Staßfurt l Eigentlich sollte das „Haus am See“ als „Sahnehäubchen“ der Investitionen rund um die Stadtsee-Gestaltung längst stehen. Viele Jahre Diskussionen im Stadtrat waren dem nunmehr vollzogenen Baustart vorausgegangen. Dazu hatten sich Fördermittelzusagen mit enttäuschenden Absagen abgewechselt.

Wie erwähnt, die Gestaltung des Stadtsee-Terrains mit diesem Doppelgebäude sollte die Ergebnisse der Internationalen Bauausstellung (IBA) 2010 krönen.

Bagger rollen

Anfang 2019 nun begannen die Bagger, die Baugrube für das Doppelgebäude, das einmal das Archiv der Stadt und ihre Bibliothek beherbergen sowie Mietern der Wohnungs- und Baugesellschaft Staßfurt exklusives Wohnen ermöglichen soll, auszuheben. Dabei kamen Fundamente zum Vorschein, die auf historische Gebäude schließen lassen.

Womöglich reichen die Funde auch noch weiter in die Vorgeschichte der Salzstadt zurück, als es noch keine steinernen Behausungen gab.

Stadtplanerin Anke Michaelis-Knakowski verweist darauf, dass es sich nicht um einen Baustopp handele. „Von Anfang an stand fest, dass es vorbereitende Ausgrabungen geben wird, weil wir uns hier in einem historischen Bereich befinden.“ Jeder Bauherr sei übrigens der Archäologie verpflichtet, muss solchem zusätzlichen Aufwand letztendlich auch Rechnung tragen. „Das war auch bereits beim Ausbau der Steinstraße so“, erinnert sich die Stadtplanerin. Damals allerdings überraschend. Bei den Ausgrabungen in der Steinstraße seien Reste mittelalterlicher Bebauung gefunden worden, blickt sie zurück. Damals hätte die Straße mehrere Schichten aufgewiesen. „Die Dokumentation unserer neuen Baustelle wird sicher interessant“, meint Michaelis-Knakowski.

Ob entsprechende Ergebnisse in absehbarer Zeit vielleicht sogar mal im Stadt- und Bergbaumuseum Staßfurt gezeigt werden könnten – quasi als kleine Gegenleistung vom Landesamt für Denkmalpflege und Archäologie – dazu sei sie überfragt.

Mittelalterliche Keramik und Knochen gefunden

Derweil rechnet Archäologe Thomas Kubenz nach ersten Ausgrabungen nicht mit spektakulären Funden, wie vielleicht anfangs erwartet. Immerhin befand sich hier in diesem Bereich ein Siedlungszentrum mit Kirche, Rathaus, Schule.

„Von solchen Gebäuden zeugen in erster Linie die Fundamente aus Bruchstein, aber auch Stützmauerfragmente aus gebrannten Ziegelsteinen“, erklärt der Ausgrabungsleiter des Landesamtes.

Man habe mittelalterliche Keramik gefunden und Knochen. „Das genaue Jahrhundert wird aber dann in Halle festgestellt. Wir nehmen die Funde zum Feierabend immer mit“, ergänzt Kubenz.

Wie lange die Ausgrabungen dauern, hänge immer von der Tiefe der Gruben ab, ob es sich um Abfallgruben handelt oder um Brunnen oder ähnliches. Siedlungsgruben würden sich zudem überlagern. Soviel könne er sagen: Die Funde zeugen von einfachen Leuten, die hier gelebt hätten, von einem Alltagsleben.

Thomas Kubenz rechnet damit, dass das Grabungsteam Ende März seine Arbeit hier vor Ort beenden wird.

Die Fertigstellung des vor zwei Jahren mit 2,4 Millionen Euro geplanten Vorhabens steht noch nicht fest. Selbst der Termin des 1. Spatenstichs nicht.

Stadt rechnet mit 20 Prozent mehr Baukosten

Womit die Stadt allerdings schon jetzt rechnet, sind erhöhte Baukosten, die sich allgemein um etwa 20 Prozent gesteigert haben.

Unberührt davon bleibt der Fördermittelbescheid in Höhe von 1,7 Millionen Euro, den Bauminister Thomas Webel bereits Ende 2017 überreicht hatte.