Schönebeck/Shenyang l Im Gegensatz zu Shenyang mit mehr als acht Millionen Einwohnern ist Schönebeck nur ein kleiner Punkt auf der Landkarte. Trotzdem haben die Chinesen ihn entdeckt – und mit ihm die Teutloff Schulung und Schweißtechnische Bildung- gGmbH. Die Einrichtung mit 60 festangestellten Mitarbeitern und 500 bis 800 Ausbildungsteilnehmern gehört nun einem Unternehmen in der Volksrepublik China.

Als neue Gesellschafterin stellte sich am Mittwoch während einer Pressekonferenz bei Teutloff Frau Chunyan Fan vor. Sie ist Geschäftsführerin einer Management- und Beratungsfirma in Shenyang (Firma Ancin) und tritt offiziell als Gesellschafterin des Konsortiums aus Industrieunternehmen in Shenyang zum Beispiel der Firma Siasun Robot und Automation Co. LTD auf. Die Firma Ancin berät unter anderem die Shenyang Maschinen Tool Gruppe, BMW, mit Sitz in Shenyang und andere. Zudem gibt es Verbindungen nach Aschersleben.

Chunyan Fan wird gemeinsam mit Teutloff Schönebeck die Berufsakademie im deutsch-chinesischen Industriepark in Shenyang leiten. Dort soll die Ausbildung von chinesischen Facharbeitern chinesischer Firmen des Industrieparks nach dem dualen Berufsausbildungssystem der Bundesrepublik erfolgen. Dazu findet im Vorfeld die Ausbildung der Ausbilder als Multiplikatoren bei Teutloff in Schönebeck statt. Später könnte auch eine Berufsschule nach deutschen Vorbild in der chinesischen Industrieregion entstehen.

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Damit hat Teutloff Schönebeck Erfahrungen – nur eben nicht immer positive. Vor Jahren baute das Bildungsunternehmen eine Berufsschule in Schönebecks Partnerstadt Rizhao auf. Nachdem das Wissen aus Deutschland ins Chinesische übertragen war, wurden die deutschen Partner kaltgestellt. Das, so versprechen es Chunyan Fun und ihre deutsche Geschäftsführerin Gabriele Rotter Kiel, soll diesmal nicht passieren. „Das wird eine ehrliche Zusammenarbeit, Frauenpower auf beiden Seiten“, sagte sie.

Nach Aussagen von Chun-yan Fan hat nicht nur das duale Ausbildungssystem in Deutschland, sondern auch Teutloff einen sehr guten Ruf in Fernost. Deshalb auch interessierte sich das Konsortium für die Schönebecker Schule. Die Stadt- und die Zentralregierung der Region wollen in Shenyang ein Berufsausbildungs-Testgebiet aufbauen. Derzeit gibt es dort 13 staatliche Berufsschule und weitere von Unternehmen. Das aber ist noch lange nicht genug, um den Bedarf der chinesischen Wirtschaft decken zu können. „Bei uns in der Stadt gibt es Mega-Unternehmen mit bis zu 20 000 Beschäftigten. Daher sind gut ausgebildete Mitarbeiter auf unserem Arbeitsmarkt sehr gefragt“, begründete Chunyan Fan das Engagement.

Die Anfrage der Volksstimme nach dem Kaufpreis der Chinesen für das wertvolle deutsche Unternehmen blieb asiatisch höflich unbeantwortet.