Staßfurt/Rathmannsdorf l Eine Sprengung wäre sicher spektakulärer vonstatten gegangen. Doch aus Rücksicht auf die bergbauliche Situation nebenan – das Gelände des ehemaligen Schachts Leopoldshall III ist am Gründonnerstag 2004 wegen ungesicherter Hohlräume im Bereich der Schachtröhre zum Sperrgebiet erklärt worden – entschied sich das Abbruchunternehmen Geistlinger aus Magdeburg für die sanftere Variante. Das Bauwerk wird Stück für Stück abgetragen.

Seit Dienstag werden diese Arbeiten nun vorbereitet. Wie der Juniorchef der Abbruchfirma Tilo Geistlinger „Salzland-Kurier“ auf Nachfrage mitteilte, werde zuerst die Holzverkleidung um den Hochbehälter entfernt. Dann hebt ein sogenannter Longfront-Bagger mit seinem Ausleger von 26 Meter Länge den 600 Kubikmeter fassenden Wasserbehälter vom Mauerwerk.

Kostenmäßig hätte es im Vergleich zu einer Sprengung keine wesentlichen Unterschiede gegeben, so Geistlinger.

Der Abbruch des Wasserturms ist schon ein besonderes Objekt für die Magdeburger. Doch zu den größeren Aufgaben, die die Firma bewältigt hat bisher, gehöre eher der „Blaue Bock“ in der Landeshauptstadt. Dieses Bauwerk habe man sauber „herausfiletiert“ zwischen anderen Hochhäusern und einer Hauptverkehrsstraße – und das unter großer Anteilnahme von Publikum. Jenes könne man auch im Fall des Leopoldshaller Wasserturms nicht ausschließen. Aber dennoch bittet Tilo Geistlinger eventuelle Zuschauer, genügend Sicherheitsabstand zu wahren und die Zufahrtsstraße freizuhalten. Nicht zuletzt im Sinne einer zügigen Arbeitsweise.

Nach Auskunft des Salzlandkreises habe es zu einem Abriss des Turms keine Alternative gegeben. Nachdem der Sturm am 18. Januar Schieferplatten vom Dach bis über die Landesstraße geweht hatte – Zeugen sprechen davon, dass das nicht das erste Mal der Fall gewesen sei – beauftragte die rechtliche Bauaufsicht der Verwaltung einen Statiker. „Die Begutachtung ergab, dass die Schäden im Innern des Gebäudes noch größer waren, als nach dem äußeren Erscheinungsbild zunächst angenommen“, heißt es in einer Mitteilung der Landkreisverwaltung, „In mehreren Bereichen mussten Deckendurchbrüche festgestellt werden. Der Dachstuhl ist ebenfalls nicht mehr standsicher. Der Statiker kam zu dem Ergebnis, dass akute Einsturzgefahr besteht und das Gebäude abgerissen werden muss.“

Aus diesem Grunde hatte der Landkreis am 8. Februar die Absperrung des öffentlichen Bereiches veranlasst. Der private Eigentümer wurde mittels Ordnungsverfügung aufgefordert, das über 100-jährige Gebäude abzubrechen. Das Bauwerk stand im Denkmalverzeichnis des Landes als landschaftsprägender Wasserturm.