Staßfurt l Eine Art kleine „Kooperation“ haben gestern die Agentur für Arbeit im Salzlandkreis und die Ciech Soda Deutschland begonnen. Erklärtes Ziel ist es, mehr Nachwuchs für Staßfurts größtes Unternehmen zu finden. Neben den üblichen Stellenanzeigen, Qualifizierungsmaßnahmen und Förderprogrammen geht die Agentur jetzt noch einen Schritt weiter.

Die Ciech Soda ist ein Paradebeispiel bei der Nachwuchssuche, denn hier werden nicht nur 18 neue Azubis pro Jahr gesucht, sondern ab 2020 braucht man auch im neuen Salzwerk rund 100 neue Mitarbeiter und „bis zu 30 Azubis in den nächsten drei Jahren“, so Geschäftsführer Mathias Hübner.

Strategie entwickeln

„Wir werden bald ein erstes Strategiegespräch durchführen“, erklärt Anja Huth, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Bernburg beim Vor-Ort-Termin gestern im Sodawerk. Dabei wird eruiert, welche Berufsbilder in welchem Umfang gebraucht werden. Qualifizierungsmaßnahmen über die Agentur werden ausgelotet. Die Möglichkeit eines Betriebspraktikum im Sodawerk soll in Beratungsgesprächen angesprochen werden. „Wir schlagen auch speziell Firmen in den Beratungsgesprächen vor, wenn es ins Profil der jungen Menschen passt oder sie sich generell für alles offen zeigen“, erklärt Anja Huth. Die Agenturberater wollen sich das Sodawerk auch vor Ort anschauen, um konkrete Eindrücke weitergeben zu können. Gleiches ist mit jeder anderen Firma möglich.

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Hintergrund ist nicht nur der hohe Personalbedarf, der jetzt auf die Ciech Soda zukommt, sondern auch die extremen Bedingungen am Ausbildungsmarkt. Dass Unternehmen dem Nachwuchs nahezu hinterherlaufen müssen, bestätigt Anja Huth. „Jugendliche unterschreiben heute mehrere Ausbildungsverträge und entscheiden sich später für einen. Ein Ausbildungsvertrag ist für eine Firma also gar keine Garantie mehr. Unternehmen müssen es schaffen, Jugendliche schon vor dem Ausbildungsbeginn an sich zu binden.“ Im Ausbildungsjahr 2018/19 war die Anzahl der unbesetzten Ausbildungsstellen im Salzlandkreis zum ersten Mal dreistellig. „142 Lehrstellen von 1500 wurden nicht besetzt. Und 63 junge Menschen fanden keinen Ausbildungsplatz“, erklärt Agentur-Sprecherin Heike Wunschik.

Grußkarten und Geschenke

In dieser Richtung unternimmt auch die Ciech Soda schon einiges. Ausbildungsverträge werden nicht erst ein paar Monate vor Ausbildungsbeginn im August gemacht. Grußkarten zu Feiertagen und kleine Werbegeschenke bekommen die zukünftigen Azubis per Post geschickt.

Die Ciech Soda fährt auch generell viele Instrumente zur Nachwuchswerbung auf. Ausgenommen Social Media – da müsse man in Zukunft aktiver werden, räumt Personalleiter Martin Müller ein. Aber sonst reicht die Palette vom klassischen Schulpraktikum und Schnupperpraktikum über Messeauftritte und Stellenanzeigen bis hin zu Angeboten, etwa sich später innerhalb des Unternehmens umschulen oder weiterqualifizieren zu können, individuelle Arbeitszeiten für Jugendliche, die auf den Bus angewiesen sind, und verschiedene Modelle im Schichtsystem.

Der direkte Kontakt zwischen Unternehmen und potenziellem Nachwuchs erscheint der Unternehmensleitung aktuell als effektivster Weg – Mundpropaganda über Freunde und Familie oder die Förderung von Vereinen, in denen sich die Mitarbeiter engagieren. „Wir besuchen auch Schulen und führen dort Bewerbungstrainings mit den 9. und 10. Klassen durch“, sagt Ausbilderin Janine Niemann.

„Wir brauchen einfach alle diese Kanäle“, so Mathias Hübner. Denn die Personalakquise sei eine der größten Herausforderung, vor denen das Unternehmen in den nächsten Jahren stehe.