Schönebeck/Staßfurt l 80 Prozent der Bevölkerung Sachsen-Anhalts lebt im ländlichen Raum. Der Salzlandkreis zeigt ein ähnliches Bild. Dem Land werden Strukturprobleme nachgesagt, doch es hat Potenzial. Davon zeigt sich Markus Bauer fest überzeugt. Der Landrat findet in den Leader-Projekten dafür den Beweis. „Das ist Ideenvielfalt in ihrer ganzen Breite“, sagt der Landrat. Denn mithilfe von Geldern aus der Europäischen Union (EU) und über die Kofinanzierung des Landkreises konnte in den vergangenen Jahren viel geschaffen werden. „Das reicht von der Kirchensanierung über die Unterstützung eines kleines Hofladens bis zu kleinen Radtouristenherbergen an Saale und Elbe.“

Der ländliche Raum kann was und der Kreischef erachtet es als richtig, dass sich EU und Verwaltung vor Ort engagieren. Trotz knapper Kassen auch finanziell. Allein 22 Millionen Euro sind in den Jahren 2007 bis 2014 in die Leader-Projekte in der Region geflossen, 11 Millionen Euro davon sind Fördermittel. „Dieses Geld ist gut angelegt“, sagt der Landrat. „Daseinsvorsorge ist auch eine Möglichkeit der Haushaltssanierung. Wenn der ländliche Raum nicht attraktiv bleibt, bleiben die Menschen auch nicht hier. Es wandert auch niemand zu. Somit können sich auch keine Wirtschaftskreisläufe eröffnen. Es gibt keine Wertschöpfung vor Ort. Fehlende Menschen und fehlendes Gewerbe verschärfen das Problem öffentlicher Kassen.“ Für den Kreischef stellt sich deshalb die Frage nach Pflicht oder Freiwilligkeit bei den Ausgaben durch den Landkreis nicht. Und Markus Bauer ist froh, dass die Politik mit entsprechenden Kreistagsbeschlüssen die Zuschüsse für Leader „weitsichtig“ begleitet.

Bürgerbeteiligung als Programmwert

Dabei habe das Förderprogramm der EU einen besonderen Charme, betont der Landrat. Denn es setzt und unterstützt bürgerschaftliches Engagement. Nicht nur Kommunen könnten von den Geldern profitieren, sondern auch private Initiativen, die Strukturverbesserungsvorhaben auf dem Land im Sinn haben. In den Augen von Willy Boß, Geschäftsführer der Landesgesellschaft Sachsen-Anhalt, die vielfältig im ländlichen Raum agiert und auch Leader in einigen Bereichen im Management mitträgt, ein wichtiger Aspekt. Denn die Menschen fühlen sich mitgenommen. „Es ist kein Förderprogramm aus einer Administration heraus, ein von oben hergeführter Plan, sondern kommt aus den entsprechenden Regionen selbst.“ Lokale Spezifika würden Berücksichtigung finden, das treffe auf die Akzeptanz der Bevölkerung, meint Willy Boß. „Angesichts der Probleme im ländlichen Raum ist das die einzige Chance, das Leben hier zu erhalten und zu befördern.“

In Brüssel hat man erkannt, dass das Initial für das Land zündet. Nach einer kurzen Phase der Verlängerung genannter erster Förderperiode und einer Nachjustierung der Förderkriterien steigt man nun in die zweite Förderphase ein. Zunächst wurde das Leadermanagement neu ausgeschrieben - ein Muss und alles andere als eine Formalie. Die bisher in der Region bestehenden Gruppen können - das allein ist ein Zeichen der Anerkennung - ihre Arbeit weiterführen. Für bestimmte größere Gebiete gibt es eine Leader-Aktionsgruppe mit einem Leiter, einem professionellen Management und Mitgliedern aus Öffentlichkeit und Privatbereich. Staßfurt findet sich zum Beispiel in der Aktionsgruppe Börde-Bode-Auen. Schönebeck ist Teil von Elbe-Saale. Der Salzlandkreis ist Träger des Leadermanagements für vier Gruppe, die fünfte, Bördeland mit der Gemeinde Bördeland, hat der Bördekreis auf seiner Agenda. In den Gruppen werden die Projekte vorgestellt, diskutiert und für eine Förderung vorbereitet. Die EU hat die Lokalen Aktionsgruppen bestätigt. Nun kann die Arbeit beginnen. Dabei gibt es bereits festgelegte Kriterien (Kasten).

Lokale Aktionsgruppen nehmen Arbeit auf

Strategien und Handlungsfelder sind bereits gesetzt, erste Projekte andiskutiert. Auch das Geld steht zur Verfügung. Mit rund 1 bis 1,5 Millionen Euro können die Lokalen Aktionsgruppen im Volksstimme-Verbreitungsgebiet in den nächsten zwei Jahren jeweils arbeiten.

Die jetzige Förderperiode geht bis 2020. Jetzt gibt es Geld für die ersten zwei bis drei Jahre, die spätere Finanzierung ist gesichert und wird ausgeweitet, weil die EU auch andere Fördertöpfe für Leader öffnet - zum Beispiel aus dem sozialen Bereich für entsprechende Maßnahmen.

Der Landkreis bringt in den drei Jahren 69 500 Euro Eigenmittel in die Finanzierungen ein. „Die Summe erscheint vielleicht nicht riesig, aber mit ihr können Fördermittel in Größenordnungen akquiriert werden und der Mehrwert in der Region ist kaum zu beziffern“, sagt Landrat Markus Bauer.