Staßfurt l „Andere Städte gegeben Faltblätter zu dem Thema heraus, aber in Staßfurt begehen wir Inklusion ganz praktisch“, sagt Ralf-Peter Schmidt. Für den Stadtrat und Mitbegründer des Inklusion Netz Staßfurt INS sind die Aktionstage die beste Art und Weise, die Eingliederung Behinderter vorzumachen und zu leben. Denn über eine Woche Anfang Mai gibt es mehrere Aktionen, bei denen sich Menschen mit und ohne Beeinträchtigung begegnen können. „Das gibt es so in keiner anderen Stadt des Salzlandkreises und damit hat Staßfurt ein echtes Alleinstellungsmerkmal.“

Da die Aktionstage von 5. bis 16. Mai zum elften Mal stattfinden, sind sie eine feste Tradition in Staßfurt geworden. Der 5. Mai ist der Europäische Protesttag zur Gleichstellung von Menschen mit Behinderung. Zu den Klassikern gehören die Radtour, das Sportfest beim Gesundheitssportverein, das Fest im Tiergarten und Vorstellungen im Theater. Einrichtungen für Behinderte wie die Lebenshilfe, die Stiftung Staßfurter Waisenhaus oder die Förderschule „Pestalozzi“ nehmen mit mehreren Gruppen teil. Alle Veranstaltungen stehen auch interessierten Bürgern offen.

Familienfest auf dem Benneckschen Hof

Ganz neu in diesem Jahr ist der Familien-Europa-Tag auf dem Benneckschen Hof. Ähnlich wie beim „Tag der Regionen“ will Veranstalter Burkhard Nimmich mit dem Verein „Tag der Regionen Salzlandkreis“ europäische Nationen vorstellen, mit Bühnenprogramm sowie Information, Kulinarik und Unterhaltung. „Ziel ist es, eine proeuropäische Einstellung zu unterstreichen“, sagt Burkhard Nimmich. Bei dem bunten Fest gibt es Musik und Köstlichkeiten aus allen europäischen Ländern. Einrichtungen wie Gymnasium, INS und Jugendclubs stellen sich vor. Der Eintritt ist frei.

Tolle Einsendungen beim Song-Wettbewerb

„Da wurde so viel Tolles auf die Beine gestellt, die Bewerber haben sich Gedanken gemacht“, sagt Christine Fischmann. Die Inklusionsbeauftragte der Stadt Staßfurt ist richtig gerührt darüber, was die fünf Bewerber um einen Inklusionssong für Staßfurt eingereicht haben. Die Stadt hatte zum Wettbewerb, dotiert mit 500 Euro, aufgerufen. Die fünf Eigenkompositionen, die sowohl Gleichstellung als auch den regionalen Bezug zum Inhalt haben, sind vielfältig.

„Da gibt es einen ehemaligen Hecklinger, der heute in Bamberg wohnt und von dort aus ein Lied eingeschickt hat“, erzählt Christine Fischmann. „Ein anderer hat den Text geschrieben und sich einen Musiker für die Melodie geholt. Bei einem Lied singen Kinder den Refrain. Für mich sind irgendwie alle Sieger.“

Ein wenig wie bei „Deutschland sucht den Superstar“ wird auch die Prämierung des Siegerliedes gefeiert. Am ersten Aktionstag, 5. Mai, werden alle Hobbymusiker ihren Song auf der Bühne im Tiergarten vorstellen. Eine Jury aus dem Netzwerk sowie das Publikum wählen den Sieger, der seinen Song nochmal beim Gerhard-Schöne-Konzert und beim Europa-Tag spielen wird.

„Wir haben viele Ideen, was wir mit den Liedern noch machen könnten, auch eine CD wäre eine Möglichkeit“, sagt Christine Fischmann. Fest steht, dass der Staßfurter Inklusionssong bei jedem Anlass zum Thema zu hören sein soll.

Jugendclubs und Schulen

Die Jugendclubs der Stadt Staßfurt sind in diesem Jahr aktiv dabei, wenn es um die Gleichstellung von Menschen mit Behinderung geht. An zwei Tagen machen die Betreuer in jedem Jugendclub ein Angebot zum Thema. Was genau stattfindet, wird demnächst auf www.kinder.stassfurt.de zu finden sein.

Die Grundschulen aus Staßfurt und den Ortsteilen befassen sich bereits im Unterricht mit einem Film, der Behinderung zum Thema hat, und schauen diesen bei den Aktionstagen im Theater an. „Hier sind übrigens noch Plätze für Interessierte frei“, so Christine Fischmann.

Gerhard Schöne im Konzert

Besonders stolz ist das Netzwerk auf ein Konzert bei den Aktionstagen, das sich an alle Staßfurter richtet. Gerhard Schöne wird am 10. Mai im Salzlandtheater mit einem Musikprogramm für die ganze Familie auftreten. Weil die Aktionstage immer von der „Aktion Mensch“ mit 1000 Euro unterstützt werden und der Stadt-, Kreis- und Bundesverband der Linken 1500 Euro spendete, konnten die Eintrittspreise auf 3 oder 5 Euro für Kinder oder Erwachsene gesenkt werden.

