Schönebeck l „Ich war etwas baff, dass diese Seite schon so eine Welle geschlagen hat. Dass die Volksstimme schreibt, damit hätte ich nun wirklich nicht gerechnet“, ist die erste Reaktion von Nadine K. - ihren Nachnamen möchte die 34-jährige Schönebeckerin nicht preisgeben – als ihr zunächst bei Facebook und dann auch in ihrem Mailaccount die Anfrage der Schönebecker Volksstimme auf ihrem Smartphone angezeigt wird.

Grund für die Anfrage: Nadine K. war es, die am Sonntag, 15. März, um kurz vor 16 Uhr eine Facebookgruppe namens „Corona Hilfe Schönebeck Elbe und Umgebung“ gegründet hatte, die schnell Zulauf gefunden hatte, in anderen Schönebeck-Facebookgruppen geteilt wurde und so schnell über 400 Mitglieder hatte. Mitglieder, die helfen wollen – bei Einkäufe, Gassirunden oder bei der Kinderbetreuung.

Nutzer bieten Hilfe an

Genau für diese Bereiche hatte Nadine K. mit Gründung der öffentlichen Gruppe eigene Beiträge erstellt, unter denen Hilfsangebote und -gesuche veröffentlicht werden können. Schon kurz nach Gründung der Gruppe meldeten sich die ersten Facebook-Nutzer. Da heißt es zum Beispiel: „Bitte meldet euch, falls ihr Hilfe braucht. Ich gehe gerne für euch einkaufen.“ oder „Ich würde auch ein bis zwei Kinder zur Betreuung übernehmen. Maximal auch drei.“

Nadine K. sagt: „Ich glaube, bisher kam diese Idee gut an. Einige haben schon ihre Hilfe angeboten. Man muss diese bloß annehmen können. Auch gab es liebe persönliche Nachrichten an mich mit Tipps oder Ideen. Aber alles in allem hoffe ich doch, dass die Schönebecker nun langsam den Zusammenhalt bekommen, wie bei unserem letzten Hochwasser.“

Idee kam spontan

Ob sich die ersten Hilfesuchenden und Hilfebietenden schon gefunden haben, ist Gruppengründerin Nadine K. noch nicht bekannt. Doch sie hofft natürlich, dass sie mit der Plattform helfen kann. „Ich will die Seite auch erst einmal wachsen lassen, damit sich alle ‚einleben‘ können und nicht sofort fragen: ‚Und, schon was bei rumgekommen.‘ Natürlich freue ich mich, wenn mir vielleicht der ein oder andere berichtet, ob und wie er jemandem geholfen hat, wie diese Hilfe aussah und angenommen wurde. Das könnte man dann nach Absprache posten und anderen zeigen ‚Hey, seht ihr, es klappt super‘.

Gegründet hatte sie die Facebook-Gruppe, nachdem sie am Sonntag zufällig im Internet auf einen Artikel gestoßen sei, in dem berichtet wurde, dass in Würzburg von einer jungen Frau eine Facebook-Corona-Hilfe-Gruppe gegründet worden sei. „Dies kam so gut an, dass diese Gruppe innerhalb weniger Stunden 1000 Mitglieder hatte. Ich habe dann gleich die Facebook Suche gestartet und gesehen, dass es einige Gruppen in diversen Städten gibt. Da ich von Schönebeck keine fand, habe ich diese sofort eröffnet, in der SBK-Repage, einer anderen Schönebecker Facebook-Gruppe, geteilt mit dem Gedanken, dass es doch möglich sein muss, die Bewohner dieser Stadt mehr dazu zu bewegen, umsichtiger zu werden. Mehr auf die Schwächeren unter uns, nämlich die Älteren und Vorerkrankten, zu schauen und ihnen Hilfe anzubieten.“

Dank für Hilfe

Ein paar Einkäufe zu tragen, das tue doch nicht weh, findet die 34-Jährige und berichtet: „Ich habe das monatelang für einen Nachbarn getan. Er war jedes mal sehr dankbar über die Hilfe.“

Nadine K. selbst will rund um die Corona-Thematik Ruhe bewahren, nicht durchdrehen. „In dieser Zeit denke ich sehr an meine Familie, die in Dresden lebt. Besuche sind nicht drin, da beide gesundheitlich vorbelastet sind. Daher fiel auch mein kürzlicher Geburtstag allein aus. Mein Freund ist leider auch gesundheitlich vorbelastet mit Asthma. Ihn möchte ich momentan auch nicht ‚in Gefahr‘ bringen. Es heißt ja, was man vermeiden kann, sollte man unterlassen. Hoffentlich hat diese Situation bald ein Ende.“ Eine Hoffnung, die wohl viele Schönebecker mit Nadine K. teilen.

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