Staßfurt/Hecklingen l Nur zwei Tage nachdem Sven Hartmann aus Hecklingen seine neue Arbeitsstelle bei einer Firma in der Atzendorfer Straße in Staßfurt angetreten hatte, war sein Auto mit rostigen Flecken übersät. „Noch am Sonntag vorher war ich mein Auto waschen und alles war in Ordnung“, berichtet er.

Nagelneues Auto beschädigt

„Als ich dann am Mittwoch ein Fahrzeug meiner neuen Firma sauber machte, kontrollierte ich auch mein eigenes Auto und fand überall diese kleinen braunen Rostflecke.“ Auch fast alle anderen Autos auf dem Firmenparkplatz seien übersät mit den Sprenklern gewesen. Seine neuen Kollegen in der Firma, die nicht genannt werden soll, bestätigen, dass auch sie seit Jahren Schäden an ihren Autos haben.

Für Sven Hartmann und seine Familie war das ein Schlag: Er hing immer an seinen Autos. „Dieser Ford ist gerade einmal acht Wochen alt. Wir haben jahrelang darauf gespart und den Wagen bar bezahlt“, sagt er. Für ihn wurde schnell klar, dass es sich bei den Rostflecken an seinen um dieselben Ablagerungen handelt, die auch im Friedensring und der Förderstedter Straße auftreten.

Hartmann rief seine Versicherung an, damit diese die aufwendige Behandlung an der gesamten Oberfläche des Autos bezahlt. Noch am selben Tag, 19. August, fuhr er zum Polizeirevier Staßfurt, um Anzeige zu erstatten. Das Formular braucht er für die Versicherung.

Gang zum Polizeirevier

Als er am späten Nachmittag im Polizeirevier Staßfurt ist, bittet er dort „ganz höflich“ um eine Anzeige wegen der Ablagerungen auf seinem Auto. „Mir wurde von der Polizistin vor Ort gesagt, eine solche Anzeige nehmen sie nicht auf“, berichtet Hartmann. „So eine Sache sei zivilrechtlich und ich solle zum Ordnungsamt gehen“, gibt Hartmann wieder. Die Polizistin habe bestimmte Firmen als Verursacher der Ablagerungen genannt, gegen die er sich einen Anwalt nehmen müsse.

Verdutzt rief Hartmann noch auf dem Polizeirevier Matthias Büttner an. Der Staßfurter Stadtrat und Landtagsabgeordnete (AfD) sammelt als ebenso betroffener Anwohner der Förderstedter Straße Meldungen von Bürgern zum Thema. Hartmann kannte Büttner als Ansprechpartner aus der Zeitung.

Am Telefon lässt sich Hartmann von Büttner nochmal erklären, was er genau im Polizeirevier Staßfurt sagen soll: Er wolle eine Anzeige gegen Unbekannt gegen Sachbeschädigung erstatten.

Situation eskaliert beinahe

Das wiederholte Hartmann nun mehrfach vor Ort gegenüber der Polizistin, während er sein Telefon auf Laut gestellt hatte. Nun hörten auch Büttner und sein Beifahrer im Auto das Gespräch mit: „Die Polizistin hat mehrfach gesagt, eine Anzeige sie nicht möglich und Herr Hartmann müsse sich einen Anwalt nehmen“, gibt auch Büttner wieder.

Weil Hartmann ratlos ist, überreichte er der Polizistin das Telefon. Büttner berichtet davon: „Ich habe versucht, der Dame zu erklären, dass nur eine Anzeige gegen Unbekannt möglich ist, da noch kein Verursacher von den Behörden ermittelt ist. Ich fragte nach dem Namen der Polizistin, den sie mir nicht sagte.“

Da das Telefonat keine Lösung brachte, machte sich Büttner zum Polizeirevier auf, um die Situation zu klären. Auch hierbei folgte ein hartes Wortgefecht, woraufhin Büttner schließlich eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Polizistin einreichte.

Gang zum Ordnungsamt

Hartmann fuhr noch in derselben Wochen zum Ordnungsamt Staßfurt. Die dortige Mitarbeiterin soll genauso verwundert über seine Erlebnisse gewesen sein und versuchte im Polizeirevier anzurufen. „Auch beim Ordnungsamt war man der Meinung, dass so eine Anzeige möglich sein muss“, so Hartmann. Er sollte wieder zur Polizei fahren und auf sein Anliegen bestehen.

Von der Polizei im Salzlandkreis kommt nach einer Presseanfrage keine informative Antwort zu dem konkreten Fall: „Hinsichtlich des Sachverhaltes vom 19. August kann ich zum jetzigen Zeitpunkt aus datenschutzrechtlichen Gründen keine Auskünfte erteilen“, so Jens Galetzka, Leiter Zentrale Aufgaben.

Allerdings spricht der Rest der Antwort der Polizei dafür, dass die Anzeige gegen Unbekannt doch hätte aufgenommen werden müssen: Polizisten weisen teilweise zwar auf eine „zivilrechtliche Klage“ hin, „weil in einem Strafverfahren grundsätzlich nur strafrechtliche Belange berührt sind und mögliche Schadenersatzansprüche im Rahmen des Zivilrechts beim verantwortlichen Verursacher eingefordert werden können“, so Galetzka von der Polizei.

Anzeige bei Polizei soll doch möglich sein

Aber: „Für vermeintliche Geschädigte besteht insofern weiterhin die Möglichkeit, Strafanzeige bei der Polizei zu erstatten“, so Galetzka. Heißt, wenn Autos oder anderes durch die Rostflecken beschädigt sind, müssen Betroffene doch eine Anzeige in allen Polizeirevieren machen können.

Hartmann ist nicht noch einmal zur Polizei gefahren. „Wenn ich mir die Situation im Nachhinein durch den Kopf gehen lassen, war es ein Unding, was dort passiert ist. Ich brauche den Schein für die Versicherung“, sagt er. „Es vergeht Tag um Tag. Ich will den Schaden an meinem Auto repariert haben.“ Warum angeblich bisher nur einige wenige Anzeigen bei der Polizei zu Staub-Schäden eingegangen sein sollen, erkläre sich nun auch aus seiner eigenen Erfahrung. Hartmann will nun eine Anzeige gegen Unbekannt über Büttner erstatten lassen. Dieser plant einen Vordruck, den er an alle Betroffenen ausgeben und gesammelt zur Polizei bringen will.

Polizei ermittelt wegen Luftverunreinigung

Jens Galetzka von der Polizei teilt mit, dass das Staub-Problem von Staßfurt „hinsichtlich der entstandenen Schäden an Fahrzeugen und anderen Objekten der Polizei bekannt ist“. Die Polizei ermittle bereits in dieser Sache wegen Luftverunreinigung als Verstoß gegen Paragraf 325 Strafgesetzbuch.

Nach der Herkunft und dem Verursacher des roten Staubs ermittelt federführend das Landesverwaltungsamt. Den Salzlandkreis hatte die Landesbehörde aufgefordert, Kontrollen in Betrieben durchzuführen. Auch das Landesamt für Umweltschutz ist eingeschaltet worden. Überprüft wurde auch eine Gießerei im Gebiet – ohne Ergebnis. Die Untersuchungen laufen weiter.

Erstmals waren die rostigen Staubablagerungen vor fünf Jahren in Staßfurt aufgetaucht. Fast einjährige Messungen hatten eine Ursache für die Beschädigungen an Autos, Gartenmöbeln, Fenstern und Türen nicht aufdecken können.