Löderburg l Georg Drath ist ein so gut gelaunter, herzlicher Mensch – man möchte ihn direkt mitnehmen und als Uropa „adoptieren“. Er lacht und erzählt und fällt jedem Besucher in die Arme. Am Mittwoch war nämlich viel Betrieb in seiner kleinen Wohnung in Löderburg. Gratulanten kamen wegen seines 101. Geburtstags und Georg Drath gab eine gemütliche Runde mit Kaffee und Kuchen.

„Er war schon gestern Abend ganz aufgeregt“, verrät „Ruthchen“. Die Nachbarin, Ruth Kube, schenkt Kaffee ein, sie sieht mit weiteren Nachbarinnen manchmal nach dem Senior. „101 wird nicht jeder“, erhebt Georg Drath den Zeigefinger und lacht. Er freut sich wahnsinnig über diesen Tag und Gäste wie Oberbürgermeister Sven Wagner, die singenden Grundschulkinder, Ortsbürgermeisterin Elvira Bartsch, die Nachbarinnen und die Glückwunschschreiben vom Landrat und vom Ministerpräsidenten.

Immer unterwegs

Georg Drath ist für sein Alter noch sehr fit. Wie er das macht? „Ich betätige mich, ich gehe noch selbst einkaufen, lese die Zeitung und Dienstag, da ist immer Kaffeetrinken im Bürgerhaus“, erzählt der 101-Jährige. „Ich brauche den Kontakt, damit ich geistig fit bleibe.“ Im Sommer setzt er sich gern mit seinen Nachbarn vor die Haustür.

Bis letztes Jahr hat er noch die Rabatten und Hecken an seinem Wohnblock geschnitten und die ganze Hausordnung gemacht. Seit einem Beinbruch im Herbst lässt er es aber etwas langsamer angehen und ist mit Krücke unterwegs. Seinen Haushalt will Georg Drath immer noch allein führen. „Einen Betreuer?“ Nein, den brauche er nicht. „Vielleicht später mal“ – im Alter, sagt er.

Im Dorf bekannt

Man kennt den Löderburger überall im Dorf. An der Grundschule erzählte er den Kindern über Jahre regelmäßig aus seinem Leben. Heute lässt er sich im Supermarkt des Ortes und bei den Treffen der Umland im Bürgerhaus blicken. Die Nachbarinnen haken ihn ein, wenn es dorthin geht. „Er ist immer so fröhlich und begrüßt alle herzlich“, erzählt Ruth Kube.

Georg Drath wurde am 20. März 1918 in Rothbach in Schlesien geboren, war im Zweiten Weltkrieg unter Rommel in Afrika und danach vier Jahre lang als Kriegsgefangener in der USA. Wieder in Westdeutschland folgte er einem ehemaligen Kriegskameraden nach Hecklingen, wo er sein „Liebchen“ kennenlernte. Mit seiner Irmgard ging er nach Löderburg, die er 1946 in der Kirche des Ortes heiratete. 35 Jahre lang hat er im Kaliwerk gearbeitet.

Seit 40 Jahren ist seine Frau schon verstorben und Georg Drath lebt – trotz vieler Avancen anderer Frauen in der Vergangenheit, wie er erzählt – allein. Sein Sohn ist 70 Jahre alt, sein Enkel 40 Jahre.

Träumen von New York

Auf die Kommunalwahl im Mai freut er sich schon besonders. Denn Georg Drath ist großer Fan einer bestimmten Partei, nimmt gern an Wahlforen in Löderburg teil und ist durch seine Volksstimme immer informiert. Zu Weihnachten würde er ja gern nach New York fliegen, erzählt er. Er muss nur noch jemanden überzeugen, mitzukommen.