Radtour führt zur barrierefreien Kita

„In der Kita sehen wir uns an, was dort in Richtung Barrierefreiheit passiert ist“, sagt Christine Fischmann. Weil Barrierefreiheit für die Eingliederung Behinderter ein wichtiger Aspekt ist, geht es dieses Jahr bei der gemeinschaftlichen Radtour nach Neundorf, wo die Kita nach modernsten Standards umgebaut wird. Dabei gesellen sich rund 50 Teilnehmer, unter anderem Bewohner der Stiftung Staßfurter Waisenhaus, zu einer frühlingshaften Radtour. Jedes Jahr geht es in einen anderen Ortsteil, wo ein neuer „Baum der Inklusion“ gepflanzt wird.

„Miteinanderpreis“ neu definiert

Nachdem mit den letzten zwei „Miteinanderpreisen“ des Netzwerkes die Wohnungsbaugenossenschaft und Rusche & Kerger für die Eingliederung Behinderter in die Arbeitswelt ausgezeichnet wurden, soll die Ehrung ab sofort im sozialen, ehrenamtlichen und gesellschaftlichen Bereich stattfinden. Hintergrund ist, dass Wirtschaftsunternehmen ab sofort mit dem zusätzlichen Inklusionspreis der Stadt Staßfurt im Dezember ausgezeichnet werden. „Der Miteinanderpreis steht unter dem Motto ‚Wie gehen wir miteinander um?‘“, erklärt Christine Fischmann. „Wir zeichnen Einzelpersonen aus, die im besonderen Maße Menschlichkeit im Miteinander zeigen und dadurch Vorbildcharakter haben.“

Kommunalpolitiker unter der Lupe

Rasant und vielleicht hitzig wird es bei einem Podiumsgespräch, das Jugendbeirat und Seniorenbeirat organisieren. Vor dem Hintergrund der Kommunalwahlen am 26. Mai nimmt je ein Kandidat der Parteien oder Wählergemeinschaften für den Staßfurter Stadtrat auf dem Podium Platz. Die Senioren und die Jugendlichen stellten Fragen, jeder Kandidaten hat je eine Minute Zeit zum Antworten. Danach kann das Publikum die Kandidaten „löchern“.

Dieses Jahr geht es auch in den Bundestag. Der Beirat der Lebenshilfe-Werkstatt für behinderte Menschen hat etliche Fragen an Jan Korte vorbereitet. Der Bundestagsabgeordnete der Linken empfängt die Reisegruppe in Berlin.

Die Staßfurter Aktionstage richten sich getreu ihrem Motto an „ALLE“ und sind für interessierte Bürger ohne Anmeldung offen. Ziel ist es, dass Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenkommen und Gemeinschaft erleben.

Zum Inklusion Netz Staßfurt gehören: BBRZ, Berufsförderungswerk, Blinden- und Sehbehindertenverband, Diakonieverein Heimverbund Burghof, Förderschule „Pestalozzi“, Gesundheits-, Rehabilitations- und Behindertensportverein, Interessenvertretung Gehörlosengemeinschaft Sachsen-Anhalt, Lebenshilfe Bördeland, Sekundarschule Förderstedt, Gemeinschaftsschule „Hermann Kasten“, Seniorenbeirat, Stadt Staßfurt, Ralf-Peter Schmidt, Urania, Stiftung Waisenhaus, Salzlandtheater und die Volkssolidarität.

Das Programm

- Sonntag, 5. Mai: „Radtour für ALLE", Treffpunkt 10 Uhr am Stadtsee Staßfurt, gemeinsame Fahrt zur Kita Neundorf, Pflanzung „Baum der Inklusion 2019", Besichtigung der barrierefreien Kita, Ortsrundgang, Mittagessen, Rückfahrt zum Tiergarten Staßfurt

- Sonntag, 5. Mai: „Begegnung für ALLE", 14 Uhr im Tiergarten Staßfurt, Finale Kompositionswettbewerb „Staßfurter Inklusionslied"

- Montag und Dienstag, 6. und 7. Mai: „Freizeiteinrichtungen für ALLE", verschiedene Programme in den Jugendclubs

- Dienstag, 7. Mai: „Abenteuer für ALLE", 9 bis 12 Uhr im Salzlandtheater: Kinofilm für alle Grundschulen und Verleihung des
Miteinanderpreises

- Mittwoch, 8. Mai: „Podiumsgespräch für ALLE", 17 Uhr in der Steinstraße 19, Jugend- und Seniorenbeirat fragen die Kommunalpolitik

- Donnerstag, 9. Mai: „Spiel und Spaß für ALLE", 9 bis 12 Uhr in der Sporthalle Fürstenhof, Sportfest für Menschen mit und ohne Beeinträchtigungen

- Freitag, 10. Mai: Gerhard Schöne-Konzert "für ALLE", 16 bis 18 Uhr im Salzlandtheater (Eintritt3/5 Euro; Karten im Theater)

- Sonntag, 12. Mai: Familien-Europa-Tag, 10 bis 17 Uhr auf dem Benneckeschen Hof

- Donnerstag, 16. Mai: Fahrt in den Bundestag für Menschen mit und ohne Beeinträchtigung auf Einladung des Abgeordneten Jan Korte