Staßfurt/Schönebeck l 100.000 Kilometer pro Jahr war Uwe Schulze dienstlich unterwegs. Für ein Unternehmen mit Sitz hinter München. Das will der Salzländer als Lebenserfahrung gern ganz abhaken und sucht deshalb eine neue Beschäftigung – ohne weiten Arbeitsweg und ohne große Dienstfahrten. Möglicherweise hat der IT-Fachmann in Nancy Wallborn eine „gute Fee“ gefunden, die ihm dabei hilft, seinen Wunsch zu erfüllen.

„Wir suchen 130 Arbeitnehmer für unser neues Salzwerk“, erklärt die Personalreferentin von Ciech Staßfurt. Auch für „die Soda“ gibt es acht bis zehn freie Stellen querbeet: Anlagenfahrer, Instandhalter, im Ingenieur-Bereich, auch im Liegenschaftsbereich. In vielen Bereichen sei die Mentalität ganz wichtig. „Da ist schon von Vorteil, wenn man weiß, wie die Leute hier ticken“, zielt sie auf Bereiche, wo entsprechend Umgang mit Menschen zählt. Da müsse es nicht unbedingt passend sein, „im feinen Zwirn“ aufzutreten.

Kein Alterslimit

Und zu bieten habe das Unternehmen Ciech auch einiges: Haustarif, angelehnt an den der Chemie-Industrie, Urlaubsgeld, Quartalsprämien, betriebliche Altersvorsorge... Man sei zudem familienfreundlich. Das heiße 100 Prozent Lohnfortzahlung, wenn der Arbeitnehmer sich beispielsweise um sein krankes Kind kümmern müsse.

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Und auch Uwe Schulze ist auf Grund seines Alters längst nicht aus dem Spiel. „Wir haben bei unseren Einstellungen kein Alterslimit“, versichert Nancy Wallborn dem Ü-50-Jährigen.

In diesem persönlichen Gespräch mit dem Interessenten unterstreicht die Personalreferentin, womit Hans-Michael Strube bei der Eröffnung das Ziel der Rückkehrermesse beschrieb. „Wir haben alles im Salzlandkreis, müssen es nur noch verkaufen“, so der Vorstandsvorsitzende der Salzlandsparkasse als Mitveranstalter.

Neue Hoffnung

Neue Hoffnung durch die Messe schöpft auch ein Calbenser. Er möchte seinen Namen nicht nennen, verrät aber geknickt, dass er zu den Enercon-Mitarbeitern gehört, die demnächst ihre Kündigungen vom Magdeburger Windradbauer erhalten. Annika Weißkopf vom Personalmanagement der TMGroup eröffnet ihrem Gesprächspartner, welche Chancen er auf Arbeit bei dem Anlagenbauer aus Schönebeck habe. „Die Messe ist eine gute Möglichkeit, sich neu zu orientieren“, sagt der Calbenser nach diesem intensiven Gespräch, bei dem auch seine Frau teilnahm. Und nicht ganz unwichtig: Die Entfernung zu seinem Arbeitsort würde sich halbieren.

Die Rückkehrermesse am Freitagvormittag im Saal des Staßfurter Sparkassenschiffs ist wieder gut besucht. Etwa 200 Männer und Frauen schätzt Anja Huth, Chefin der mitorganisierenden Arbeitsagentur Bernburg. Wie im vergangenen Jahr. Auch Kinder sind zum Teil dabei.

Zahlen, wie viele Gespräche letztendlich zum Erfolg führen, habe man leider nicht. „Wir können nur dieses Angebot nach Art einer Partnervermittlung machen“, meint Huth. Dann müsse jeder sehen, was daraus werde.

Gute Erfahrungen

Gute Erfahrungen bereits bei der ersten Rückkehrer-Messe vor zwei Jahren hat der Personalleiter der Salzlandsparkasse gemacht. Nico Hippe: „Nach einem Gespräch mit einer Salzländerin, die viele Jahre ,tief im Westen‘ ihr Geld verdiente, hatten wir kurze Zeit später eine neue Mitarbeiterin im Kundenservice.“ Und auch dieses Mal sei er optimistisch, dass sich aus vielen guten ersten Kontakten vielleicht schon nächste Woche etwas ergebe, so Hippe.

Und vielleicht ergibt sich auch für einen jungen Industrie-Mechaniker aus der Nähe von Bernburg etwas, der vor zehn Jahren wegen der Ausbildung in die Nähe von Bielefeld gegangen war. „Ich habe dort viele Leute aus dem Salzlandkreis getroffen. Aber Heimat wird da trotzdem nicht draus.“ Außerdem seien da, wo alle hinwollen, die Mieten hoch.

Landrat Markus Bauer  (SPD) wirbt: „Wir haben zwischen Magdeburg, Halle und Braunschweig alles zu bieten. Von der Hochschule bis zum Bergbau." Die 3. Rückkehrermesse in Staßfurt nutzen 28 Unternehmen, um auf Jobmöglichkeiten „um die Ecke" aufmerksam zu machen. Vielleicht kommt verstärkt das Handwerk hinzu. Markus Bauer: „Das muss in den nächsten Jahren verstärkt in den Fokus gerückt werden." Und er denkt dabei auch an die künftigen Generationen, denen klar gemacht werden müsse, wie wichtig es sei, bei der Arbeit auch Spaß zu haben.

Zeit für Neues

Anja Huth von der mitveranstaltenden Arbeitsagentur Bernburg ist ganz zufrieden mit der Resonanz, sowohl was die Besucher anbetrifft, als auch seitens der Unternehmen. „Wir hätten aber noch mehr Platz hier im Sparkassenschiff", hofft Huth im nächsten Jahr auf noch mehr Teilnehmer. Der Zeitpunkt der Rückkehrermesse sei bewusst gewählt, erklärt Anja Huth. Man spreche ja auch Menschen an, „die gefühlt noch hier sind". Und die Zeit zwischen Weihnachten und Jahreswechsel ist die Zeit, Bilanz zu ziehen, sich auch beruflich vielleicht neu zu orientieren, Entscheidungen zu treffen.

Anja Huth verrät auch kein Geheimnis, dass die Veranstalter mit dem Zeitpunkt der Messe auf Heimatgefühl setzen. „Viele, die jetzt bei ihren Familien hier zu Besuch sind, werden sicher auch zu hören bekommen: Ach wie schön es doch wäre, wenn du jetzt hierbleiben könntest."