Schneidlingen/Aschersleben l In einem Fall aus Schneidlingen, der letzte Woche vor dem Amtsgericht Aschersleben behandelt wurde, wurde ein 29-Jähriger von seinen Nachbarn quasi „überführt“. Genauer soll es sich um ein Pärchen in der Nachbarschaft gehandelt haben, erklärt Richter Robert Schröter auf Nachfrage.

Fahren ohne Fahrerlaubnis

Der junge Mann aus Schneidlingen hatte im Sommer seinen Führerschein abgeben müssen. Dennoch fuhr er mit seinem Audi A6 regelmäßig los. Allein zwischen Juni und Juli hatten die wachsamen Nachbarn sechs Fahrten bemerkt. Offenbar wussten sie, dass der junge Mann keine Fahrerlaubnis mehr hatte. Sie sahen ihn nicht nur in seinem Wohnort Schneidlingen Auto fahren, sondern auch in Groß Börnecke und in Löderburg. Meistens nachmittags. Die Polizei war bei keiner der sechs Fahrten im Spiel und wurde auch nicht dazugerufen.

Die sechs „illegalen“ Fahrten meldeten die Nachbarn der Polizei. Sie sammelten schriftlich alle sechs Fälle und brachten sie zur Anzeige.

Anzeige und Anklage

Die Nachbarn hatten davon zunächst nichts – außer vielleicht ihren Gerechtigkeitssinn, aber die Staatsanwaltschaft Magdeburg erhob aufgrund der Polizeianzeige Anklage wegen Fahrens ohne Fahrerlaubnis.

Und ja, eine Anklage ist tatsächlich allein mit der Aussage der Nachbarn möglich, bestätigen Richter und Staatsanwalt in Aschersleben: Die Aussagen der Nachbarn bei der Polizei gelten als Zeugenaussage und als Beweismittel vor Gericht. So kommt es, dass die Staatsanwaltschaft dem jungen Mann vor Gericht vergangene Woche sechs Taten vorhalten konnte.

Geständnis

Vor Gericht bekennt sich der junge Mann in drei der sechs Fälle schuldig. Ohne das Geständnis hätte man die Sache „ausdiskutieren“ müssen, die Nachbarn als Zeugen laden.

Der junge Mann ist nicht vorbestraft, hat eine Familie, zwei Kinder und ein regelmäßiges Einkommen – keiner der üblichen Wiederholungstäter, denen man mit Ermahnungen und Bewährungen nicht beikommen kann. Er habe sein Auto verkauft, die Fahrerlaubnis sei eingezogen und er verspricht: „Ein Auto werde ich ohne Führerschein nicht mehr führen.“

Kein Wiederholungstäter

Der Vertreter der Staatsanwaltschaft sieht auch gute Chancen, dass das nicht wieder vorkommt: „Der Angeklagte ist nicht vorbelastet und das Kapitel ist nun hoffentlich abgeschlossen.“ Bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe sei hier möglich. Hier schlägt der Staatsanwalt eine Geldstrafe von 60 Tagessätzen vor. Der Rechtsanwalt des Angeklagten schließt sich in etwa an. „50 Tagessätze“ schlägt er vor.

Der Kompromiss des Strafrichters Schröter: 55 Tagessätze zu je 30 Euro. Das sind immerhin auch 1650 Euro insgesamt. Und der Verurteilte trägt die Kosten des Verfahrens. Eine Zahlungsaufforderung kommt demnächst von der Staatsanwaltschaft Magdeburg. Hier kann eine Ratenzahlung vereinbart werden. Zahlt er nicht, entspricht ein Tagessatz einem Tag im Gefängnis.

Dazu folgt noch die Ermahnung, die Richter Schröter bei jedem Fahr-Sünder vorträgt: „Wenn Sie sich wieder ans Steuer setzen, wird es noch sehr viel teurer.“ Der junge Mann, der noch eine Weile ohne Auto und Fahrerlaubnis auskommen muss, nimmt das Urteil an und verzichtet auf Rechtsmittel. Vor Gericht kündigt er an, auch umzuziehen. Wer weiß, was noch alles in dieser „intensiven“ Nachbarschaftsbeziehung vorgefallen war...