Egeln l Innerhalb von zwei Stunden hatten sich am Dienstag mehr als 100 Passanten auf dem Egelner Marktplatz mit ihrem Namenszug auf den ausliegenden Listen verewigt und damit der Forderung der Eltern nach einem Ende des Lehrermangels Nachdruck verliehen. Dazu gehörten auch alle Bürgermeister der Mitgliedsorte der Verbandsgemeinde Egelner Mulde sowie weitere Kommunalpolitiker.

Nur wenige Bürger hatten sich gestern verweigert. In diesen Fällen gaben sie als Begründung an, dass sie keine Kinder und Enkel mehr in der Schule haben.

Gut angekommen

„Die Resonanz war sehr positiv“, sagte Sybille Schütze aus Kroppenstedt, die in der vergangenen Woche in der Staßfurter Volksstimme die Zustände an der Ganztagsschule kritisiert hatte, in der ihre Tochter die 9. Klasse besucht. Auf einem Elternabend erfuhr Sybille Schütze, dass aufgrund des akuten Lehrermangels die vier Fächer Chemie, Biologie, Geschichte und Technik nicht mehr erteilt werden können. „Die 34 Lehrer-Stellen sind dort auf 17 geschrumpft bei gleichbleibender Schülerzahl. Allein im vergangenen Schuljahr sind sieben Lehrer in den Ruhestand gegangen ohne Ersatz“, sagte die besorgte Mutter.

Der Verbandsgemeinde-bürgermeister Michael Stöhr (UWGE) sicherte ihr und den anderen Eltern Unterstützung zu. Er werde sich darum bemühren, dass die Listen nach dem Abschluss der Aktion am 30. Oktober Schulleiter John Dauert und danach Bildungsminister Marco Tullner (CDU) übergeben werden können.

„Das gab es früher nie“, sagte der UWGE-Fraktionschef des Egelner Stadtrates Helmut Stöhr, der deshalb nicht lange zögerte und seinen Namen auf die Unterschriftenliste setzte. Und der Vorsitzende des Verbandsgemeinderates, Peter Fries (CDU), meinte: „Das haben wir dem ehemaligen Finanzminister Jens Bullerjahn zu verdanken. Dadurch haben wir zu wenig Polizisten und Lehrer.“ Die Politik habe damals zu kurzfristig gedacht.

"Eine Katastrophe"

„Das ist eine Katastrophe“, beschrieb die SPD-Fraktionschefin des Egelner Stadtrates, Rosemarie Schmidt, die lange Jahre selbst Lehrerin war, die Situation an der Ganztagsschule in Egeln. Das seien die Auswirkungen der Bullerjahnschen Sparpolitik. „Aber der Tullner ist auch nicht besser“, sagte sie.

Sandra Ritschel aus Egeln sagte: „Unsere Tochter geht in die 6. Klasse. Sie ist davon auch schon betroffen. Sie findet den Ausfall nicht schlimm. Dabei ist der auch negativ für sie.“