Staßfurt l Das Ehepaar Christa und Kurt Arlt aus der Förderstedter Straße hatte gegenüber Volksstimme von Rauchwolken aus den Schornsteinen des Federnwerks Bischoff in der Calbeschen Straße berichtet, was sie mit diversen Fotos belegen konnten. Trotz mehrfacher Beschwerden bei Behörden traten vernebelte Luft, Brände, Atembeschwerden, Gestank und Lärm immer wieder auf. Sowohl bei Familie Arlt als auch weiteren Anwohnern der Calbeschen Straße und dem Federnwerk selbst waren dieselben Rostflecke wie in Friedensring und Förderstedter Straße zu beobachten.

Nach Rauchwolken 2018 Schallschutzmaßnahmen

Zum Federnwerk informiert der Landkreissprecher Marko Jeschor nun: „Die bisherigen Beschwerden von Frau Arlt richteten sich ausschließlich gegen ein ortsansässiges Unternehmen, aufgrund von Lärmbelästigungen und stoßweisen Auftreten von Rauchgasen durch eine Betriebsstätte des Unternehmens.“

Als das Ehepaar Arlt im Februar 2018 wegen starker Rauchwolken die Feuerwehr rief, beschwerten sie sich auch beim Landkreis, der zu einer Ortsbegehung nach Staßfurt kam. Der Landkreis erklärt dazu, man habe danach bei der Firma Bischoff „erforderliche Schallschutzmaßnahmen“ umgesetzt. „Eine abschließende Ursachenaufklärung der Rauchgase war zum damaligen Zeitpunkt im Jahr 2018 nicht möglich“, heißt es weiter.

Bilder

Federnwerk soll keine Rostpartikel ausstoßen

Das Ehepaar Arlt hatte bei den Schornsteinbränden bei Bischoff ein „Ausbrennen“, sprich beabsichtigtes Reinigen von inneren Ablagerungen, vermutet. Der Landkreis weist diese Interpretation zurück: „Ein Ausbrennen jeglicher Art findet im Normalbetrieb der Anlagen“ bei Bischoff „nicht statt“. Die produzierten Bahn- und andere Federn würden ausschließlich mittels Glühverfahren hergestellt. Der Landkreis weiter: „Die Zusammensetzung der Rauchgase führt nicht zum Auswurf von Rostpartikeln.“

Laut Landkreis entstehe der Rauch aus dem Federnwerk so: „Es kann lediglich vorkommen, dass sich flüchtige unverbrannte Kohlenwasserstoffe als Teil des Abgases in der Abgasverrohrung ablagern. Diese können sich bei sehr hohen Temperaturen selbst entzünden, dabei entsteht Wasserdampf und Kohlendioxid als Verbrennungsprodukt. Der entweichende Wasserdampf ist Träger des charakteristischen Mineralölgeruchs und war somit Anlass der Beschwerden.“

Anordnung nach erneutem Vorfall bei Bischoff

Dennoch bestätigt der Landkreis, dass es einen „erneuten Vorfall“ bei Bischoff gegeben habe, der durch eine Havarie verursacht worden sei. Deswegen habe man dem Betrieb „immissionsschutzrechtliche Maßgaben angeordnet“. Hier laufe das Verwaltungsverfahren noch, bei der die Firma eine gewisse Zeit bekommt, die Anordnungen umzusetzen.

Beschwerde zu Rauch unabhängig von Rost

Aufgrund des Artikels „Rauchwolken, Lärm und Brände. Anwohner klagen über schwere Belastungen durch das Federnwerk Bischoff“ (Volksstimme vom Mittwoch) betont der Kreissprecher, „dass der beschriebene Rauch nach unserer Auffassung nichts mit den Rostablagerungen zu tun hat.“

Zwischen dem Ausstoß des Federnwerks Bischoff und den rostigen Ablagerungen in Staßfurt bestehe daher auch beim Abarbeiten der Bürgerbeschwerden keine Verbindung: Wegen rostiger Ablagerungen hatte sich das Ehepaar Arlt nicht beschwert, betont der Landkreis. Weil man die Beschwerden des Ehepaars Arlt, die 2004 bis heute durchgängig kamen, nicht zum Thema „Staub“ zählt, hatte der Landkreis auch berichtet, dass es zwischen dem ersten Staub-Aufkommen 2015/16 bis August 2020 keine weiteren Meldungen über Flugrost gab.

