Cochstedt l Nachdem ein erster Termin für einen Astro-Beobachtungsabend im kleinen Cochstedt abgesagt werden musste, weil das Wetter nicht mitspielte, klappte es mit der Himmelsschau im zweiten Anlauf. Schon am späten Nachmittag schlugen die Veranstalter von der Astronomischen Gesellschaft Magdeburg (AGM) ihre Zelte in Form großer tragbarer Teleskope auf dem Goetheplatz auf.

Rund 50 Besucher nutzten die Gelegenheit, sich von den Experten die Schönheit des Himmels erklären zu lassen. „Die Resonanz war spitze“, berichtet die Cochstedterin Kathrin Weidner-Lohse. Die AGM habe drei Teleskope aufgebaut. Was die Besucherin besonders schön fand, war, dass auch viele Kinder und Jugendliche interessiert waren. Die AGM sei sehr schön darauf eingegangen. Jedem einzelnen Kind sei beschrieben worden, was zu sehen ist. Auch viele Erwachsene hätten die Chance genutzt, durch eines der Teleskope zu schauen.

Sternwarte im Visier

Hintergrund ist, dass in Cochstedt eine Sternwarte gebaut werden soll. Daher wird das Thema vom Verein jetzt auch öffentlichkeitswirksam mit Beobachtungsabenden, die weiter stattfinden sollen, forciert.

Denn die AGM hat ein Superteleskop als Dauerleihgabe erhalten, das aufgrund seiner Größe von 14 Zoll Objektivdurchmesser und drei Meter Brennweite ein Alleinstellungsmerkmal in der Region und für anspruchsvolle astronomische Beobachtungen ausgezeichnet geeignet ist. Es muss aber öffentlich zugänglich sein, das ist eine Auflage der Dauerleihgabe.

Die AGM hat in Cochstedt den passenden Standort für eine Sternwarte gefunden. Auf einer Anhöhe soll ein altes Trafohäuschen umgebaut werden. Klaus Retzlaff von der AGM, der seit einigen Jahren in Cochstedt wohnt, hat den Platz zufällig während eines Spaziergangs entdeckt.

Förderung nötig

Er ist ideal, weil der Nachthimmel dort ohne störendes Licht beobachtet werden kann.

Rund 100 000 Euro würde der Bau der Sternwarte kosten. Es steht aber eine 75-prozentige Förderung in Aussicht. Hecklingen und die AGM haben zudem eine Spendenaktion ins Leben gerufen, um weiter nötige Mittel an Land zu ziehen. Ein Spendenkonto wurde eingerichtet (siehe Infokasten)

Mit dem Mega-Fernrohr wäre es möglich, so die AGM, der Bevölkerung der Region sonst nicht oder nur schwer beobachtbare, aber faszinierende astronomische Objekte erlebbar zu machen. „Mit diesem Teleskop können wir sogar die am weitesten entfernten Objekte beobachten. Das sind die sogenannten Quasare“, erklärt Klaus Retzlaff.

Cochstedter Sterne

Auch der Ortsbürgermeister von Cochstedt steht dem Vorhaben positiv gegenüber. Es sei schade, dass er nicht wusste, dass der erste Beobachtungsabend mit den kleineren tragbaren Fernrohren stattfand, begründete er, warum er nicht dabei war. Darauf angesprochen, wie er das Vorhaben findet, sagte er: „Es ist was besonderes, weil man von Cochstedt aus in die Sterne schauen kann.“

Kathrin Weidner-Lohse, kommt mehr ins Schwärmen. „Ich finde das Projekt spitze für Cochstedt. Es ist einfach was ganz exotisches außergewöhnliches.“ Eben weil der kleine Hakelort sich damit ein Alleinstellungsmerkmal in der Region sichere. „Was ich auch noch toll finde, ist, dass sich Leute, die hinzugezogen sind, so engagieren und den Ort mit was Neuem beleben möchten“, so Weidner-Lohse. Hinzu komme die geschichtliche Verknüpfung zu Johann Esaias Silberschlag, der im 18. Jahrhundert in Cochstedt lebte. „Nach ihm ist ein Mondkrater benannt“, weiß Klaus Retzlaff. Er berichtet weiter: „Johann Esaias Silberschlag war selbst auch astronomisch aktiv und errichtete um zirka 1740 die Sternwarte im Kloster Berge in Magdeburg, wo er auch unterrichtete und von der aus später sein Bruder, Georg Christoph Silberschlag die Venus-Atmosphäre entdeckte.“