Einstellung der Finanzierung durch den Bund seit 2014 bekannt

Zum 1. April 2012 wurde das Förderinstrument Berufseinstiegsbegleitung gesetzlich im Paragraf 49 SGB III verankert. Bedingung für eine Förderung ist seitdem, dass sich neben der Förderung durch die Bundesagentur für Arbeit ein Dritter mit mindestens 50 Prozent der Gesamtkosten beteiligt.

In den Schuljahrgängen 2012/2013 und 2013/2014 hatte der Bund diese Kofinanzierung aus Bundesmittel sichergestellt. Für den Beginn der Jahrgänge 2014/15 bis einschließlich 2018/19 sprang abermals der Bund mit Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) in die Kofinanzierung ein.

Dass die nochmalige Kofinanzierung durch den Bund mit dem letzten Eintrittsjahrgang 2018/19 endet, ist seit 2014 bekannt. Seitens des Bundes wurde der Appell an die Länder gerichtet, zur Weiterführung die Kofinanzierung zu übernehmen.

Auch wenn die Förderung mit der Förderperiode 2018/2019 nicht weitergeführt wird, so werden doch die begonnenen Maßnahmen bis 2022 teilweise durchgeführt. Jeweils vier Maßnahmen werden an dreizehn unterschiedlichen Sekundar-und Förderschulen im Salzlandkreis anteilig gefördert. 2020 bis 2022 werden etwa 135 Plätze jährlich zur Verfügung stehen.

Insgesamt haben sechs Träger die Berufseinstiegsbegleitung seit 2013 nach einer erfolgten Ausschreibung durchgeführt bzw. führen sie durch.

Seit 2013 wurden folgende Eintritte von Schülern in die Maßnahme registriert:

2013 103

2014 48

2015 233

2016 181

2017 165

2018 132

2019 (Januar bis Mai) 6

Quelle: Agentur für Arbeit

Staßfurt l Das kleine Schildchen an der Tür mutet professionell an. Mitarbeiter in öffentlichen Einrichtungen gehören dann zum Inventar – zum fest integrierten Bestandteil eines routinierten Arbeitsablaufs – wenn sie über eigene Hinweise an den Türen verfügen. Dagmar Baumgraß und Janek Schwigon haben ein solches Blättchen an ihrer Tür an der Förderschule für Lernbehinderte Pestalozzi in Staßfurt. Sprechzeiten stehen da dran, Kontaktdaten sowieso. Alles wirkt vertraut. Wer einen Berufseinstiegsbegleiter sucht und braucht, findet ihn hier.

Zwei gibt es an der Pestalozzischule. Je ein Berufseinstiegsbegleiter ist an der Ganztagssekundarschule „Am Tierpark“ und Gemeinschaftsschule „Hermann Kasten“ in Staßfurt aktiv. Träger ist das Berufliche Bildungs- und Rehabilitationszentrum (BBRZ). Über die Kooperation mit der SBH Südost, ein Bildungsträger aus Magdeburg, gibt es auch an der Ganztagsschule an der Wasserburg in Egeln einen Berufseinstiegsbegleiter.

Bald ist damit aber Schluss. Zumindest in der jetzigen Form. Nach den Sommerferien wurden keine neuen Klassen aufgenommen. Bereits bestehende Betreuungen – diese laufen über drei Jahre – werden weitergeführt. Wenn diese dann 2022 auslaufen, verschwindet an den Schulen auch die „Räuberleiter“, die vor allem jenen Schülern, die Schwierigkeiten haben, sich am Arbeitsmarkt nach der Schule zu etablieren, den Weg in die Wirtschaft weist.

Dabei werden diese empathischen und auch beruflich erfahrenen Handreicher dringend gebraucht. „Das ist ein sehr wertvolles Projekt, es hat sich gut etabliert. Der Mehrwert ist groß“, sagt Volker Link, Schulleiter der Pestalozzischule Staßfurt. „Für uns ist das ganz wichtig. Viele Dinge würden so nicht laufen, ohne die Berufseinstiegsbegleiter. Sie helfen zum Beispiel beim Transport zu den Bewerbungsgesprächen. Oft scheitert es einfach an banalen Dingen.“

Fallakte für jeden Schüler

Einer dieser Berufseinstiegsbegleiter in Staßfurt ist Janek Schwigon. Der gelernte Industriemechaniker kümmert sich an der Pestalozzischule um die Kinder, die Bedarf anmelden und Hilfe wollen. „Ich mache Bewerbungstraining, Computerarbeit, zeige, wie man ein Vorstellungsgespräch angeht, mache aber auch Familienbesuche. Ich nenne mich selbst Nahtstellenmanager“, sagt er. „Es ist sehr viel Dokumentationsarbeit. Gut wäre es, wenn 80 Prozent der Zeit Besuche in den Schulen und 20 Prozent Dokumentationsarbeit wären. Es ist aber umgekehrt.“ Denn jeder Schüler braucht eine Fallakte. Hauptsächlich sind die Begleiter an Haupt- oder Sekundarschulen beziehungsweise Förderschulen unterwegs. Dort eben, wo großer Bedarf nach Betreuung auf dem Arbeitsmarkt stattfindet.

Über viele Jahre werden die Schüler meist betreut. Der Rücklauf ist positiv. „Für uns ist das sehr bedauerlich, dass das einfach endet. Das Land will die Finanzierung nicht übernehmen“, sagt Steffen Berendt, Geschäftsbereichsleiter des Beruflichen Bildungs- und Rehabilitationszentrums. „Wir haben das sehr gern gemacht. Bereits seit über zehn Jahren gibt es bei uns solche Projekte. Wir betreuen Schüler, die es nicht allein schaffen.“ In Staßfurt gibt es dazu ein Motivations- und Orientierungszentrum, in dem auch die Berufseinstiegsbegleiter mit einem Büro verwurzelt sind.

Wenn die aktuell laufende Maßnahme, die zu 50 Prozent über die Agentur für Arbeit und zu 50 Prozent aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds (ESF) finanziert wird, Mitte 2022 endet, steht auch die Pestalozzischule in Staßfurt vor einem Problem. „Für uns sind die Berufseinstiegsbegleiter zusätzliche Kräfte, die uns im Alltag unterstützen“, sagt Schulleiter Volker Link. „Ohne sie müssen die Klassenlehrer viel mehr Zeit aufbringen.“ Und also selbst den beruflichen Weg weisen. Worunter freilich die Qualität des Unterrichts leiden könnte. Was gerade in Zeichen des akuten Lehrermangels kein gutes Zeichen ist. „Alles, was gut ist, wird nicht weiter geführt“, sagt auch Janek Schwigon. Bisher gibt es auch keine Signale, wie es weiter gehen kann. Auch der Träger und die Agentur für Arbeit blicken in eine ungewisse Zukunft.