Staßfurt l „Seit über 20 Jahren schon bin ich auf Achse“, erzählt ein junger Mann, der im Sparkassenschiff gerade mit Norbert Bischoff vom Staßfurter Unternehmen Federn-Bischoff im Gespräch war. Der Bernburger möchte verständlicherweise seinen Namen nicht nennen, weil er sich in einem Beschäftigungsverhältnis weit jenseits der Grenzen des Salzlandkreises befindet.

„Ich nehme sozusagen Witterung auf“, erzählt er weiter. Vor 20 Jahren sei man mehr oder weniger gezwungen gewesen, „nach drüben zu fahren, um Arbeit zu finden“. Das hat sich mittlerweile geändert. Der Konstruktionsmechaniker im besten Alter möchte nicht mehr länger ein „Wochenend-Verhältnis“ von Freitagabend bis Montagmorgen führen, nicht mehr Tausende von Kilometern und so viel Lebenszeit auf der Autobahn verbringen. „Ich habe zum Glück eine Familie, die das bisher mitmacht, aber ich kenne auch andere, die daran kaputt gegangen sind“, weiß er aus Erfahrung.

Leute wie er werden inzwischen auch in der Heimat gesucht. „Wir brauchen Konstruktions-Mechaniker“, erklärt zufällig Doreen Möller am Stand nebenan. Die Personalchefin des metallverarbeitenden Unternehmens Möller aus Hecklingen hat noch mehr Angebote. Händeringend werden hier Schweißer gesucht, auch Dreher. Gehälter-Verhandlungen würden nun hier auf der Messe nicht geführt. „Da gibt‘s dann persönliche Gespräche im Betrieb“, so Doreen Möller. Aber sie hat schon „mit einigen Interessierten erste Gespräche geführt, die ein gutes Gefühl vermitteln“.

Bilder

Optimistisch, dass sich einige Besucher der Rückkehrermesse über die Internetseite ihres Arbeitgebers bewerben, ist auch Stefanie Schüler. Die Systemleiterin Produktion von Cargill Barby, einem Hersteller für Lebensmittel-Rohstoffe, hat neugierig machen können: für Produkt-Operatoren, Ingenieure für Instandhaltung, für Mitarbeiter im Waren-Ein- und -Ausgang.

Ein Dutzend Unternehmen gekommen

Ein gutes Dutzend Unternehmen aus dem Salzlandkreis sind am ersten Tag nach Weihnachten auf die Messe gekommen, Industriebetriebe wie das Sodawerk Staßfurt, das Serumwerk Bernburg oder Novo-Tech Aschersleben, aber auch mittelständische Unternehmen wie die eingangs erwähnten.

Von Beginn an ist die Messe sehr gut besucht. Auch Landrat Markus Bauer ist zuversichtlich, dass die Gespräche etwas bringen, sowohl für die Unternehmen als auch für die Menschen, die verstärkt merken würden, dass der Faktor Zeit für Pendler immer wichtiger werde. Und nicht zuletzt denkt Bauer an die Gemeindekassen, in die 15 Prozent der Lohnsteuer fließen – je nach Wohnort des Arbeitnehmers. Im Moment pendeln mit knapp 25.000 Einwohnern 11.000 mehr aus dem Salzlandkeis zur Arbeit als hierher, hat die Arbeitsagentur festgestellt.

Dass es nicht immer nur ums Geld geht, versucht Salzland-sparkassenchef Hans-Michael Strube in seinem Grußwort zur Eröffnung der Veranstaltung zu verdeutlichen: „Irgendwann kommt man in ein Alter, da geht es nicht nur um Geldverdienen, sondern darum, glücklich zu sein. Und der Salzlandkreis ist besser als sein Ruf.“ Manch einer, der vor zehn Jahren weggegangen sei, der seine Heimat nur alle zehn Wochen oder zu Weihnachten erlebe, wisse nicht, was sich alles getan hat. „Was kostet es denn, unterwegs zu sein? Mit Freunden zusammen sein, mit der Familie – das ist es doch, was das Leben ausmacht“, so Strube. Letzteres habe man etwas aus den Augen verloren.

Sehr positiv überrascht war auch das Staßfurter Stadt-oberhaupt von der Resonanz auf die Premiere der Rückkehrer- und Pendlermesse, die von Salzlandkreis, Arbeitsagentur und Salzlandsparkasse veranstaltet wurde. Dass man anderswo vielleicht mehr verdiene, sollte man relativ betrachten und mit Lebenshaltungskosten und Fahrtkosten aufrechnen, so Sven Wagner. Was nicht minder geschätzt werden sollte, sei die Familie. „Allein die Großeltern können sich problemlos um die Kinder kümmern, wenn man sie mal braucht.“ Der OB ist froh, dass die Messe in Staßfurt stattfindet und hofft, dass sie sich hier etabliert.