Üllnitz l Die Wellen in einem sozialen Netzwerk schlagen hoch. „Rettet den Albertinesee“ ist dort zu lesen. Der Autor zeigt ein Foto von der Badeanstalt, das „Bände spricht“. Zu sehen sind wenige Badegäste und etwas Laub auf der Wiese. „Der Zustand der Badeanlage ist schlimmer als je zuvor in der langen Geschichte des Sees ... Kinder und Jugendliche bleiben mittlerweile weg, denn die Stadt Staßfurt hat alles genommen, statt wie großspurig in allen Zeitungen angekündigt, zu investieren“, ist zu lesen. Beispiele folgen. Der Steg ist gesperrt, der Wasserstand niedrig, Floß und Schwimmbalken im Wasser sind weg, ein mickriger Spielplatz, keine Bälle für das Bespielen des Volleyballfeldes. „Im Nichtschwimmerbecken ertrinken nicht mal mehr die Fische“, macht der Schreiber seinem Unmut Luft. Dabei sei doch Geld eingeplant, um alles in Schwung zu bringen. „Oder ist bereits alles anders verplant?“

Aufruf im Internet

Der Aufruf findet ein großes Echo. Viele kommentieren Text und Bild. Immer wieder wird er auf Seiten von Freunden geteilt und damit weiter verbreitet. Forderung der Kritiker: „Wir wollen den See wieder haben, der bis 2017 existiert hat.“

Im Staßfurter Rathaus kennt man die Kritik. Auf Volksstimme-Anfrage wird schnell ein Vor-Ort-Termin organisiert. Ina Siebert, zuständige Fachdienstleiterin für Schule, Jugend, Sport und Kultur, und Frank Kowalzik, verantwortlicher Schwimmmeister der Stadt, stehen dabei Rede und Antwort.

Bilder

Richtig ist, dass in den diesjährigen Haushalt auf Antrag der CDU-Fraktion im Stadtrat 50 000 Euro für die Ertüchtigung des Albertinesees zur Verfügung stehen. Dass die Stadt das Geld an anderer Stelle einsetzt, stimme nicht.

Hälfte des Geldes ausgegeben

„Wir haben bereits über die Hälfte der Summe ausgegeben, um den Badebetrieb in dieser Saison überhaupt erst zu ermöglichen“, macht Ina Siebert deutlich. Bekannt ist, dass der Vertrag mit dem privaten Pächter zum Jahresende 2017 gekündigt wurde. Bis heute schweigen beide Seiten dazu öffentlich, alles wurde hinter verschlossenen Türen und mit der Zustimmung der Politik geregelt. Kein Geheimnis allerdings ist: Als Freunde sind die Verwaltung und der bisherige Betreiber – durchaus mit einer Fangemeinde - nicht auseinander gegangen. Die Stadt sprang ein und führt den See nun wieder in Eigenregie. Ohne die von den Christdemokraten geforderten 50 000 Euro wäre alles wahrscheinlich dieses Jahr zu. Denn im Etat war kein Geld für den Albertinesee eingestellt. Bisher galt vertraglich geregelt, dass der Pächter aus seinen Einnahmen Mittel generiert, um die Anlage instand zu halten. Die Stadt wiederum hatte nur zu überblicken, dass der Betrieb entsprechend der gesetzlichen Vorschriften läuft.

Ende April habe die Stadt den Albertinesee übernommen. Die Zeit bis zur Saisoneröffnung war damals schon knapp. „Aber bei den Vorbereitungsmaßnahmen wurde immer deutlicher, dass wir viel mehr machen müssen, als geplant“, so Ina Siebert (grüner Kasten). Dabei sei es vor allem darum gegangen, Vorgaben für das Baden, ein geeignetes Arbeitsumfeld für das Personal, Standards an den Gebäuden sowie am Areal und hygienische Maßgaben in der Gastronomie sicher zu stellen. Übergeordnete Behörden des Salzlandkreises waren dabei genauso mit im Boot wie auch der Stadtpflegebetrieb.

Mit Pächter fällt Gastronomie

Richtig sei, dass es vieles nicht mehr gebe, was bisher zum Albertinesee gehörte. Zum Beispiel die Terrasse am Bistro mit Bestuhlung und Schirmen, die Eigentum des früheren Pächters gewesen ist. Aber auch die schwimmenden Elemente im Wasser. Das Sprungplateau war nicht wie im Staßfurter Strandsolbad vergleichbar am Boden des Sees befestigt. „Eine Unfallgefahr geht davon aus, weil das Floß umkippen könnte.“ Springer und Schwimmer könnten sich dabei Verletzungen zuziehen oder unter das Gestell geraten, so Ina Siebert. Aufgewertet wurden aber der Strand und der Liegebereich. Zudem hat der Stadtpflegebetrieb Spielmöglichkeiten für die jüngsten Besucher geschaffen, nachdem die Geräte des bisherigen Spielplatzes wegen Verschleißes aus Sicherheitsgründen abgebaut werden mussten.

Aus der Sicht der Stadt, so die Fachbereichsleiterin, sei ein Stand erreicht, der das Baden und den Aufenthalt ermögliche und von dem nicht – wie in den Sozialen Netzwerken vorgeworfen – Langeweile oder Untergangsstimmung ausgehe. „Der Albertinesee ist ein Naturbad und diesen Anspruch erfüllt er auch.“

Dennoch, das sagt Ina Siebert auf, sei alles ausbaufähig – als stetige Aufwertung des Areals - und die Stadt verschließe sich diesen Gedanken auch nicht. Auf jeden Fall müsse man für künftige Saisons über mehr Freiluftgastronomie nachdenken, auch über die Verschönerung mit Blumenkästen.

Weitere Ausbesserungsarbeiten

16 000 Euro sind noch übrig für den Albertinesee. Nach dem Badesommer sollen noch verschiedene Arbeiten ausgeführt werden. Eine Mauer und ein Zaun werden erneuert. Die Stadt will Geräte anschaffen, um im kommenden Jahr für Pflege und Unterhaltung des Geländes gewappnet zu sein.

Wie in diesem Jahr sind auch für den Haushalt 2018 Mittel eingeplant, damit das Personal der Badeaufsicht finanziert werden kann und Geld für die Sicherung des laufenden Betriebes da ist. Das seien keine 50 000 Euro mehr, sagt Ina Siebert, ohne vor der noch anstehenden politischen Debatte über den Haushalt näher auf Summen einzugehen. „Aber es wird deutlich: Die Stadt bekennt sich zum Albertinesee und hier geht es weiter.“