Borne l Das zur Ruine verkommene ehemalige Gotteshaus gehört keiner Kirchengemeinde, sondern mit dem Bürokaufmann Andreas Hagemeyer einer Privatperson aus dem Dorf. Der 29-Jährige hatte das historische Gemäuer im vergangenen Jahr von einer Immobilienfirma erworben. „Das war die Kröte, die ich schlucken musste, um an den Hof, den ich kaufen wollte, ranzukommen“, sagte der Kircheneigentümer.

Der junge Mann sucht nun Interessenten, die mit der Kirche etwas anfangen können und daraus etwa machen wollen. „Das wäre schön für die Ortschaft“, sagte er im Volksstimme-Gespräch und fügte hinzu: „Ich selbst kann das finanziell nicht stemmen.“ Sein Geld brauche er für das Haus, das er zusammen mit dem Kirchengrundstück erworben habe.

Allein die Erneuerung des Daches würde schätzungsweise rund 50 000 bis 60 000 Euro verschlingen. Und dann müsste ja auch noch der Turm auf Vordermann gebracht werden. Man könnte, um die Bausubstanz zu erhalten, das Dach erst einmal runternehmen und verschließen und später wieder aufnehmen. „Es wäre schlimm, wenn jemand dort ein Flachdach draufbringen würde“, sagte Hagemeyer . Er träumt: „Vielleicht gewinne ich mal im Lotto. Dann wüsste ich, was ich mit dem Geld anfangen würde.“

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Wenn sich ein Interessent findet, der an der alten Kirche hängt und diese der Nachwelt erhalten möchte, dem würde sie Andreas Hagemeyer für rund 1000 Euro verkaufen, sagte der Volksstimme.

Mit den Denkmalpflegern hat Hagemeyer nach eingem Bekunden bei einem Ortstermin keine schlechten Erfahrungen gemacht. Da seien sie recht kooperativ gewesen, würden jedoch bei einem Wiederaufbau auf die Einhaltung der denkmalpflegerischen Bestimmungen dringen.

Wie Hagemeyer in Erfahrung gebracht hat, stammt die Bisdorfer Kirche in ihren Ursprüngen aus dem zwölften Jahrhundert. „Das war ursprünglich mal ein Wehrturm mit zwei großen Torbögen, auf den später der Kirchturm aufgesetzt und ein Kirchenschiff angebaut wurden. Ob die Turmkugel, die in das Kirchenschiff gestürzt ist und von Andreas Hagemeyer mit Hilfe eines Krans geborgen wurde, wertvoll sind, ist nicht bekannt.

„Darin befanden sich sechs Münzen aus den Jahren 1717 und 1880 und eine Flasche mit einer versiegelten Schriftrolle. Letztere habe ich nicht geöffnet, sondern zu Osten dieses Jahres dem Landesamt für Archäologie und Denkmalpflege in Halle zur Prüfung übergeben“, sagte Hagemeyer. Von dort habe er aber noch keine Information bekommen, welche Geheimnisse die Schriftrolle enthält.

Bürgermeister Sven Rosomkiewicz (CDU) sagte, die Kommune habe ein Interesse daran, dass aus diesem Haus etwas gemacht werde, sie könne sich aufgrund der angespannten Haushaltslage jedoch nicht daran beteiligen. „Von der Gemeinde hat der Investor jede mögliche Unterstützung. Finanziell sind uns jedoch die Hände gebunden“, so der Kommunalpolitiker.

Die Kirche im Ortsteil Bisdorf war St. Sebastian geweiht und gehörte bis 1803 zum Patronat beim Stift St. Sebasdtian in Magdeburg. Probleme gab es damals schon beim Bau mit dem Baugrund. Deshalb sollen im 19. Jahrhundert der Turm und das Schiff mit starken Stützen versehen worden sein, erfahren die Besucher der Ausstellung „Die Egelner Mulde zur blauen Stunde“, die derzeit auf der Wasserburg zu sehen ist. Dort wurde als Jahr der Schließung 1970 angegeben, anderswo war von 1960 die Rede.

Seitdem hat der Zahn der Zeit an diesem imposanten Gemäuer ganz schön genagt. Ein breiter Riss im Turm, wenige Ziegel auf dem windschiefen Dach, rostige Zifferblätter, die von einer einst intakten Turmuhr zeugen, und ein zerstörtes Kirchenschiff, so präsentiert sich die Kirche heute nach dem jahrzehntelangen Verfall.

Damals wurde die Entscheidung gefällt, eine der beiden Kirchen in Borne zu schließen. Seitdem ist das kirchliche Zentrum der Gemeinde in der Kirche „Sankt Margarethe“ auf dem Markt in Borne zu finden. Die Bisdorfer Kirche Sankt Sebastian wurde 1996 verkauft und sollte privat genutzt werden. Dass es nicht dazu kam, hat vielfältige Ursachen. In dem damaligen Vertrag wurde vereinbart, dass der Käufer sich dazu verpflichtet, die Umsetzung der beiden Glocken vorzunehmen, so dass die Bronzeglocke auf das Grundstück der Unseburger Kirche kommt und die Stahlglocke auf das der Kirche in Borne. Die Bronzeglocke, die aus dem Jahre 1722 stammt und von Peter Becker gegossen wurde, hat die Tonhöhe E und passt im Klang nicht zu der Glocke in der Kirche in Borne. Die zweite Bisdorfer Glocke, die zwar jüngeren Datums ist, aus Stahl gegossen wurde und nach dem ersten Weltkrieg in den Glockenturm von „Sankt Sebastian“ kam, blieb in Borne. Sie erhielt einen neuen Platz vor der Kirche im Ort.Die Gründe, dass diese Glockenbergungs-Aktion erst 2003 und damit Jahre später erfolgen konnte, liegen unter anderem in der Insolvenz der verschiedenen Käufer begründet, die es vor Andreas Hagemeyer gab.