Chronologie

Das Ehepaar Arlt hat die schlimmsten Fälle der Beeinträchtigungen, wovon es viele weitere gab, durch das Federnwerk Staßfurt seit 2016 notiert:

• 10. Juni 2016: Schornsteinbrand, dunkle Wolken, Ölgestank

• 3. August 2016: Intensiver Ölgestank

2016 bis 2017: Qualm, metallischer Ölgestank in unregelmäßigen Abständen

• 2. Februar 2018 17 Uhr: Feuerwehreinsatz nach großem Schornsteinbrand mit Brandwolken, starkem Gestank, Funkenflug

• 13. und 14. Februar 2018: Starker Qualm und Gestank (Auf Anfrage beim Umweltamt Staßfurt lag keine Havarieanzeige vor)

• 11. April 2018: Dachluken der Firmenhalle geöffnet, Produktionslärm nachts

• 1. Juli 2018: Brandwolken

• 22. und 23. August 2018: Rauchwolken, Gestank und Lärm in Abständen, auch nachts

• 10. und 11. Oktober 2018: Starker Gestank

• 12. Oktober 2018: Gestank, geöffnete Dachluken der Produktionshalle, Lärm

• 15. Oktober 2018: Gestank, nachts Produktionslärm

• 3. Januar 2019: Große Qualmwolken, Gestank

• 21. Januar 2019: Qualm und Rauchwolken aus geöffneten Dachluken, Gestank

• 22. und 23. Januar 2019: Rauchwolken, Gestank

• 15. Februar 2019: Rauchwolken, Gestank

• 3. Juni 2020: Starker Gestank

• 16. Juni 2020 ab 6 Uhr: Schornsteinbrand bis nachmittags, Polizei vor Ort

• 19. Juli 2020: Produktionslärm durch geöffnete Dachluken

Staßfurt l Für Familie Arlt ist das Federnwerk Bischoff Ursache für massive Beeinträchtigungen seit Jahren. Bei den Anwohnern der Förderstedter Straße, deren Garten hinter der Produktionshalle liegt, finden sich nicht nur rote Rostflecken auf Fensterrahmen, wie sie in Staßfurt im Bereich Calbesche bis Atzendorfer Straße bekannt sind. Seit 2004 beklagen Christa und Kurt Arlt Belästigungen durch den Firmenstandort Calbesche Straße, erfahren aber keinerlei Abhilfe, auch durch diverse Behörden nicht.

Das Ehepaar sieht es nicht ein, zu kuschen. „Ich fordere, dass sämtliche Emissionsauflagen eingehalten und alle Beeinträchtigungen der Nachbarschaft eingestellt werden“, sagt Christa Arlt deutlich. Ihr und das Leben ihrer Nachbarn werde massiv gestört.

Dunkle Rauchwolken

Das Ehepaar hat über die Jahre etliche Fotos von dunklen Rauchwolken gemacht, die ab und an aus den Schornsteinen des Werks kommen. In den letzten vier Jahren haben sie drei Schornsteinbrände bei Bischoff miterlebt, einmal riefen sie aus Angst sogar die Feuerwehr. „Bei einem der Brände lag so viel Rauch über unserem Garten, dass wir nach drinnen flüchten mussten“, so Christa Arlt.

Bilder

Das Ehepaar hat immer wieder festgestellt, dass der Ausstoß aus der Produktionshalle hoch in die Luft und je nach Windrichtung weitergetragen wird. „Wir haben uns schon eine kleine Wetterfahne gebaut und schließen die Fenster, wenn der Wind in unsere Richtung weht.“

Beißender Geruch

Dazu kommt seit Jahren in unregelmäßigen Abständen ein beißender metallischer Geruch. Dass die Dachluken während der Nachtschichten im Federnwerk teilweise geöffnet sind, kann das Ehepaar mit eigenen Fotos belegen. „Wenn die Dachluken geöffnet sind, ist es, als fällt der Schraubenschlüssel direkt neben dem Bett zu Boden“, berichtet Kurt Arlt. Der Produktionslärm hallt im Schlafzimmer. Das ist für Kurt Arlt ein klarer Fall von Ruhestörung: „Es gibt Dezibelvorgaben für Tag und Nacht, die hier nicht eingehalten werden.“ Das haben auch eigene Lärmmessungen, wenn auch ohne geeichtes Gerät, ergeben.

