastraße wurde nach der Wende zwar saniert, doch es besteht wegen des baulichen und technischen Zustandes erheblicher Sanierungsbedarf. Noch viel dramatischer ist die Situation für die Volksschwimmhalle. Nach einem vorliegenden Statikgutachten hat die Halle nur noch einen Bestand bis zum Jahr 2023. Es besteht also zwingender Handlungsbedarf.

Die Nutzergruppen

In der Volksschwimmhalle steht an erster Stelle das Schulschwimmen. Das findet im Rahmen des Sportunterrichtes statt. Die Kommunen sind verpflichtet, dieses Unterrichtsfach zu gewährleisten. Die Volksschwimmhalle nutzen die Schüler der Grundschule. Weitere Gäste sind Vereine, unter anderem die Wasserwacht, die dort trainiert und Wettkämpfe durchführt. Zudem kommen in die Halle Physiotherapien und andere zur Durchführung von Kursen. Das Freibad nimmt in den sechs Wochen Sommerferien die gleichen Aufgaben des Freizeitsportes wahr. Pro Jahr nutzen durchschnittlich 80.000 und 85.000 Besucher die Volksschwimmhalle, 8000 bis 9000 das Freibad. Da ist jeweils auch vom Wetter abhängig.

Die Arbeitsgruppe

Um ein Konzept zur Zukunft des Bäderbetriebes zu erarbeiten, wurde im Jahr 2015 eine Arbeitsgruppe gebildet. Die setzt sich aus Stadträten, Mitarbeitern der Verwaltung, einem Vertreter von Union 1861, Abteilung Schwimmen, und dem Geschäftsführer der Stadtwerke Schönebeck zusammen.

Die Weichenstellung

Die Arbeitsgruppe hat sich – um Kosten zu sparen – nicht für zwei Objekte, sondern für den Bau eines Kombibades entschieden. Es stellt eine bauliche und betriebliche Einheit dar und soll Hallen- und Freibad verbinden. Für dieses neue Bad ist ein Flächenbedarf von 14.000 Quadratmetern erforderlich.

Der Vorteil

Ein Kombibad ermöglicht eine räumliche, funktionelle und betriebliche Zusammenfassung, flexiblere Nutzungsmöglichkeiten, Einsparmöglichkeiten im Bau und im Wechselbetrieb. Parallele Nutzung der Innen- und Außenflächen bei gleichen Öffnungszeiten und einem einheitlichen Eintrittspreis sind möglich.

Die Standorte

Insgesamt hat die Arbeitsgruppe sieben Standorte herausgearbeitet. Das waren das Gelände der jetzigen Standorte Volksschwimmhalle und Freibad, dann Hohendorfer Straße, Busbahnhof, Magdeburger Straße, Berliner Straße und Salineinsel. In die engere Auswahl für eine Machbarkeitsstudie, die einen Vergleich der Vor- und Nachteile erstellten sollte, kamen lediglich noch drei Standorte: Barbarastraße, Busbahnhof und Salineinsel.

Die Auswahlkriterien

Für die beste Standortfindung wurden unter anderem folgende Auswahlkriterien geprüft: Baurecht, Eigentumsverhältnisse, Medienerschließung, Förderung, Lage und Anbindung an Verkehrswege, bestehende Konflikte, Lage zu den Schulstandorten, Überschwemmungsgebiet und andere Dinge.

Die Standortentscheidung

Jeder der drei Standorte bekam zu den Kriterien unterschiedliche Wertungs-Punkte. Dabei kam es zu folgendem Resultat: Bester Standort für das Kombibad wäre der Busbahnhof, Platz 2 Salineinsel, Platz 3 Barbarastraße. Auszüge aus der Begründung sind unter anderem, dass der Standort in der Barbarastraße zu klein ist. Auf der Salineinsel schätzt der Bauplaner infolge der Schadstoff- und Baugrundproblematik im Vergleich mit 10 bis 20 Prozent höhere Baukosten.

Die Kosten

Diese Zahlen sind schwindelerregend. Aus Sicht der Machbarkeitsstudie, die im zweiten Quartal dieses Jahres erstellt wurde, belaufen sich die Kosten auf rund 22 bis 27 Millionen Euro. Sollte sich die Ausschreibung des Baus des Kombibades weiter verzögen, könnten jährliche Mehrkosten von 500.000 bis eine Millionen Euro entstehen. Dies ist mit den Baupreissteigerungen zu begründen.

Die Förderung

Prinzipiell bestehen Fördermöglichkeiten des Landes (Innenministerium und Bauministerium). Nach Recherchen des Bauplanes ist aber festzustellen, dass diese Förderprogramme aktuell stark überzeichnet sind. Insofern wird eine individuelle und objektspezifische Förderung empfohlen.

Die Zeitschiene

Bei Licht betrachtet muss gesagt werden, dass keine Luft mehr ist. Vorausgesetzt, der Stadtrat votiert für den Neubau des Bades noch in diesem Jahr, dann könnte von 2018 bis 2020 geplant werden. Baubeginn wäre im Mai 2020, Fertigstellung im Frühjahr 2022.

Die Machbarkeit

Allein aus Mitteln des Haushaltes kann die Stadt Schönebeck das Kombibad nicht finanzieren. Unterstützung durch Projekte von Außen sind nötig. Möglich wäre ebenso eine „getrennte Bauweise“: gemeinsame Planung, aber erst Bau einer Schwimmhalle, später Bau eines Freibades – je nach Finanzlage. All diese Varianten werden nun von der Verwaltung in einer Beschlussvorlage formuliert. Noch in diesem Jahr soll sie dem Stadtrat zur Entscheidung vorgelegt werden.