Förderstedt l Fast schon schüchtern stand Ulrich Niestrath vor den versammelten Politikern und knetete seine Hände. Der Projektplaner des 2017 eröffneten Autohofs an der A14 bei Brumby hatte ein Anliegen. „Ich bitte um Ihre Unterstützung“, sagte er. Dann stellte er seine Ausführungen im Ortschaftsrat Förderstedt vor.

Für den Autohof an der Autobahn braucht es Ausgleichsmaßnahmen, um der Natur das zurückzugeben, was ihr mit dem Bau des Autohofs genommen wurde. Ins Auge gefasst hatten Niestrath und seine Mitstreiter sowie die Stadt Staßfurt dabei die Kleingartensparte 1920 Förderstedt. Viele leer stehende Gärten wurden dabei umgewidmet. So wurden mehrere Maßnahmen definiert, um die erforderlichen Biotopwertpunkte wieder zu erreichen. Eine Baum- und Strauchhecke wurde gepflanzt, Ruderalflure wurden hergestellt, dazu Grünflächen angesät.

Kosten versiebenfachen sich

Letzte Maßnahme sollte dabei die Umgestaltung eines 556 Meter langen und nicht öffentlichen Weges sein, der von der Magdeburg-Leipziger Straße in Förderstedt wegführt zur Straße „Am Anger“. Bei der sogenannten Entsiegelung sollte der Weg von einem befestigten zu einem unbefestigen Weg umgestaltet werden.

Hier gibt es ein Problem. „Dort gibt es Bodenverunreinigungen, der Boden hätte ausgekoffert werden müssen“, erklärt Niestrath. Im Spätsommer 2017 hatte es Laboruntersuchungen gegeben. Besonders die Probenahme des sogenannten Betonrecyclats, der auch als geschredderter Schotter bezeichnet wird, war problematisch. Der erhöhte Kohlenwasserstoffgehalt im Feststoff sowie der erhöhte Sulfat-Gehalt im Boden führen zu einer Zuordnungsklasse, die eine gesonderte Entsorgung notwendig machen. Die Entsorgung der Altlasten käme dem Vorhabenträger teuer zu stehen.

Waren ursprünglich 33.500 Euro für die Maßnahme an der Ostgrenze der Kleingartenanlage vorgesehen, so sprechen Vorhabenträger nun von neuen Kosten in Höhe von 244.892 Euro, mehr als das Siebenfache also der eigentlichen Baukosten. Diese Summer wurde im Dezember 2018 kalkuliert, der Bescheid trudelte im Januar bei der Stadt ein. „Die Vorhabenträger erachten den vorstehenden Kostensprung als nicht zumutbar und bitten darum, gemeinsam mit der Stadt Staßfurt eine bezahlbare Maßnahmenalternative zur bisherigen Maßnahme M9 entwickeln zu dürfen und anschließend umzusetzen“, heißt es in der Mitteilungsvorlage. Auch hier gilt: „Alle im Rahmen des Änderungsverfahrens anfallenden Kosten erklären die Vorhabenträger zu übernehmen und die Stadt Staßfurt hiervon freizustellen. Eine Alternative ist noch offen. Wir wollen den Weg aber nicht mehr anfassen. Unsere Überlegung ist es, an anderer Stelle weiter zu machen“, sagt Niestrath.

Proteststurm entgangen

Die Stadt unterstützt den Umschwung. „Das ist unverhältnismäßig. Das kann man den Vorhabenträgern nicht antun“, sagt Henry Vorkauf vom Fachbereich Planen und Bauen der Stadt.

Auch die Kommunalpolitiker gehen mit. Viel mehr: Sie sind durchweg froh, dass der Weg nun doch nicht entsiegelt wird. „Wir sind einem Proteststurm der Anwohner gerade noch so entgangen“, sagt Förderstedts Ortsbürgermeister Peter Rotter (CDU) erleichtert. Denn alle Volkssprecher waren sich einig: Der Weg wird gebraucht. Dieser darf nicht entsiegelt werden. „In Zukunft müssen wir darauf achten, dass so ein Wirtschaftsweg nicht einfach entfernt wird“, meinte Günter Döbbel (FDP/offene Liste). „Dieses Detail haben wir nicht gesehen.“ Dem stimmte auch Rotter zu. „Wir haben alle geschlafen. Wir haben noch einmal Glück gehabt“, sagte dieser.

So sei der Weg ein Durchfahrtsweg für mehrere dahinter liegende Wohnhäuser. Auch Müllfahrzeuge würden diesen nutzen. Dazu sei die Zufahrt wichtig für die Anfahrt der Feuerwehr. Der Weg bleibt also definitiv. Wo es an anderer Stelle weiter geht mit der Ausgleichsmaßnahme, muss noch erörtert werden. „Vielleicht gibt es dazu in der nächsten Sitzung schon einen Vorschlag“, sagt Ulrich Niestrath dazu.

Weitere Maßnahmen abgeschlossen

Die umliegenden Maßnahmen M5 bis M8 hingegen wurden schon abgeschlossen. „Das ist eine tolle Sache. Das ist schön, dass da etwas passiert ist“, freut sich Hans-Jürgen Lärz (CDU). Er regte an, dass die entstandene Wiese vom Reit- und Fahrverein Förderstedt für eine Koppel genutzt werden könne. Eine Anfrage an den Verein habe er bereits gestellt.„Das waren sehr gute Arbeiten in den Gärten“, lobt auch Gunter Schmidt (CDU).

Was konkret gemacht wurde? Die Garten- und Landschaftspflege Wende GmbH hat unter anderem sämtliche Gehölze gerodet und entsorgt. Nur zwei erhaltungswürdige Bäume blieben stehen. Zäune zwischen den Parzellen wurden zurückgebaut, vorhandene Gebäude entkernt und abgetragen. Müll und Unrat wurde aufgenommen und entsorgt, Pflanzen wurden geliefert und gepflanzt. Die Rasenansaat soll in diesem Frühjahr erfolgen.