Atzendorf l Das ist alles so lange her. Und auch Angestellte der Staßfurter Stadtverwaltung müssen spontan die Achseln zucken, Unterlagen haben sie ja keine dabei, in denen sie nachschauen könnten. Seit wann genau gibt es eigentlich in Atzendorf keinen richtigen Jugendclub mehr? Fünf, acht oder zehn Jahre? Viele Jahre ist es ganz sicher her. So lange, dass es auf Anhieb keiner sagen kann. Das ist auch gar nicht so wichtig, wann dieser geschlossen wurde. Wichtig ist: Die Uhren ticken. Ab Mitte August gibt es in dem kleinen Dorf im Norden von Staßfurt endlich wieder einen Jugendclub. Die Herstellung des Jugendraums im Vereinsheim der ZLG Atzendorf liegt in den letzten Zügen.

Vertreter der Stadt sind begeistert

Zu einer Infoveranstaltung hatte der Vereinsvorsitzende Günter Döbbel am Dienstag eingeladen. Dem Ruf des Sportfreunds folgten Ina Siebert, Fachdienstleiterin Schule, Jugend und Kultur, Stadtjugendpflegerin Jessica Krengel-Lienau und Landjugendpflegerin Kerstin Vollmer. Döbbel gestikulierte viel, erklärte die Fakten, zeigte, wie, wo und was alles gemacht wurde. Die drei Frauen nicken immer wieder, anerkennend und freudig. „Es ist schön, dass das geklappt hat. Wir freuen uns“, sagt Ina Siebert. „Das ist erst einmal eine gute Basis.“

Auf vier mal 6,5 Metern wurde am Vereinsheim ein Jugendraum samt einladender Außenterrasse errichtet, der zusammen mit dem weiteren Umbau in diesem Bauabschnitt aus Fördermitteln und Stadtmitteln bezahlt wurde und knapp 120 000 Euro kostete. „Der Tarkett-Fußboden muss noch verlegt werden“, erklärt Günter Döbbel. Dann ist der Jugendraum theoretisch betriebsbereit.

Aber es müssen natürlich noch viele Sachen geklärt werden. Zwischen Verein und Stadt muss ein Vertrag zur städtischen Nutzung aufgesetzt werden, dazu stehen ganz profane Dinge im Raum. „Gibt es hier Internet? Das ist für Jugendliche sehr wichtig“, meint Stadtjugendpflegerin Jessica Krengel-Lienau. „Das sieht schlecht aus“, so Döbbel. Leitungen sind am Vereinsheim nicht verlegt. Ina Siebert warf die Idee ein, mobile Boxen aufzustellen, um über einen Hotspot den Draht ins Internet herzustellen. Fernsehen? „Ist abgesichert“, sagt Döbbel.

Dazu wurde diskutiert, wie der Raum gestaltet werden könnte. Er solle weiß bleiben, sagte Krengel-Lienau. Dazu müssen eine Couch, Schränke, vielleicht ein Fernseher samt Playstation bereitgestellt werden. Auch eine kleine Küchenzeile ist vorgesehen, aber noch nicht angeschafft. Vielleicht gibt es Möbelspender, einiges muss aber sicher auch neu angeschafft werden. „Da bräuchten wir dann eine kleine Ausschreibung“, erklärt Ina Siebert. Vierstellige Kosten könnten dabei schon anfallen.

Personal so gut wie geklärt

Fast in trockenen Tüchern ist die personelle Besetzung. Über das Teilhabechancengesetz – eine vom Jobcenter geförderte Arbeitskraft – ist die Stadt Staßfurt in Gesprächen mit einem Bewerber. Dieser soll den Jugendclub Atzendorf absichern. „Unser Plan ist es, den Jugendclub zum Start dreimal die Woche zu öffnen“, so Siebert. Perspektivisch kann sich die Stadt auch vorstellen, diese Öffnungszeiten zu erweitern. „Das Personal wäre auf jeden Fall dann da.“

„Vielleicht ist es auch möglich, noch einen Ehrenamtlichen ins Boot zu holen“, regte Landjugendpflegerin Kerstin Vollmer an. Das sei schwierig. Auch in Atzendorf. Die Bereitschaft in der Bevölkerung sei auch in Atzendorf kaum da. „Aber wir hören uns um“, sagte Mathias Cosic als Vertreter aus dem Ortschaftsrat Förderstedt.

Zusammenarbeit Verein und Stadt

Wie ist das denn allgemein mit den Atzendorfer Jugendlichen? Wie stehen die zu einem Jugendclub? „Früher waren da im Schnitt sechs bis zwölf Jugendliche da“, so Günter Döbbel. Dass es bald wieder einen Jugendclub gibt, muss sich aber noch herumsprechen unter den jungen Menschen. „Der Raum ist klein, aber fein“, sagte der 13-jährige Tom, der zum „Tag des Offenen Jugendraums“ als einziger Jugendlicher vor Ort war. „Die meisten wissen nicht, wohin. Ich finde das sehr gut, dass es jetzt diesen Jugendraum gibt.“ „Gib das weiter“, steckte Kerstin Vollmer dem Jungen zu. Damit die Idee zum Lauffeuer wird. Denn die Jugendlichen aus Atzendorf haben schon lange keinen Anlaufpunkt mehr im Ort, treffen sich am Teich oder der Tankstelle.

Der Jugendraum allein verbreitet aber nicht genug Anziehungskraft. Hier geht es auch darum, Synergien herzustellen. „Wir brauchen Vernetzungen“, so Vollmer. „Jeder Zeit. Wir sind da kampferfahren“, so Döbbel. So gibt es schon jetzt mehrmals die Woche Dartsabende. Dazu Fußball- und Basketballtage. Die ZLG Atzendorf versteht sich als Mehrspartenverein mit einem breit gefächerten Angebot. Und Jugendliche, die sich im Verein sportlich betätigen und das Vereinsheim nutzen, können ganz nebenbei auch den Jugendclub nutzen. Das eine schließt das andere nicht aus, ein Konkurrenzdenken findet nicht statt. „Bei uns ist immer Bewegung“, meint Döbbel.