Üllnitz l Der Bürger hatte eine Frage und traf den Nerv der Zeit. Eben noch saß Stefan Rudat beim Ortschaftsrat Förderstedt als beiläufiges Schmuckwerk am Ende des Raums, nun hob er die Hand und warf ein Problem in den Raum. „Ist es möglich, am Autobahnzubringer hinter Üllnitz den Radweg zu bauen? Das finde ich wichtiger als den Radweg zwischen Förderstedt und Staßfurt. Tagtäglich sind da Kinder wegen McDonald‘s mit ihren Rädern unterwegs. Das ist gefährlich ohne Radweg. Meine Freundin ist da fast umgefahren worden. Ich hoffe nicht, dass erst etwas passieren muss.“

In der Tat ist der nur etwa 900 Meter lange Lückenschluss zwischen Üllnitz und der A14 ein Weg voller Gefahren für Radfahrer. Einen Radweg gibt es nicht. Die Radfahrer müssen sich die Fahrbahn mit den zahlreichen Autos und LKW teilen, die auf dem Weg zur Autobahn und nach Brumby dort täglich vorbeidüsen. Und durch die Eröffnung des Autohofs im September 2017 sowie des Schnellrestaurants im November 2017 hat sich die Situation an der sogenannten Landesstraße (L) 63 verschärft. Weil einfach mehr Publikumsverkehr herrscht.

Hände gebunden

Dabei ist das Problem seit Jahren bekannt. „Der Stadtseniorenbeirat kümmert sich seit acht Jahren darum“, sagte Peter Maier (Linke). „Aber nichts passiert.“ Nur reden bringt aber nichts. „Es muss ein Beschlussvorschlag her. Wir brauchen ein Papier“, meinte Johann Hauser (FDP/offene Liste). Bis zur nächsten Sitzung des Ortschaftsrates Förderstedt soll ein Sachantrag ausgearbeitet werden für die Stadtverwaltung, um den Autobahnzubringer prioritär zu behandeln. „Wir nehmen das als Anregung mit“, sagte Henry Vorkauf vom Fachbereich Planen und Bauen.

Doch selbst, wenn sie reagieren wollte, auch der Stadt Staßfurt sind vordergründig die Hände gebunden. Denn verantwortlich für den Bau der Radwege außerorts ist die Landesstraßenbaubehörde. Und auch diese handelt nur nach entsprechender Vorlage. „Es gibt ein Radwegekonzept. Daran müssen wir uns strikt halten“, erklärt Stefan Hörold, Leiter des Regionalbereiches West. Die Behörde kann nicht einfach die Prioritätenliste verändern, die das Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr aufgestellt hat. Im sogenannten „Bedarfsplan straßenbegleitender Radwege an Landesstraßen“, der den Stand 31. August 2017 hat und öffentlich einsehbar ist, liegt der Lückenschluss hinter Üllnitz auf Platz 27 der Salzlandkreis-Liste. Insgesamt reihen sich 67 Radwege ein, die saniert oder gebaut werden müssen.

Unterstützer gefragt

Warum der Lückenschluss mit einer Benotung von 3,20 Punkten (je mehr Punkte, desto besser) so weit hinten liegt? „Da geht es einfach um die Frage, wie dringend der Radweg ist“, erklärt Andreas Tempelhof, Pressesprecher des Ministeriums für Landesentwicklung und Verkehr. Das ist beschlossenes Gesetz. Dabei wurde der Bau des Radweges mit etwa 210.000 Euro veranschlagt. Laut aktueller Prioritätenliste soll der Radweg bis 2030 fertig gestellt sein. Was natürlich eine sehr lange Zeit ist. Ob es eine Neuüberprüfung geben kann und eine Veränderung der Priorität, die dafür sorgt, dass der Radweg wegen der neuen Gefahrensituation nach oben rutscht? Könnte ein Schreiben der Stadt nach der Empfehlung des Ortschaftsrates etwas daran ändern? „Natürlich ergibt es immer Sinn, uns zu schreiben“, sagt Tempelhof. Denn schließlich wurde die Liste das letzte Mal aktualisiert, als der Autohof an der Autobahnbrücke noch gar nicht existierte.

Und dabei gilt: Je mehr Unterstützer es gibt, desto dringlicher kann die Aufforderung werden, eine Neuüberprüfung durchzuboxen. Und ringsherum klappt das ja schon mit den Radwegen. Der Radweg hinter der Autobahnbrücke nach Brumby wurde und wird mit der Ortsumgehung neu angelegt. Hinter Brumby führt die alte L63 als Radweg bis nach Calbe. Auch der Radweg zwischen Üllnitz und Förderstedt ist befahrbar. Fehlt eben also nur noch das Stück zwischen Üllnitz und Autobahn. Dann können Jugendliche, die das 2017 neu eröffnete McDonald‘s auch als Treff unter Freunden nutzen, gefahrlos zwischen Schnellrestaurant und zu Hause hin- und herpendeln. Was nicht nur die Eltern extrem erleichtern würde.