Athensleben l Festtagsstimmung herrscht am ehemaligen Knastgelände, als Ingolf Perschke die Container auf seinem Lkw öffnet und beginnt, die mitgebrachten Behälter der einzelnen Angelvereine zu füllen. Das ist immer so, wenn der Fischwirt von der Teichwirtschaft Wermsdorf Fischbesatz verteilt.

450 Kilogramm Karpfen, 300 Kilogramm Weißfisch (Karauschen und Giebel), 250 Kilogramm Schleie, 200 Kilogramm Barsch und 100 Kilogramm Aal hatte der Sportfischerverein (SFV) Staßfurt unter anderem für dieses Jahr bestellt. Dazu 200 Stück Hechte und 150 Zander. Zander, Barsch und Aal schwimmen längst in den 24 Gewässern der 20 im SFV organisierten Angelvereine.

Die Karpfen, die Fischwirt Perschke zum jüngsten Termin am Dienstagmittag im Kescher hat, geben mit zwei bis zweieinhalb Kilogramm schon ein ordentliches Gewicht, um gleich in die Pfanne zu wandern.

Damit dürften sich die Angler in nächster Zeit aber zurückhalten, selbst wenn es Schonzeiten nur für Raubfische gibt. Holger Blüher, SFV-Verantwortlicher für Gewässeraufsicht und Presse, nennt als Beispiel die Schonzeiten für Hecht vom 15. Februar bis 30. April und für den Zander vom 15. Februar bis 31. Mai.

Karpfen

„Die neuen Karpfen sind in erster Linie dafür gedacht, um die Betände in unseren Gewässern mit neuem Blut aufzufrischen. Sonst werden die Exemplare irgendwann immer kleiner“, ergänzt Kreisgewässerwart Uwe Sander. Geangelt werden könne im allgemeinden das ganze Jahr über.

Bei den fünf Zentimeter kleinen Karauschen, die hier die Behälter wechseln, dauert es derweil im Schnitt vier Jahre, bis sie fangfähig sind, weiß Oliver Bormann vom Angelverein Egeln. „Das hängt von den Lebensumständen ab. Vom Futterangebot, von den Temperaturen und nicht zuletzt vom Zustand der jeweiligen Gewässer.“

Und auch die Pflege der Gewässer, den Erhalt der Stege lässt sich der Sportfischerverein einiges kosten. Um es genau zu beziffern, hat Uwe Sander die Zahl 2698,79 Euro parat. Ein Schwerpunkt war beispielsweise die Sicherung des Dammes am Warmsdorfer Angelteich.

Kosten

Und eine reine Bescherung ist erst recht die Verteilung des Fischbesatzes nicht. „Den Besatz lassen sich die Vereine, die zum Sportfischerverein gehören, 8995,92 Euro kosten“, erklärt der Kreisgewässerwart.

Das ist es schon verständlich, wenn Fischsterben wie das jüngste in der Bode die Mühen der Angelfreunde zunichte machen. „Eigentlich wollten wir den Pachtvertrag für die Bode kündigen, aber so einfach ist das nicht“, sagt Sander. Da sei auch der Landesanglerverband gefragt, sich um das Dilemma zu kümmern.

Und ganz so einfach ist offensichtlich auch unter den Angelsportlern nicht auszumachen, wer denn letztendlich verantwortlich zu machen ist für das letzte „Dilemma“. „Das war nicht in Ordnung“, meint Reinhard Heine. „Aber da hängen so viele Firmen an den Einleitkanälen dran. Da weiß man nicht, wer tatsächlich der Verursacher war.“ Und den Pachtvertrag für die Bode aufzugeben, wäre ein Frevel. „Die Bode hat so viel Fisch, und das nicht nur oberhalb des Staßfurter Wehrs. Ich habe einen Bekannten, der auf Höhe des ehemaligen Hofjägers einen 80-er Wels gefangen hat.

Der Sportfischerverein Staßfurt vertritt 780 Angelfreunde in 20 verschiedenen Vereinen. Die nutzen und pflegen 24 Gewässer – von der Kiesgrube Kroppenstedt bis zum Angelteich in Warmsdorf. Auch die Bode von Westeregeln bis Neugattersleben ist gepachtet. Der SFV führt am Sonntag, 8. Dezember, seine nächste Kreistagung durch. Beginn ist 10 Uhr in der Atzendorfer Lokalität „Zur Scheune“. Dabei wird ein neuer Vorstand gewählt. Ein weiterer Tagesordnungspunkt ist der Ehrung von Mitgliedern gewidmet, die sich bei der Bergung der toten Tiere beim jüngsten Fischsterben engagierten.