Christa und Kurt Arlt klagen zeitweise über Tinnitus. Der metallisch-ölige Gestank, der manchmal ausgestoßen wird, „tut weh in der Luftröhre und ruft bei uns Beschwerden beim Atmen hervor“, sagt Christa Arlt. Sie geht davon aus, dass die ausgestoßenen Partikel krebserregend sind. Erhöhte Eisenwerte seien gefährlich für den menschlichen Körper. „Belastungen durch Schall geht zulasten des Herz-Kreislauf-Systems.“

Christa Arlt und ihr Mann prangern die Zustände öffentlich an: „Niemand hat das Recht, die Gesundheit anderer Menschen zu schaden.“

Gesetze sollen eingehalten werden

Seit 2016, als das Federnwerk um eine große Produktionshalle erweitert wurde, registriert Familie Arlt die schwerwiegendsten Vorkommnisse. Dass das Wirtschaftsministerium die Erweiterung bei Bischoff damals mit 1,15 Millionen Euro förderte, ist für Christa Arlt umso mehr ein Grund, dass klare Anordnungen getroffen werden müssen: „Das sind unsere Steuergelder. Behörden sind verpflichtet, sich kümmern, dass das Immissionsschutzgesetz hier eingehalten wird.“

Nachdem ihre Forderungen bei der Firma Bischoff schon vor Jahren keine Besserungen brachten, geht das Ehepaar nur noch über Behörden.

Als Anwohner der Calbeschen Straße berichtet Frank Seifert über Rostflecken an Autos, Fensterbrettern, Ziegeln und Dekoration. Auch für ihn ist es ein Skandal, dass die Sachbeschädigungen ungehindert ihren Lauf nehmen.

Kontrollen im Betrieb

Die Behörden haben bis heute keine Ursache für die rostigen Ablagerungen zwischen Calbesche und Atzendorfer Straße in Staßfurt ausmachen können. Das Federnwerk Bischoff wurde aktuell dennoch aufgrund des von Anwohnern  geäußerten Verdachts kontrolliert. Für die Firma ist die Salzlandkreisverwaltung zuständig. Dazu heißt es vom Landesverwaltungsamt: „Der Landkreis ist von uns über den aktuellen Sachverhalt informiert und veranlasst die in seiner Zuständigkeit liegenden Kontrollen und Untersuchungen." Man werde über neue Erkenntnisse zeitnah berichten.

Die Firma Bischoff wurde von der Volksstimme mehrfach zum Thema angefragt, eine Antwort steht aus.

Erste Beschwerde von 2004

Anwohner Frank Seifert hatte sich beim Landesverwaltungsamt gemeldet und gefragt, warum nicht vor Ort Proben auf den Grundstücken der Anwohner genommen werden, um zu vergleichen.

Familie Arlt hatte sich bereits vor 16 Jahren das erste Mal an die Behörden wegen Beeinträchtigungen durch das Federnwerk gewandt. 2004 beschwerte sich das Ehepaar beim ehemaligen Landratsamt Aschersleben/Staßfurt über giftige Abgase aus dem Betrieb. Das Landesverwaltungsamt, das damals antwortete, verneinte, dass die Firma mit giftigen Stoffen arbeite und die Gesundheit der Anwohner gefährdet sei.

Das Ehepaar Arlt hat weitere Beschwerden bei den Behörden eingereicht. 2018 hatte es nach einem Schornsteinbrand den Salzlandkreis um eine Ortsbegehung gebeten, für die das Ehepaar das Protokoll bis heute nachfordert. Eine Anzeige bei der Stadt Staßfurt zu Geruchsbelästigung und Lärm durch das Federnwerk 2018 wurde an den Salzlandkreis weitergeleitet. Dazu gab es keine Reaktion.

Im Juni 2020 zeigten die Arlts einen weiteren Schornsteinbrand im Federnwerk bei der Stadt Staßfurt an. Eine Antwort vom Salzlandkreis kam im August: Das Umweltamt des Landkreises habe Bischoff nach der Beschwerde kontrolliert. Es seien Maßnahmen angeordnet worden, für die man der Firma eine gewisse Zeitspanne einräumt.

Kein Zusammenhang?

Die Volksstimme fragte bei den Behörden konkret nach, ob es weitere Beschwerden von Bürgern von 2015 bis heute zu rostigen Ablagerungen in Staßfurt gab. „Uns sind keine weiteren Beschwerden während des in Rede stehenden Zeitraumes bekannt", teilt das Landesverwaltungsamt mit.

Dass ihre Beschwerden offenbar nicht in Zusammenhang mit den rostigen Ablagerungen in Förderstedter Straße und Friedensring gebracht werden, kann Familie Arlt nicht verstehen: Fachleute müssten wissen, dass Rostflecke durch Metallverarbeitung entstehen.