Behörden bewerten nach "Durchschnittsmensch&#

Dass Menschen Immissionen unterschiedlich stark wahrnehmen, betont der Landkreis auch, wenn es um die Beschwerden über das Federnwerk geht. Schon bei der Genehmigung einer sogenannten „nicht genehmigungsbedürftigen Anlage“, wie es das Federnwerk ist, bewertete die Untere Immissionsschutzbehörde des Landkreises, ob die Einwirkungen durch die neue Firma auf die Menschen in ihrer Umwelt „das zumutbare Maß überschreiten“ werden. Hier gehe man immer vom „Empfinden eines verständigen Durchschnittsmenschen“ aus und nicht von der „individuellen Empfindlichkeit einer konkreten Einzelperson“.

Kreis rät zu zivilrechtlichem Weg

Im Klartext heißt das: Wenn ein Betrieb bereits genehmigt wurde, weil ihn Behörden als zumutbar eingestuft haben, muss dies so hingenommen werden: „Zusammenfassend ist das Einschreiten der Behörde bei fehlenden Verstoß gegen geltendes Recht nicht möglich und wäre auch ermessensfehlerhaft“, so Sprecher Jeschor.

Auch wenn alle Immissionsrichtwerte eingehalten werden, könnten sie für den Einzelnen dennoch störend sein. Daher, so der Kreissprecher: „Unabhängig von den behördlichen Untersuchungen steht es jedem Bürger frei, die rechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen.“ Die Polizei könne strafrechtlich ermitteln und Bürger könnten „den zivilrechtlichen Weg im Rahmen des sogenannten selbständigen Beweisverfahrens versuchen zu beschreiten, um etwaige Ansprüche gegen mögliche Verursacher der Immissionen sowie daraus resultierend später mögliche Schadensersatzansprüche geltend zu machen.“

Auf aktuelle Anzeigen folgten neue Kontrollen

Zu den aktuell fünf Beschwerden über rostige Ablagerungen, die seit einem Monat in Staßfurt auftreten, wiederum kann der Landkreis jetzt erstmals über den Stand berichten. Wegen der Anzeigen über Flugrost seien Betriebe kontrolliert worden: „Im Rahmen der Begehungen und Inaugenscheinnahme wurde der genehmigungskonforme Zustand der betreffenden Anlagen festgestellt“, so Kreissprecher Jeschor. „Anlass zum behördlichen Einschreiten gab es nicht.“

Man versuche dennoch weiter, der Ursache auf den Grund zu gehen. Um zu ermitteln, auf welche Bereiche und Stadtteile sich die Ablagerungen verteilen, führten die Mitarbeiter der Unteren Immissionsschutzbehörde des Salzlandkreises demnächst „Rasterbegehungen“ durch.

Begehungen mit wenigen Hilfsmitteln

Wie eine solche Begehung organisiert wird, erklärt der Landkreis: Es wird ein Termin abgestimmt. Als Grundlage für die Prüfung werden die dazugehörigen Unterlagen und Genehmigungen des Betriebs herangezogen. Die Angaben daraus werden bei der Begehung der Anlagen abgeglichen. Bei der Auswertung der Begehung kann bei Bedarf festgelegt werden, dass weitere Unterlagen oder Angaben an die Behörde nachgereicht werden müssen. Das Ergebnis wird in einem Protokoll zusammengefasst. Der Landkreis habe für seine Arbeit nur ein Lärmmessgerät, so der Landkreissprecher. Für Messungen oder Analysen müsse der Landkreis das Landesamt für Umweltschutz in Halle bitten.

"Einklang von Gesundheit und Wirtschaft"

Landrat Markus Bauer (SPD) befasse sich aktuell verstärkt mit dem „Staub“ in Staßfurt. Bauer: „Wir werden alles tun, um soweit wie möglich zur Aufklärung beizutragen.“ Der Landrat betone, „dass die Interessen beziehungsweise der gesundheitliche Schutz der Bevölkerung im Einklang mit der Wirtschaft stehen müssen.“