Staßfurt l Hier und da klingt ein schriller Pfeifenton. Große Kisten liegen übereinander. Einzelne Holzteile stehen daneben. Königlich mutet hier auf den ersten Blick nichts an. Doch eine Königin, nämlich die „Königin der Instrumente“, eine Orgel, zieht in die Aula des Staßfurter Gymnasiums ein. Wolfgang Amadeus Mozart ließ sich seinerzeit in einem Brief an seinen Vater zu dieser Lobeshymne hinreißen, angetan von Klangvielfalt und Technik der Orgel. Im Dr.-Frank-Gymnasium freut man sich gerade nicht minder, bald selbst ein solches Instrument hören und auch nutzen zu können.

„Alle Teile sind jetzt komplett hier angekommen und wir freuen uns, dass das Orgel-Projekt an Fahrt gewinnt“, sagt Musiklehrerin Bettina Eisenächer. Die Orgel stammt aus dem Gymnasium in Egeln. Paul Hülle aus Halberstadt hat sie 1931 erbaut. Als gebrauchtes Instrument fand sie sechs Jahre später einen neuen Aufstellungsort in der Egelner Aula. Nach der Schließung des Gymnasiums wurde in der Schulleitung und dem Musikkollegium der Wunsch laut, das Instrument erhalten zu wollen und damit auch ein Stück Egelner Tradition zu bewahren.

Wieder ist es ein Halberstädter Orgelbauunternehmen, nämlich das der Meister Johannes und Reinhard Hüfken, das den Umzug an den neuen Standort übernimmt. Die Experten haben vorher ein ausführliches Gutachten erstellt und den Zustand geprüft. Die Orgel war in Egeln voll funktionstüchtig. Die Firma Hüfken hat sie bereits einmal umfangreich gewartet. „Sie ist dann behutsam in ihre Einzelteile zerlegt worden, alles wurde verpackt. Nun beginnt der Aufbau, nachdem der Orgelbauer in seiner Werkstatt verschlissene Teile erneuert oder nachgebaut hat“, berichtet Bettina Eisenächer. Der Balg zum Beispiel, der Pfeifenwerk und die pneumatische Anlage für Tasten- und Registerfunktionen mit Luft versorgt, musste aufgearbeitet und abgedichtet werden.

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Schon in der kommenden Woche sollen die vielen Teile wieder ein Ganzes sein. Doch allein mit dem Zusammensetzen sei es nicht getan, weiß die Musiklehrerin, die auf vielen Tasteninstrumenten - auch auf der Orgel - zu Hause ist. „Wenn alles zusammengebaut ist und die 460 Pfeifen in verschiedenen Größen wieder an ihren Plätzen stehen, dann erfolgt die Intonation.“ Selbst wenn alles technisch funktioniere, ihre „klangliche Seele“ erhalte das Instrument erst durch diese wichtige Arbeit der Orgelbauer, erklärt Bettina Eisenächer. Jede einzelne Pfeife werde dabei gestimmt und in ihren Klangeigenschaften auf den neuen Raum und seine Akustik „eingestellt“.

Zum Weihnachtskonzert des Dr.-Frank-Gymnasiums, so sind die Planungen, soll die Orgel zum ersten Mal erklingen. Am 8. Dezember findet das Konzert in der Aula statt und beginnt um 16 Uhr. Dann musiziert der Chor des Gymnasiums unter der Leitung von Bettina Eisenächer und Dr. Ralf O. Schubert. Solisten aus den Reihen der Schüler sind zu hören. „Bei seinen Konzerten zeigt der Chor regelmäßig die gesamte Bandbreite seines Repertoires. Auch im Advent“, berichtet Bettina Eisenächer. Die Orgel werde dem musikalischen Nachmittag eine besondere Nuance verleihen.

Doch passt das eigentlich? Ist die Orgel nicht eher ein Instrument für die Kirche? Bettina Eisenächer berichtet, dass es eine lange Tradition von großen Orgeln in bedeutenden Konzertsälen gebe - bis in die Gegenwart werden neue Instrumente mit dieser Funktion gebaut. Aber auch in Schulen.

Das allein sei es aber nicht. „Für die Chorarbeit ist das Instrument eine Bereicherung. Und in den Klassenstufen 5 sowie 11 spielen die Orgel, ihre Stilistik durch die Epochen und ihr technischer Aufbau im Rahmen der Instrumentenkunde eine wichtige Rolle.“ Zukünftig ganz anschaulich - mit der eigenen, kleinen, aber „königlichen“ Schulorgel.

Spenden

Die Orgel

in der Aula des Staßfurter Dr.-Frank-Gymnasiums soll den Musikunterricht und die musikalische Arbeit der Schule bereichern. Gleichzeitig will das Gymnasiums ein Stück Tradition des Egelner Gymnasiums bewahren.

Das Instrument

ist zwar klein, gehört aber aufgrund seiner Technik mit sogenannter pneumatischer Steuerung und einem speziellen Windladensystem zu einem besonderen Zeugnis des Orgelbaus am beginnenden 20. Jahrhundert.

Der Umzug

kostet Geld: Rund 24 000 Euro sind für Ab- und Aufbau sowie die Ergänzung und Erneuerung verschlissener Teile nötig.

Das Gymnasium

sucht deshalb Pfeifenpaten. Interessenten können die Finanzierung für einzelne Pfeifen übernehmen.

> Eine der wenigen bis zu 2,50 Meter hohen Holzpfeifen für je 100 Euro.

> Eine Reihe mittlerer Pfeifen aus Holz oder Orgelmetall (Zinn-Blei-Legierung) für je 50 Euro.

> Eine Reihe kleiner Pfeifen für je 20 Euro.

Kontakt

unter Telefon (03925) 62 20 85 oderper E-Mail an sekretariat@dr-frank-gymnasium.de

Auch Spenden

sind erwünscht: Konto LSA Dr.-Frank-Gymnasium / IBAN: DE 26 800 555 000 201 015 102 / BIC NOLADE21SES / Verwendungszweck 000-100-1001 + Name